Harthauser Dorfladen unter Druck

von Eva Bistrick

Die Zustimmung ist groß, die wirtschaftliche Wirkung bislang gering: 94 Prozent der Teilnehmer einer Umfrage sprechen sich für den Erhalt des Harthauser Dorfladens aus. Doch wenige Monate später zeigt sich, dass die hohe Wertschätzung offenbar nicht automatisch zu mehr Einkäufen führt. Nach einem kurzen Umsatzplus im Frühjahr ist die Nachfrage wieder zurückgegangen. Nun soll gemeinsam mit Experten untersucht werden, ob und wie der Dorfladen wirtschaftlich eine Zukunft haben kann.

In den vergangenen Monaten hat sich im Dorfladen einiges verändert. Nach mehr als 16 Jahren an der Spitze hat Johanna Mayer die Geschäftsführung abgegeben und ist zugleich als Gesellschafterin ausgeschieden. Mit großem persönlichem Einsatz hatte sie den Laden über viele Jahre geprägt und mitgestaltet. Bei der Gesellschafterversammlung am 26. März wurde sie in den Ruhestand verabschiedet. Ihre Nachfolge hat Lilla Stadelmaier übernommen, die bereits seit 2025 im Dorfladen mitarbeitet und mit den Abläufen vertraut ist. Als neuer Gesellschafter ist Günter Okon hinzugekommen. Auch im Team gab es Veränderungen. Doris Weinreich hat den Dorfladen nach langjähriger Mitarbeit auf eigenen Wunsch verlassen. Seit dem 1. Mai unterstützt Baraa Al Diwani das Team nahezu in Vollzeit.

Viel Zustimmung – zumindest auf dem Papier

Wie wichtig ist den Harthausern ihr Dorfladen tatsächlich? Diese Frage sollte eine umfangreiche Befragung beantworten. 475 Bewohnerinnen und Bewohner nahmen teil und beantworteten insgesamt 14 Fragen zu Nutzung, Bedeutung und möglichen Verbesserungen.

Das Ergebnis war zunächst ein deutliches Signal: 70 Prozent bezeichneten den Erhalt des Dorfladens als sehr wichtig, weitere 24 Prozent als eher wichtig. Insgesamt sprechen sich damit 94 Prozent für seinen Fortbestand aus.

Die Gründe liegen auf der Hand: Der Dorfladen ist nicht nur Einkaufsmöglichkeit, sondern für viele auch Treffpunkt und Teil des Dorflebens. Gerade für ältere Menschen, weniger mobile Bürger oder Kinder hat eine Einkaufsmöglichkeit direkt im Ort einen besonderen Wert. Doch die zentrale Frage lautet inzwischen: Wie belastbar ist diese Zustimmung, wenn sie sich nicht in regelmäßigen Einkäufen niederschlägt?

Die Wunschliste ist lang

An Ideen für Verbesserungen mangelt es jedenfalls nicht. Die Teilnehmer der Umfrage äußerten zahlreiche Wünsche. Gefordert wurden unter anderem flexiblere Öffnungszeiten, ein stärker regionales und frisches Sortiment, mehr Sitzmöglichkeiten, eine Café-Ecke, ein größeres Mittags- und Brotzeitangebot sowie zusätzliche Dienstleistungen.

Auch ein Lieferservice für ältere Menschen, ein 24/7-Verkaufsautomat sowie Bestell- und Abholmöglichkeiten wurden vorgeschlagen. Hinzu kommt der Wunsch nach mehr Werbung und einer stärkeren Präsenz über Flyer, Social Media und andere Kommunikationskanäle.

Ein Teil der Forderungen klingt attraktiv, ist wirtschaftlich aber nicht ohne Weiteres umzusetzen. Längere Öffnungszeiten brauchen Personal, ein Café benötigt Platz, Ausstattung und zusätzliche Arbeitskraft. Gerade für einen Laden, dessen wirtschaftliche Lage ohnehin angespannt ist, bedeuten solche Wünsche zunächst höhere Kosten.

Erste Wünsche umgesetzt – Umsatz bleibt trotzdem aus

Einige Anregungen aus der Bevölkerung wurden bereits umgesetzt. So ist die Karten- und Handyzahlung ohne Mindestbetrag möglich. Auch die Werbung wurde mit Flyern, Plakaten und über WhatsApp ausgeweitet, zudem wurde das Brotzeitangebot vergrößert. Der erhoffte Effekt blieb bislang jedoch aus.

Nach einer kurzfristigen Umsatzsteigerung im April ist die Nachfrage mittlerweile wieder zurückgegangen. Auch die häufig gewünschte bargeldlose Zahlung brachte offenbar keine zusätzliche Kundschaft. Die verstärkten Werbemaßnahmen führten ebenfalls nicht zu einem spürbaren Umsatzplus. Damit wird ein grundsätzliches Problem sichtbar: Zwischen dem Wunsch, einen Dorfladen zu erhalten, und der Bereitschaft, dort regelmäßig einzukaufen, besteht offenbar eine Lücke. Diese lässt sich nicht allein durch Umfragen, Sympathiebekundungen oder neue Ideen schließen. Ein Nahversorger kann auf Dauer nur bestehen, wenn genügend Umsatz erwirtschaftet wird.

Wie realistisch ist eine Zukunft des Dorfladens?

Genau das soll nun näher untersucht werden. Gemeinsam mit Experten wird die wirtschaftliche Situation analysiert und geprüft, welche Veränderungen sinnvoll und finanzierbar wären. Dabei dürfte es nicht nur darum gehen, was sich die Bevölkerung vom Dorfladen wünscht. Entscheidend wird sein, welches Angebot tatsächlich genutzt wird und welche Maßnahmen sich wirtschaftlich rechnen.

Die Umfrage zeigt zweifellos, dass der Dorfladen vielen Menschen wichtig ist. Sie zeigt aber bislang nicht, dass genügend Bürger auch bereit sind, ihn durch ihr Einkaufsverhalten zu tragen. Für die Zukunft des Ladens könnte genau darin die entscheidende Frage liegen: Ist der Dorfladen den Harthausern nur ideell wichtig – oder auch wichtig genug, um dort regelmäßig Geld auszugeben?

Dorfladenfest am 10. Oktober

Gelegenheit zum Austausch gibt es spätestens beim nächsten Dorfladenfest. Am Samstag, 10. Oktober, ab 10 Uhr lädt das Team zum Feiern, Essen und Trinken ein.