Parkende Autos, reger Verkehr und Kinder, die kaum sicher über die Straße kommen: In Grasbrunn sorgt die Verkehrssituation auf der M25, einer Kreisstraße, für reichlich Ärger. Jüngst haben sich Bürgermeister Sebastian Stüwe, sein Stellvertreter Hannes Bußjäger, Vertreter von Polizei, Gemeindeverwaltung und Landratsamt sowie mehrere Gemeinderäte und betroffene Bürger zu einem Ortstermin getroffen. Dabei wurde teilweise durchaus emotional diskutiert. Das konkrete Ergebnis: Eher übersichtlich.
Parkende Autos auf der Durchfahrtsstraße behindern den Verkehr und nehmen die Sicht – besonders an Kurven und Einmündungen. Doch ein generelles Parkverbot könnte das nächste Problem schaffen: Wo keine Autos mehr stehen, wird möglicherweise deutlich schneller gefahren. Ein echtes Dilemma. Verständigt hat man sich letztlich darauf, dass das bestehende Parkverbot im Bereich der Feuerwehr in Richtung Harthausen verlängert werden soll. Ein weiteres ist gegenüber der Einmündung Harthauser Weg geplant. Dadurch entstehen zusätzliche Lücken zwischen den parkenden Autos, sodass sich Autofahrer bei Gegenverkehr Stück für Stück vorarbeiten können, statt lange warten zu müssen und anschließend genervt aufs Gas zu treten. Gleichzeitig soll die Straße dadurch übersichtlicher werden.

Große Sorgen machen sich vor allem die Eltern. Denn insbesondere für die Kinder des Kindergartens Honigblume sowie Schüler, die über den neuen Radweg Richtung Sportpark, zur Grundschule oder zu weiterführenden Schulen wollen, fehlen sichere Querungsmöglichkeiten. Gefordert wurden deshalb zusätzliche Zebrastreifen oder sogar eine Ampel auf Knopfdruck. Polizei und Landratsamt verwiesen allerdings auf die gesetzlichen Vorgaben und warnten davor, dass ein Zebrastreifen auch ein trügerisches Sicherheitsgefühl vermitteln könne.

Für viele Eltern schwer nachvollziehbar. Sie trauen sich schon heute kaum, ihre Kinder alleine über die Straße zu lassen. Eine Verkehrszählung an der Bushaltestelle bei der Honigblume soll zeigen, wie viele Fußgänger pro Stunde die Straße tatsächlich queren wollen und wie viele Fahrzeuge gleichzeitig auf der Straße unterwegs sind. Denn, so will es die deutsche Bürokratie: Bei zu wenig Verkehr können Fußgänger auch so gehen; bei extrem dichtem Verkehr ist eher eine Fußgängerampel nötig. „Ich befürchte, dass wir in fünf Jahren wieder hier stehen und es hat sich nichts geändert“, kommentierte Grasbrunns 2. Bürgermeister Hannes Bußjäger trocken. Die Gemeinde selbst kann hier nicht tätig werden, da es sich bei der M25 um eine Kreisstraße handelt und insofern der Landkreis München dafür zuständig ist.
Für zusätzlichen Ärger sorgt die Springerstraße. Obwohl dort eigentlich nur Anlieger fahren dürfen, nutzen zahlreiche Autofahrer die Wohnstraße als Abkürzung, um dem Verkehr auf der M25 auszuweichen. Gerade morgens, wenn viele Kinder unterwegs sind, kann das gefährlich werden. Doch das Durchfahrtsverbot regelmäßig zu kontrollieren, sei unrealistisch. Und: Grundsätzlich könne man nur schwer prüfen, wer tatsächlich ein „Anliegen“ hat und wer die Straße lediglich als Abkürzung (Schleichweg) nutzt. Anliegerstraßen sind zahnlose Tiger, so die Vertreter der PI Haar.
Diskutiert wurden mitunter hochemotional. Eine Patentlösung hatte bei dem Ortstermin niemand parat. Klar wurde aber: Was den Autoverkehr flüssiger macht, muss den Schulweg noch lange nicht sicherer machen. Und genau darin liegt das Problem.


