Quelle: privat

Mein Hundeleben: Corona Alltag?

von Eva Bistrick

Corona bringt schon einige „Blüten“ zu Tage. Ich bin allerdings davon überzeugt, dass die Pandemie wirkt wie eine Vorspul-Taste – und so viele Prozesse, im Guten wie im Schlechten, einfach nur extrem beschleunigt. Soll heißen, das war alles schon da – kein Problem, keine Rücksichtslosigkeit kam einfach aus der Kiste gesprungen. Es empfiehlt sich daher, nicht zu viel Zeit in den (a)sozialen Medien zu verbringen und den unzähligen Absonderungen anderer uneingeschränkt Gehör zu schenken, wenn man nicht zusehends selber durchdrehen will. Gerade bei jemandem wie mir, wo der Abstand zwischen Reiz und Reaktion ungefähr die Größe einer Mikrozellenbatterie hat, ist selbstauferlegte Abstinenz (und viel Verständnis) gefragt.

Viele haben sich im Lockdown einen Hund angeschafft – das zeigt sich unter anderem auch in der Zunahme von FB-Hundegruppen, Whats-App Hundechats oder sogar Hunde-Apps. Wussten Sie, dass es mittlerweile auch eine Dating-App für Hunde gibt? Also quasi Tinder für Wuffis. Natürlich habe ich Elvis auch gleich angemeldet und bin jetzt voll im Bilde: Ich weiß zum Beispiel, welcher Hund Hühnchen zu Mittag hatte, in welchem Umkreis sich Schäferhündin Nova gerade bewegt und vermutlich auch, wie es um die Wurmkur vom Nachbarshund bestellt ist. Information overload! Aber man kann ja weiterscrollen, wenn es einem nicht passt. Sollte man auch.

Elvis in seinem Element: Dreck
Foto: privat, Vanessa Bock Nesbo GassiService

Beispiel gefällig? Die nachfolgende „Unterhaltung“ habe ich aus dem Internet und kann Ihnen das unmöglich vorenthalten. Ein Paradebeispiel für unser Miteinander:

Hundehalter „Andi“ eröffnet einen Post in einer Facebook-Hundegruppe: „Ich habe ein Problem mit meinem elf Monate alten Rottweiler . Seit kurzem bellt er alles an, wenn wir im Dunkeln unterwegs sind. Was kann ich dagegen tun?“ Eigentlich ist doch nichts dabei, wenn man Gleichgesinnte um Rat fragt. Doch binnen kürzester Zeit entwickelt sich hieraus ein Facebook-Krimi, der seinesgleichen sucht:


23 Hundehalter (kurz HH) fragen, ob Andi schon einen Trainer kontaktiert habe
27 HH wissen, dass das Problem immer am anderen Ende der Leine hängt
4 HH fragen, ob der Rottweiler HD hat
9 HH werfen Andi vor, dass er sich wohl im Vorfeld nicht richtig mit der Rasse und ihren Eigenschaften auseinander gesetzt habe, der „Rotti“ schließlich kein Anfängerhund und wahrscheinlich einfach nicht richtig ausgelastet ist
15 HH posten einen Link zu Milan/Rütter/beliebiger Hundetrainer
34 HH betiteln Milan/Rütter/beliebiger Hundetrainer daraufhin als Tierquäler/Komiker/steinzeitlich/Rudelführer/Wattewerfer und es entsteht ein Link-Battle zu Videos und Artikeln
13 HH zweifeln an Andis Bindung zum Hund und geben Tipps, wie er diese verbessern kann
8 HH raten Andi dazu „sich mal richtig durchzusetzen und dem Hund zu zeigen, wer der Chef ist“, am Besten durch Alphawurf und Anknurren (?)
2 HH setzen ein Lesezeichen, weil sie dasselbe Problem haben (na immerhin)
1 HH droht den „Alphawerfern“ mit dem Veterinäramt und empfiehlt, die intermediäre Brücke auszuprobieren (???)
3 HH fragen nach dem Futter, denn sie haben gehört, dass gebarfte Hunde schneller aggressiv werden
26 HH steigen auf das Futterthema ein und erklären die Vorteile der jeweiligen Kategorie (Trocken, Nass, Roh, Vegetarisch/Vegan)
2 HH sagen, dass ihr Hund mit Aldi-Futter 15 Jahre alt geworden ist und nie krank war (Ah ja, sehr hilfreich)
1 HH fragt, warum Andi denn keinen Hund aus dem Tierschutz habe, mit denen hätte er nie solche Probleme gehabt, da die nur dankbar sind und ein Herz aus Gold haben
Dies nehmen 20 weitere HH zum Anlass, über Sinn und Unsinn von (Auslands)Tierschutz und Rassehundzucht zu diskutieren. Es fallen Worte wie „Tierschutzmafia“ und „Rassenazis“, bis die Hälfte der Diskutanten vom Admin entfernt wird
Endlich fragt 1 HH, warum der Hund nicht einfach kastriert wird.

Sehr viel Meinung für recht wenig Ahnung. So manch einer fühlt sich jetzt an unsere aktuelle Impfdebatte erinnert oder gar an die letzte Pressekonferenz der Bundesregierung. Ich halte es nach Oscar Wilde: „Gesegnet seien jene, die nichts zu sagen haben und den Mund halten“.

(Shame on me)


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