Vaterstetten hat die entscheidende Prüfung zur Aufnahme in die Arbeitsgemeinschaft fahrradfreundliche Kommunen in Bayern (AGFK) bestanden. Einen ganzen Tag lang nahm eine Bewertungskommission die Radverkehrsförderung und Infrastruktur der Gemeinde unter die Lupe. Die offizielle Auszeichnung als „Fahrradfreundliche Kommune in Bayern“ soll im Februar 2027 folgen.
Vier Jahre hatte die Gemeinde Zeit, ihre Hausaufgaben zu machen. Bei einer ersten Überprüfung im Mai 2022, der sogenannten Vorbereisung, wurde erfasst, wie Vaterstetten beim Thema Radverkehr aufgestellt ist und wo Verbesserungsbedarf besteht. Am gestrigen Dienstag, 22. September folgte nun die Hauptbereisung – und damit die entscheidende Prüfung.
Das Ergebnis: Die Gemeinde Vaterstetten wird als Mitglied in die AGFK Bayern aufgenommen. Gleichzeitig beschloss die Bewertungskommission, Vaterstetten für die Auszeichnung „Fahrradfreundliche Kommune in Bayern“ durch das Bayerische Staatsministerium für Wohnen, Bau und Verkehr vorzuschlagen. Die offizielle Beurkundung ist für den 24. Februar 2027 in München vorgesehen.
Einen Tag lang auf dem Prüfstand
Die Begutachtung dauerte einen ganzen Tag. Am Vormittag stellte die Gemeinde anhand des mehrseitigen Kriterienkatalogs der AGFK vor, was sich bei der Radverkehrsförderung in den vergangenen Jahren getan hat. Landrat Robert Niedergesäß wurde in seiner Funktion als Vorsitzender der AGFK Bayern per Video zugeschaltet.
Am Nachmittag ging es dann aufs Fahrrad. Bei einer Tour durch das Gemeindegebiet wurden unter anderem Fahrradabstellanlagen, Straßenmarkierungen und Beschilderungen sowie die Vorfahrtsregelungen an den neuen Fahrradstraßen begutachtet.
Zur Bewertungskommission gehörten Christian Deuerling von der Landesbaudirektion, Sarah Guttenberger von der Geschäftsstelle der AGFK Bayern und Robert Burschik vom ADFC-Landesverband Bayern. Begleitet wurde die Bereisung unter anderem von Bürgermeisterin Maria Wirnitzer, Vertretern der Gemeindeverwaltung, des Staatlichen Bauamts Rosenheim, des Landratsamts Ebersberg, des örtlichen ADFC und des Arbeitskreises Mobilitätswende Vaterstetten.
AGFK-Geschäftsführerin Sarah Guttenberger hob in ihrer Schlussbewertung vor allem die Zusammenarbeit der Beteiligten hervor: „Hier ziehen offensichtlich alle an einem Strang – zwischen Verwaltung und Politik, Institutionen wie dem ADFC oder dem AK Mobilitätswende, Vertretern des Landkreises und des Staatlichen Bauamtes besteht offensichtlich ein ständiger, konstruktiver Dialog; Mobilität wird von Anfang an mitgedacht, selbst die Sicht der Bürger wird mit einbezogen.“
Das überzeugte die Prüfer
Besonders positiv bewertete die Kommission den Grundsatzbeschluss aus dem Jahr 2023, mit dem sich die Gemeinde zur weiteren Verbesserung der Fahrradfreundlichkeit bekannt hat. Gelobt wurden außerdem das erarbeitete Radverkehrskonzept sowie die frühe Berücksichtigung von Mobilitätsfragen bei der Bauleitplanung.
Positiv aufgenommen wurde auch das Ziel der Gemeinde, den Anteil des Radverkehrs an der allgemeinen Verkehrsmittelwahl – dem sogenannten Modal Split – von derzeit 23,5 Prozent bis zum Jahr 2030 um fünf Prozent zu steigern.
Ganz ohne weitere Hausaufgaben geht es allerdings nicht. Die Kommission empfiehlt unter anderem zusätzliche Markierungen und Fahrrad-Piktogramme auf den Straßen, einen für Bürger einsehbaren Winterdienstplan entlang der Verkehrsnetze sowie weitere Kommunikationsmaßnahmen für ein besseres Miteinander im Straßenverkehr.
In sieben Jahren wird erneut geprüft
Die AGFK Bayern besteht seit 2012 und umfasst inzwischen 143 Städte, Gemeinden und Landkreise. Für die Aufnahme müssen zahlreiche Kriterien in den Bereichen Infrastruktur, Information, Kommunikation und Service erfüllt werden.
Die Auszeichnung „Fahrradfreundliche Kommune“ gilt sieben Jahre. Danach muss Vaterstetten bei einer sogenannten Rezertifizierung nachweisen, dass weitere Fortschritte bei der Förderung des Radverkehrs erzielt wurden.


