Quelle: Stadt Haar

Leibstraße: Stress um Sperrungen

von Eva Bistrick

Wie berichtet, beginnt in Haar am Montag, 22. Juni, die Neugestaltung der Leibstraße. Die zentrale Einkaufs- und Aufenthaltsstraße soll auf einer Länge von 354 Metern schrittweise saniert und erneuert werden. Die Arbeiten dauern nach Angaben der Stadt voraussichtlich bis Herbst 2028. Bereits ab Mittwoch, 17. Juni, steht die Postwiese an der Ecke Waldluststraße / Ludwig-Thoma-Straße wegen der Baustelleneinrichtung nicht mehr zur Verfügung.

Noch bevor die Mega-Baustelle offiziell startet, hagelt es Kritik. Verschiedene Gewerbetreibende, Eigentümer und Anwohner befürchten erhebliche Belastungen durch die geplanten Vollsperrungen während der einzelnen Bauabschnitte.

Am 16. Juni hatte die Haarer SPD-Fraktion ein Parkraumkonzept für die gesamte Bauzeit gefordert. Ein entsprechender Antrag soll in der nächsten Sitzung des Stadtrats am 23. Juni behandelt werden. Die SPD begründet ihren Vorstoß mit den zu erwartenden Einschränkungen durch wegfallende Parkplätze und Baustellenverkehr.

Inzwischen haben sich auch Gewerbetreibende, Eigentümer und Anwohner mit einem offenen Brief an Haars Bürgermeister Andreas Bukowski gewandt. Darin kritisieren sie insbesondere die Dauer der geplanten Vollsperrungen und befürchten wirtschaftliche Nachteile für die ansässigen Betriebe. Zudem werfen sie der Stadt Haar vor, über die konkreten Auswirkungen der Baumaßnahme zu spät informiert worden zu sein. Für Unmut sorgt vor allem, dass die betroffenen Abschnitte während der Bauarbeiten längerfristig überhaupt nicht für den Fahrzeugverkehr zugänglich sein werden. Gewerbetreibende befürchten dadurch Probleme bei Anlieferungen und empfindliche Umsatzeinbußen durch das Ausbleiben von Kunden.

Auf den offenen Brief reagierte Bürgermeister Andreas Bukowski (CSU) am 17. Juni mit einer schriftlichen Stellungnahme. Darin weist die Stadt den Vorwurf mangelnder Information zurück. „Die Sanierung der Leibstraße war in den vergangenen sechs Jahren acht Mal Teil der öffentlichen Sitzungen“, heißt es in dem Schreiben. Eigentümer seien per Post, Telefon, in Einzel- und Gruppengesprächen, durch Anwohnerbriefe sowie über die städtische Website informiert worden. Bereits am 23. Juli 2025 habe zudem ein Informationsabend für Gewerbetreibende stattgefunden. Dabei seien Anlieferbedarfe aufgenommen und in die Bauplanung eingearbeitet worden.

Die Stadt betont außerdem, dass Geschäfte, Praxen und Dienstleister während der gesamten Bauzeit erreichbar bleiben sollen. Für Lieferverkehr, Entsorgung, Pflegedienste und mobilitätseingeschränkte Personen seien individuelle Lösungen vorgesehen.

Einige Fragen der Kritiker bleiben jedoch zunächst offen. So enthält die Stellungnahme keine detaillierten Angaben dazu, ob alternative Bauabläufe mit geringeren Einschränkungen geprüft wurden. Unklar bleibt für einige Betroffene zudem, wie die Erreichbarkeit während der Vollsperrungen im Alltag konkret sichergestellt werden soll. Die Stadt verweist auf individuelle Lösungen für Lieferverkehr und Dienstleistungen, erläutert deren praktische Umsetzung bislang jedoch nicht näher.

Der Ablauf im Überblick

Der Umbau erfolgt in vier Bauabschnitten:

  • 22. Juni bis Dezember 2026: Abschnitt vom Kreisverkehr bis zur Friedrich-Ebert-Straße. Der Kreisverkehr selbst bleibt zunächst ausgespart.
  • Februar bis August 2027: Abschnitt zwischen Gartenstraße und Brunnerstraße.
  • Juli bis Dezember 2027: Abschnitt zwischen Konradstraße und Wasserburger Straße.
  • Februar bis Oktober 2028: Sanierung des Kreisverkehrs und Abschluss des Gesamtprojekts.

Während der jeweiligen Bauphasen sind die betroffenen Abschnitte für den Autoverkehr gesperrt. Geschäfte, Praxen und Einrichtungen sollen weiterhin zu Fuß und mit dem Fahrrad erreichbar bleiben, teilweise mit Umwegen.

Geplant sind unter anderem neue Fahrbahnen und Gehwege, zusätzliche Grünflächen, Aufenthaltsbereiche mit Sitzmöglichkeiten, neue Bäume und Sträucher sowie Maßnahmen zur Klimaanpassung wie unterirdische Wasserspeicher und ein modernes Regenwassermanagement. Ziel sei eine sicherere, grünere und lebenswertere Ortsmitte.

Während der Bauzeit richtet die Stadt am „Eisplatz“ in der Parkstraße einen Infocontainer ein. Dort stehen mittwochs von 17 bis 18 Uhr Ansprechpartner für Fragen zum Baufortschritt zur Verfügung. Die Müllabfuhr soll während der gesamten Bauzeit wie gewohnt weiterlaufen.