Verstärkte Kontrolle an Wertstoffinseln

von Markus Bistrick

Überfüllte Container, illegal abgestellter Müll und zusätzliche Reinigungskosten: Die Gemeinde Vaterstetten geht verstärkt gegen sogenannten Mülltourismus an ihren Wertstoffinseln vor. Dabei werden auch Mitarbeiter des Umweltamtes in zivilen Fahrzeugen eingesetzt. Eine solche Kontrolle sorgte bei einem Leser aus Buch bei Kirchseeon allerdings für Irritationen.

Wer an einer Vaterstettener Wertstoffinsel seinen Müll entsorgt, muss damit rechnen, von Mitarbeitern der Gemeinde angesprochen zu werden. Hintergrund sind nach Angaben des Umweltamtes zunehmende Probleme mit überfüllten Containern und Abfällen, die neben den Sammelstellen abgestellt werden.

Aufmerksam geworden ist B304.de auf das Thema durch die Zuschrift eines Lesers aus Buch bei Kirchseeon. Er hatte am vergangenen Freitag gemeinsam mit seiner über 85-jährigen Mutter die Container am Vaterstettener Bahnhof genutzt. Nach seiner Darstellung entsorgte er dort drei Kisten mit Altpapier und Kunststoff sowie Flaschen – nach eigenen Angaben ausschließlich Abfälle seiner in Vaterstetten lebenden Eltern.

„Fast schon bespitzelt“

Als er anschließend weiterfahren wollte, sei er von einer Frau in einem zivilen Fahrzeug angesprochen und gefragt worden, ob er Müll entsorgt habe und woher er komme. Erst auf Nachfrage habe sie sich mit einem Dienstausweis als Mitarbeiterin der Gemeinde ausgewiesen.

Der Leser empfand die Situation als unangenehm. Man habe sich „etwas überfallen und ja, kontrolliert“ gefühlt, schreibt er in einer E-Mail an B304.de. Gerade wenn lediglich informiert werden solle, halte er ein ziviles Auftreten für unglücklich. Es entstehe schnell das Gefühl, „fast schon bespitzelt“ zu werden. Gleichzeitig betont er, das weitere Gespräch sei zwar emotional, aber nicht unfreundlich verlaufen.

Nach seiner Erinnerung erklärte die Mitarbeiterin außerdem, dass bei Beobachtungen an den Wertstoffinseln etwa fünf von 20 Nutzern nicht aus Vaterstetten gekommen seien. Der Leser bezweifelt, dass solche Kontrollen den personellen Aufwand rechtfertigen. Zudem argumentiert er, dass auch Vaterstettener gelegentlich Wertstoffcontainer in Nachbargemeinden nutzen dürften.

„Massive Probleme durch illegale Ablagerungen“

Das Umweltamt widerspricht dieser Einschätzung. In seiner schriftlichen Antwort an den Leser verweist es auf „massive Probleme durch überfüllte Wertstoffcontainer und illegale Abfallablagerungen“ im Umfeld der Sammelstellen. Neben Beeinträchtigungen der Sauberkeit und möglichen Hygieneproblemen entstünden dadurch zusätzliche Kosten für die Reinigung. Diese müssten letztlich über die Abfallgebühren von den Bürgerinnen und Bürgern Vaterstettens getragen werden.

Als einen wesentlichen Grund nennt die Gemeinde den sogenannten Mülltourismus. Viele umliegende Kommunen würden bei Kunststoffverpackungen auf den Gelben Sack setzen. Nach Beobachtung des Umweltamtes nutzten deshalb auch Auswärtige die Vaterstettener Container, unter anderem um den Müll nicht bis zum nächsten Abholtermin zu Hause lagern zu müssen.

Nach der Abfallwirtschaftssatzung seien die gemeindlichen Entsorgungseinrichtungen ausschließlich für Einwohner Vaterstettens bestimmt, erklärt Simone Herzig vom Umweltamt. Abfälle, die in anderen Gemeinden oder Landkreisen angefallen seien, dürften dort nicht eingeworfen werden.

Im konkreten Fall stammte der Müll nach Angaben des Lesers allerdings von seinen in Vaterstetten wohnenden Eltern. Die Gemeinde verweist darauf, dass dies für die Mitarbeiterin vor Ort zunächst nicht erkennbar gewesen sei. Bei einer Kontrolle müsse deshalb auch eine auswärtige Person angesprochen werden können.

Kontrollen bewusst in Zivil

Dass die Mitarbeiter dabei ohne Uniform und mit zivilen Fahrzeugen unterwegs sind, ist nach Angaben der Gemeinde beabsichtigt. Nur so lasse sich ein realistisches Bild davon gewinnen, wer die Wertstoffinseln nutze. Ziel sei zunächst nicht die Bestrafung, sondern die Aufklärung und das direkte Gespräch. Erst in einem weiteren Schritt könnten bei Verstößen auch Bußgelder verhängt werden.

Den Vorwurf einer „Bespitzelung“ weist das Umweltamt zurück. Die Kontrollen seien eine Maßnahme zur Durchsetzung der örtlichen Regeln sowie zum Schutz der Gebührenzahler. Die Gemeinde kündigt deshalb an, die Containerplätze auch künftig zu kontrollieren und unsachgemäße Abfallablagerungen zu ahnden.