„Ich war immer offen“

von Markus Bistrick

Direkt nach Weihnachten haben sich die Vhs Vaterstetten und Christiane Schützer einvernehmlich getrennt – nach nur fünf Monaten im Amt der Musikschulleitung. Über die Gründe war in den Medien heftig spekuliert worden. Garniert wurde die Berichterstattung mit unwahren Behauptungen. Das hat die leidenschaftliche und erfolgreiche Kulturmanagerin dazu veranlasst sich nun dem Gespräch zu stellen, zumal sie selbst bisher nicht zu Wort gekommen ist. Markus Bistrick hat Christiane Schützer getroffen und mit ihr exklusiv über die Hintergründe gesprochen.

Christiane Schützer äußerst sich im exklusiven B304.de-Gespräch zu ihrer einvernehmlichen Trennung von der Vhs Vaterstetten nach wenigen Monaten. (Foto: B304.de)
Christiane Schützer äußerst sich im exklusiven B304.de-Gespräch zu ihrer einvernehmlichen Trennung von der Vhs Vaterstetten nach wenigen Monaten. (Foto: B304.de)

 

„Sie ist fachlich kompetent und sehr selbstbewusst“, hatte die Vorsitzende der Vhs, Karin Kölln-Höllrigl, bei der Einführung von Christiane Schützer im September vergangenen Jahres erklärt. Der anfänglichen Euphorie folgte bei der Vhs Vaterstetten Ernüchterung. Zu den Gründen der Trennung heißt es bis heute nur: „Kein Kommentar“. Daraufhin brodelte die Gerüchteküche.

Zu den Fakten: Die 50-jährige Kulturmanagerin ist seit vielen Jahren äußerst erfolgreich als Musikschulleiterin tätig – zuletzt in der Stadt Ludwigshafen. Dort hatte man Frau Schützer auch nur schweren Herzens ziehen lassen und ihr schriftlich mit auf den Weg gegeben, dass sie über ausgezeichnete musikpädagogische Fachkenntnisse und ebenso ausgezeichnete Kenntnisse in den Belangen der Leitung einer Musikschule verfügt. Doch die Stellenausschreibung der Vhs Vaterstetten war für Christiane Schützer einfach zu verlockend und die Landschaft in Oberbayern durchaus reizvoll. „Die Musikschule hat ein großes Potential für die Zukunft und gerade im Zusammenhang mit der Vhs kann man interdisziplinär arbeiten, das fand und finde ich bis heute großartig. Das ist ein spannender Verbund, der wirklich sinnvoll ist“, sagt Christiane Schützer im B304.de-Gespräch.

 

Die perfekte Nachfolge von Kurt Schneeweis

Im September 2013 packt die gebürtige Bochumerin daher ihre Koffer, um sich in Vaterstetten einer neuen Herausforderung zu stellen und ihre über 25-jährige musikpädagogische und kulturpolitische Erfahrung in mehreren Kommunen, das Wissen um Kulturfinanzierung und ihre Führungskompetenz aktiv einbringen zu können. Immerhin hatte Christiane Schützer in Ludwigshafen zuletzt 60 Mitarbeiter unter sich und die Budgetverantwortung für bis zu zwei Millionen Euro. „Unter Frau Schützers Leitung hat sich die Musikschule in sehr positiver Weise weiter entwickelt“, resümiert der stellvertretende Personalleiter der Stadt Ludwigshafen die Zusammenarbeit. Die 50-Jährige galt daher als perfekte Nachfolgerin von Kurt Schneeweis, der die Geschicke der Musikschule in Vaterstetten über 40 Jahre maßgeblich mitbestimmt hatte, seit 1976 deren Leiter war und bis heute sehr präsent ist.

 

Vier, fünf Monate sind eine sehr kurze Zeit

Der Mensch ist und bleibt ein Gewohnheitstier. Was jahrzehntelang funktioniert hat, soll auch so bleiben. „Ich habe in den ersten Tagen bereits gemerkt, dass ich mich als neue Leiterin erst einmal genau mit dem in vierzig Jahren gewachsenen Schulbetrieb vertraut machen und die Mitarbeiter individuell abholen sollte, um dann festzustellen, dass ich es – aus sicherlich nachvollziehbaren Gründen – mit langjährig gut eingespielten Strukturen zu tun habe, deren Weiterentwicklung den angemessenen Raum und die entsprechende Zeit brauchen“, so Schützer. Eine Zeit, die in dieser Form fehlte. „Vier, fünf Monate sind eine sehr kurze Zeit. Aber als Leiterin wurde von mir von Vorstand und Geschäftsführung erwartet, dass ich schnell ganz klar Stellung beziehe.“ Unfreiwillig begibt sich Christiane Schützer zwischen die Fronten. Gemeinsam verständigt man sich daher kurz nach Weihnachten darauf, die Zusammenarbeit einvernehmlich zu beenden.

Die neue Doppelspitze der Musikschule Vaterstetten: Günter Ebel und Petra Scheuring. (Foto: B304.de)
Die neue Doppelspitze der Musikschule Vaterstetten: Günter Ebel und Petra Scheuring. (Foto: B304.de)

Natürlich hätte die Vhs Vaterstetten das Erbe von Kurt Schneeweis auch Petra Scheuring, einer Musikschullehrerin aus den eigenen Reihen übergeben können. Die 44-Jährige hat sich bereits mehrfach ebenfalls für die Stelle der Leitung beworben und diese – nach der Trennung von Christiane Schützer – nun auch gemeinsam mit Günter Ebel kommissarisch übernommen. Doch offenbar entschied man sich damals bewusst für die studierte Konzertsängerin aus Ludwigshafen.

„Ganz persönlich wünsche ich der Musikschule in Vaterstetten von ganzem Herzen alles Gute“, sagt Christiane Schützer. „Und ich freue mich natürlich ebenso über jeden, der mir eine gute und erfolgreiche Zukunft wünscht. Ich halte das, was Musikschulen in Deutschland machen, für einen ganz wichtigen kulturellen Auftrag in unserer Bildungslandschaft und transparente, stabile und professionelle Rahmenbedingungen für die gemeinsame Arbeit in der Musikschule für grundlegend und existenziell“, so Schützer gegenüber B304.de.