Ärger um 46.000 Euro-Gutscheine

von Markus Bistrick

Wie in jedem Jahr lädt die Gemeinde Vaterstetten im Rahmen des Volkfestes (11. bis 16. Juni) auch heuer wieder zu einem Seniorennachmittag ein. Doch beim Versand der Gutscheine hat es massive Probleme gegeben, so dass viele Senioren zwar eine Einladung, aber keine Maß- und Hendl-Marken erhalten haben. Nach Angaben der Verwaltung seien die Einladungskarten wie in den Vorjahren ohne Umschläge als Dialogpost verschickt worden. Offenbar seien die Perforationen der Gutscheine in diesem Jahr jedoch fehlerhaft verarbeitet worden, sodass sich zahlreiche Marken während der weiteren Bearbeitung oder des Postversands lösten. Das sei vereinzelt auch in den Vorjahren schon passiert, aber eben nicht in einem derartigen Umfang.

Ersatz für Betroffene

Betroffene können nun gegen Vorlage ihres Personalausweises im Rathaus neue Gutscheine erhalten oder diese direkt beim Seniorennachmittag (Montag, 15. Juni, 12 bis 17 Uhr) vor Ort abholen, heißt es aus dem Rathaus. Missbrauch könne nicht ausgeschlossen werden, man gehe jedoch davon aus, dass sich niemand an den Gutscheinen bereichere, sondern lediglich die ihm zustehenden Marken einlöse.

Insgesamt wurden heuer 4.320 Einladungskarten zum Seniorennachmittag an alle Bürger ab 70 Jahren verschickt. Gesamtkosten im vergangenen Jahr: 46.423,44 Euro. Das gefällt nicht jedem.

Bewusst keine Differenzierung nach Bedürftigkeit

Nur ein Kommentar dazu (in den Sozialen Medien): „Wann hört diese Steuerverschwendung endlich auf? Nur ein kleiner Bruchteil der Rentner im Gemeindegebiet ist bedürftig, aber alle erhalten mit der Gießkanne diese Marken. Wäre es nicht viel sinnvoller, an alle Bedürftigen im Gemeindegebiet Marken zu verteilen, unabhängig von ihrem Alter?“ Die Rathausverwaltung teilt uns auf  B304.de-Nachfrage dazu mit: „Die Gemeinde möchte bewusst keine Unterscheidung oder Bewertung der finanziellen Situation einzelner Personen vornehmen. Eine Differenzierung nach Bedürftigkeit steht der Gemeinde weder zu, noch ist sie gewünscht.“ Der Seniorennachmittag solle vielmehr eine offene Möglichkeit für alle Senioren darstellen, gemeinsam einen schönen Nachmittag zu verbringen, soziale Kontakte zu pflegen und am gesellschaftlichen Leben teilzunehmen.

Insgesamt kostet das von der Gemeinde veranstaltete Volksfest den Steuerzahler jedes Jahr rund 53.000 Euro – darin berücksichtigt sind bereits die Einnahmen, etwa durch Pachtverträge. „Es ist ausdrücklich nicht das Ziel der Gemeinde, Gewinne aus den Bürgerinnen und Bürgern zu generieren. Vielmehr stellt die Gemeinde mit dem Volksfest ein Angebot für die Öffentlichkeit bereit, das regelmäßig mit entsprechenden Ausgaben verbunden ist.“