Aktuell sorgt die Berichterstattung eines bundesweiten Online-Mediums über ein laufendes Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts des sexuellen Missbrauchs an Kindern in unserer Gemeinde für große Aufmerksamkeit. Zahlreiche besorgte Leser haben uns gefragt, warum B304.de hierzu bislang nicht berichtet hat.
Die Antwort ist einfach: Wir recherchieren zu dem Fall bereits seit November vergangenen Jahres. Wir stehen unter anderem mit den zuständigen Behörden und vielen anderen betroffenen Personen im Austausch und gehen zahlreichen Hinweisen nach. Dennoch sind uns als Lokalmedium bei einem laufenden Ermittlungsverfahren enge presserechtliche Grenzen gesetzt. Gerade in einer Gemeinde wie Vaterstetten können bereits wenige Angaben dazu führen, dass Beteiligte identifizierbar werden. Gleichzeitig gilt bis zu einer rechtskräftigen Verurteilung die Unschuldsvermutung.
Selbstverständlich liegt auch uns eine umfassende Aufklärung des Sachverhalts am Herzen. Sollten sich die gegen den Beschuldigten erhobenen Vorwürfe bestätigen, muss dies konsequent strafrechtlich aufgearbeitet werden. Ebenso wichtig ist die Frage, ob es Versäumnisse gegeben hat und welche Lehren daraus für die Zukunft gezogen werden müssen. Auch diesen Fragen gehen wir selbstverständlich nach.
Was wir allerdings nicht tun werden, ist pauschale Schlussfolgerungen zu ziehen.
Die Berichterstattung der vergangenen Tage vermittelt – unter anderem durch die Überschrift („Ganzer Bayern-Ort deckte Fußballbetreuer“) – den Eindruck, ein ganzer Ort oder ganze Vereine hätten den Beschuldigten gedeckt oder bewusst weggesehen. Eine derart pauschale Bewertung entbehrt jeder Grundlage und dagegen verwehren wir uns, als Bürger der Gemeinde Vaterstetten, ausdrücklich. Sollte es Verantwortliche geben, die von Straftaten wussten oder Hinweise bewusst ignoriert haben, dann muss dies selbstverständlich benannt und vollumfänglich aufgeklärt werden. Dies setzt jedoch belastbare Tatsachen voraus.
Den vielen ehrenamtlich engagierten Menschen in unseren Vereinen pauschal Mitwisserschaft oder gar Mitverantwortung zu unterstellen oder den Eindruck zu erwecken, ist unserer Meinung nach äußerst unfair. Tag für Tag setzen sich unzählige Trainer, Betreuer, Vorstandsmitglieder und Helfer mit großem persönlichen Einsatz für Kinder und Jugendliche ein. Dieses großartige Engagement darf nicht durch Generalverdacht in Misskredit geraten, sondern verdient ein Höchstmaß an Respekt. Wir von B304.de bedanken uns ausdrücklich bei den vielen Müttern und Vätern, die ihre Freizeit für das Allgemeinwohl opfern.
Aufgabe von uns Journalisten ist es, Missstände aufzudecken und kritische Fragen zu stellen. Genauso wichtig ist es aber auch, Verantwortung zu übernehmen – gegenüber möglichen Opfern, gegenüber Beschuldigten, gegenüber den vielen Menschen, die zu Unrecht unter Generalverdacht geraten könnten. Diesem Anspruch fühlen wir uns bei B304.de verpflichtet. Insofern werden wir den Fall weiterhin intensiv recherchieren und selbstverständlich darüber berichten, sobald dies rechtlich zulässig und nach unseren journalistischen Maßstäben verantwortbar ist. Nach Auskunft der Staatsanwaltschaft München II befinden sich die Ermittlungen derzeit aber noch in einem frühen Stadium. Weshalb zu den Hintergründen derzeit keine näheren Angaben gemacht werden können.
