Ein unerwarteter Jobverlust kann eine Krise auslösen. Für den 54-jährigen Familienvater Michael Kienzler aus Neukeferloh wurde er jedoch zum Katalysator, um einen lang gehegten Traum zu verwirklichen: die Veröffentlichung eines eigenen Musikalbums. Eine Geschichte, die zeigt, wie berufliche Umbrüche als Chance genutzt werden können und wie moderne Technologie, gepaart mit eigener Kreativität, völlig neue Wege eröffnet.
Ende vergangenen Jahres stand Michael Kienzler nach rund 30 Jahren in der IT-Branche plötzlich vor einem Neuanfang. Zuletzt hatte der Neukeferloher Familienvater als Teamleiter im Vertrieb für namhafte Softwarehersteller gearbeitet. Statt jedoch in Selbstmitleid zu versinken, entschied er sich für einen ungewöhnlichen Schritt: Der 54-Jährige packte einen Rucksack und flog nach Bali. Anstatt auf der indonesischen Insel aber – wie ursprünglich geplant – intensiv über einen beruflichen Neustart nachzudenken, was ihm „total schlechte Laune“ bereitete, nutzte Kienzler die Auszeit für seine große Leidenschaft, die Musik. Schon während seiner Kindheit am Bodensee hatte er sein Taschengeld in Schallplatten investiert.
„Das sind meine Ideen, meine Emotionen“
Auf Bali wollte Kienzler, der seit 2008 mit Frau und Sohn in Neukeferloh lebt, zunächst eigentlich nur kleine Videos für Freunde mit selbst produzierter Musik unterlegen. Dabei entdeckte er die Möglichkeiten der Künstlichen Intelligenz. Von einer „seelenlosen KI-Musik“ will er allerdings nichts wissen. Die Technik sei für ihn lediglich ein Werkzeug. Die Texte stammen aus seiner Feder. „Das sind meine Ideen, meine Emotionen“, betont er. Für einen einzigen Song habe er oft bis zu 100 Anläufe benötigt. Geholfen habe ihm die kreative Atmosphäre auf Bali.
Aus den ersten Liedern wurde schnell mehr. Freunde reagierten begeistert, nach dem dritten Song entstand die Idee für ein komplettes Album. Bei der Veröffentlichung seiner Songs konnte Kienzler auf seine jahrzehntelange Vertriebserfahrung zurückgreifen. Über einen Distributor brachte er seine Musik auf mehr als 150 Streaming-Plattformen, darunter Spotify und Apple Music. Zusätzlich startete er eine Marketingkampagne auf TikTok und Instagram. Mit Erfolg: Seit der Veröffentlichung Ende April wurde sein Debütalbum allein auf Spotify mehr als 40.000 Mal gestreamt – und das in 76 Ländern weltweit. Seine elektronisch geprägten Songs erreichen dabei Hörer zwischen 18 und über 60 Jahren. Sogar ein LinkedIn-Beitrag über sein Musikprojekt erzielte deutlich mehr Aufmerksamkeit als seine früheren Business-Posts.
„Andere pflanzen Bäume – ich habe ein Album herausgebracht“
Ob aus der Musik einmal ein zweites berufliches Standbein wird? Eher unwahrscheinlich. Reich werde man mit Streaming derzeit nicht, sagt er. Denkbar seien jedoch individuelle Songs für Unternehmen oder andere Auftraggeber. Für ihn ist das Album aber ohnehin vor allem ein persönlicher Meilenstein. „Andere bauen Häuser oder pflanzen Bäume – ich habe ein Album herausgebracht.“
Bis Ende des Jahres muss der Neukeferloher entscheiden, wie es beruflich weitergeht. Eine mögliche Option ist die Selbstständigkeit, bei der er sein großes Netzwerk und seine langjährige Erfahrung in der IT-Branche einbringen könnte. „Ich brauche keine Karriere mehr“, sagt er. Wichtig seien ihm heute Freude an der Arbeit und Projekte, für die er wirklich brenne.
Stillstand gibt es bei ihm aber ohnehin nicht. Bereits jetzt arbeitet Kienzler an seinem zweiten Album. Inhaltlich wird es sich stärker mit Themen wie Mindset und persönlicher Entwicklung beschäftigen. Die Inspiration kommt diesmal nicht von den Reisfeldern Balis, sondern aus dem eigenen Garten in Neukeferloh. Man darf gespannt sein, wie das dann klingt. Mit seiner Geschichte möchte Michael Kienzler anderen Mut machen. Der Verlust seines Jobs sei rückblickend ein befreiender Impuls gewesen. Sein Beispiel zeigt: Auch mit Mitte 50 kann ein Neuanfang neue Perspektiven eröffnen.
Hier geht’s zum Album bei Spotify: https://open.spotify.com/intl-de/album/7eZqavqvRLPJ6H73L9lxnG und hier bei Youtube: https://www.youtube.com/@mk-couchsurfer/shorts
