Restaurant-Test: Little India in Vaterstetten

von Eva Bistrick

Nach mehreren Jahren mit wechselnden Pächtern haben Lakhbir Toor und Manjinder Dhillon (Foto) die Leitung ihres Restaurants „Little India“ in der Vaterstettener Schwalbenstraße wieder selbst übernommen. Die beiden hatten das Lokal bereits 2013 gegründet – mit dem Ziel, authentische indische Küche nach Vaterstetten zu bringen. Nach einer umfassenden Renovierung wollen sie nun wieder persönlich für Qualität und Kontinuität stehen. Wir haben uns bei einem Besuch davon überzeugt:

Beim Blick auf die Speisekarte des Little India fällt vor allem auf, dass viele Gerichte deutlich näher an der klassischen nordindischen Küche bleiben. Die Gewürze werden präzise abgestimmt, vieles kommt daher aromatischer und weniger „eingedeutscht“ auf den Tisch. Besonders gelungen: die Gerichte aus dem Tandoor-Lehmofen. Alle Gewürze, so erklären uns die Gastgeber, werden frisch gemörsert bzw. gemahlen, es werden keine fertigen Würzmischungen verwendet. Dhillon: „Da weiß ja keiner, was wirklich drinsteckt.” Auch die grünen Chilischoten, die u. a. auf dem scharfen Nan-Brot verwendet werden, werden für die typischen Curry-Gerichte gemahlen und nicht als Pulver eingekauft.

Apropos Nan-Brot. Das darf bei einem Besuch im indischen Restaurant keinesfalls fehlen. Außen leicht knusprig, innen weich und fluffig – für mich ein Pflichtprogramm zum Curry. Neben klassischem Nan aus dem Tandoor-Ofen stehen unter anderem Garlic-Nan, Cheese-Nan, Chili-Nan oder das leicht süßliche Peshawari-Nan mit Nüssen auf der Karte.

Willkommen im Little India!

Auch wenn wir uns schon oft vorgenommen haben, mal was anderes zu probieren, landen wir meist immer beim Chicken Tikka Masala, wegen seiner würzigen, angenehm cremigen Sauce, die nicht in Süße abrutscht. Wer kräftigere und schärfere Aromen mag, sollte das Chicken Vindaloo probieren. Das ursprünglich aus Goa stammende Gericht kombiniert Hähnchen mit Kartoffeln in einer intensiv gewürzten, scharfen Sauce. Reis und Kartoffeln gleichzeitig wirken hierzulande zunächst ungewohnt, in Indien ist diese Kombination aber durchaus verbreitet. Aber heute wollen wir ja mal die Vielfalt der Karte kennenlernen und bitten Toor und Dhillon, uns einfach mehrere kleine Portionen zusammenzustellen. Wie man so schön sagt: Sharing is caring. Wir müssen hier ja keine strenge Menülogik einhalten, erlaubt ist, was schmeckt. Und das war bei unserem Besuch einiges, der indischen Gastfreundschaft sei Dank.

Zu einem Besuch hier gehört für mich unbedingt auch ein Lassi – das klassische indische Joghurtgetränk, das die Schärfe angenehm ausbalanciert. Gerade im lauschigen und neu gestalteten Sommergarten, den wir trotz bewölktem Himmel genießen dürfen, passt das ausgezeichnet und wird – ähnlich wie dem Aperol-Spritz-Phänomen – gleich an mehreren Tischen gleichzeitig geordert. Allerdings in verschiedenen Versionen, denn im Little India gibt es das Lassi entweder salzig mit einer Spezialmischung u. a. aus Kreuzkümmel und Koriander, oder leicht süß mit Mango.

Neben bekannten Klassikern wie Pakoras, Curries, Biryanis gibt es vor allem verschiedene Tandoori-Spezialitäten. Wir probieren uns einmal quer durch die Karte: zuerst Dahi Puri, knusprige Teigbällchen, gefüllt mit Kartoffeln, Kichererbsen, Tamarinden-Chutney, grünem Chutney und Joghurt, garniert mit frischem Koriander und Granatapfelkernen. Ein klassisches indisches Streetfood-Gericht, das im Little India sehr elegant serviert wird und frisch-würzig schmeckt. (Auf der Karte Nr. 22; 6,90 Euro)

Dahi Puri, knusprige Teigbällchen – absolute B304.de-Empfehlung!

Danach reicht man uns Aloo-Tikki, ausgebackene Taschen aus Kartoffelpüree in einer Brotkrumenpanade. Erinnert mich an raffinierte Rösti, gefüllt mit Gemüse. (Auf der Karte Nr. 23; 7,50 Euro)

Herzhaft und herzig: Aloo-Tikki und herzförmige Gurkendekoration auf dem Teller

Jetzt beenden wir unseren vegetarischen Ausflug und teilen uns den Panchrangi Kebab, eine gemischte Grillplatte mit verschiedenen Tandoori-Spezialitäten mit Hühnchen und Lammfleisch. (Auf der Karte Nr. 55; 26,90 Euro).

Kommt dampfend direkt vom Ofen auf den Tisch: Panchrangi Kebab

Eigentlich sind wir jetzt schon satt, doch wir sollen unbedingt noch weitere indische Spezialitäten testen. Puh, dabei kneift die Jeans bereits. Doch das Trio, das uns da serviert wird, ist unwiderstehlich: Palak Paneer, ein cremiges Spinat-Käse-Curry (Nr. 104). Paneer ist ein frischer indischer Käse, dessen Konsistenz an eine Mischung aus Mozzarella und Feta erinnert. Er hat einen milden Geschmack und wird im Little India ebenfalls frisch zubereitet. Dazu gibt es mir bis dato unbekannte aber köstliche (!) Malai Kofta, Gemüse-Klößchen auf Kartoffelbasis, gefüllt mit Paneer und Nüssen in feiner Mandel-Sahne-Sauce (Nr. 106). Dazu bekommen wir noch eine Probier-Portion vom beliebten Chicken Kashmiri, das heute auf der Mittagskarte im Menü mit einem Salat oder einer Suppe angeboten wird.

v. l. n. r.: Palak Paneer, Chicken Kashmiri und Malai Kofta, dazu gibt es Basmati-Reis
Zum Abschied darf es noch eine Mango Panna Cotta sein. Markus und ich wollen sie uns teilen, ich kann froh sein, noch was davon abbekommen zu haben. Das sagt eigentlich alles über den Geschmack.

Künftig sollen im Little India auch Live-Abende mit traditioneller indischer Musik, Weinabende sowie Übertragungen von Fußballspielen stattfinden. Ob mittags oder abends, das Little India ist definitiv öfter einen Besuch wert. Auch die Terrasse, deren Front bald vom wilden Wein völlig eingewachsen sein wird, ist einladend gestaltet.

Geöffnet täglich von 11 bis 14.30 Uhr sowie von 17 bis 22.30 Uhr.

Little India
Schwalbenstraße 4, 85591 Vaterstetten
Telefon: 08106 / 30 87 77
www.littleindiavaterstetten.com