Von manchen Bürgermeistern kennt man den Namen. Manche sind schnell vergessen. Andere werden zur Institution. Klaus Korneder gehört zweifellos zur letzten Kategorie. Nach 18 Jahren an der Spitze der Gemeinde Grasbrunn wurde der langjährige Rathauschef am vergangenen Mittwochabend von rund 200 geladenen Gästen feierlich verabschiedet – und mit den höchsten Ehrungen ausgezeichnet, die die Gemeinde zu vergeben hat: dem Titel des Altbürgermeisters und der Ehrenbürgerwürde.
Es war ein Abend voller Emotionen, Erinnerungen und Anerkennung. Einer jener seltenen Momente, in denen eine Gemeinde innehält und auf eine Ära zurückblickt. „Der Klaus war nicht nur für den Schützenverein da – der war für alle Vereine da“, brachte es Markus Meyer von der Schützengesellschaft Edelweiß Grasbrunn-Neukeferloh auf den Punkt.
Auch Ulrich Ossig als Vertreter der Nachbarschaftshilfe, der Vorsitzende des TSV Grasbrunn-Neukeferloh, Uli Hammerl, der stellvertretende Landrat und Oberhachings Bürgermeister Stefan Schelle sowie weitere würdigten Korneders offene Tür, seine Verlässlichkeit und seine Fähigkeit, auch bei schwierigen Entscheidungen stets das Gespräch zu suchen.
Krisenmanager mit ruhiger Hand
Dabei begann Korneders Amtszeit nicht gerade unter einfachen Vorzeichen. Kurz nach seinem Amtsantritt 2008 erschütterte die weltweite Finanzkrise auch die kommunalen Haushalte. Gewerbesteuereinnahmen brachen ein, Rücklagen waren knapp. Trotzdem hielt der Bürgermeister an wichtigen Zukunftsprojekten fest. So wurde die Erweiterung der Grundschule in Neukeferloh umgesetzt – ein klares Signal dafür, welchen Stellenwert Bildung für ihn hatte. Es sollten nicht die einzigen Herausforderungen bleiben.
Die Diskussion um ein geplantes Gewerbegebiet für das Traditionsunternehmen Kugler sorgte 2010 für heftige Auseinandersetzungen. Das Unternehmen verließ schließlich die Gemeinde gen Parsdorf. Weggefährten berichteten, diese Entwicklung habe Korneder manche schlaflose Nacht bereitet.
2015 stellte die Flüchtlingsbewegung die Kommunen vor große organisatorische Aufgaben. Auch hier setzte Grasbrunn auf Zusammenarbeit statt Abschottung. Die Unterbringung gelang ohne die Belegung von Turnhallen – nicht zuletzt dank enger Abstimmung zwischen den Bürgermeistern im Landkreis. Und dann kam Corona. Abstand statt Nähe, Videokonferenzen statt Bürgerversammlungen, Einnahmeausfälle statt Planungssicherheit. Doch auch diese Herausforderung meisterte die Gemeinde mit bemerkenswerter Solidarität.

Sichtbare Spuren in der Gemeinde
Wer heute durch Grasbrunn fährt, begegnet vielerorts Projekten, die eng mit Korneders Namen verbunden sind. Unter seiner Führung wurden neue Feuerwehrfahrzeuge angeschafft, ein Feuerwehrhaus in Neukeferloh sowie eine neue Turnhalle gebaut sowie wichtige Verkehrsprojekte vorangetrieben. Zwei neue Kreisverkehre verbessern heute den Verkehrsfluss, ebenso wie neue Radwege, die lange auf der Wunschliste vieler Bürger standen.
Auch beim Thema Energie hat Klaus Korneder Weitsicht bewiesen. Das zunächst gescheiterte Geothermieprojekt mit Vaterstetten, Zorneding und Haar wurde wiederbelebt und entwickelte sich zu einem interkommunalen Zukunftsvorhaben. Im kommenden Jahr sollen die ersten Bohrungen beginnen. Hinzu kommen kommunale Wohnbauprojekte und der Ausbau der Ladeinfrastruktur für Elektrofahrzeuge. Grasbrunn war dabei Vorreiter im Landkreis München.
Doch ganz besonders stolz darf die Gemeinde auf den größten Meilenstein der Amtszeit von Klaus Korneder sein: Seit 2024 ist Grasbrunn schuldenfrei. Da verwundert es uns wenig, als uns der 60-jährige Neukeferloher am Rande der Feierlichkeiten berichtet, dass er seinen Amtsnachfolger, Sebastian Stüwe, gefragt habe, wie er seine feierliche Verabschiedung eigentlich bezahlt, da dafür kein Betrag im Gemeindehaushalt eingestellt worden sei. Typisch Korneder. Aber von nix kommt halt nix.
Erste gleichgeschlechtliche Ehe
In seiner Abschiedsrede zeigte sich Korneder gewohnt bescheiden. Sein Weg ins Rathaus, so sagte er, sei letztlich „eine Aneinanderreihung von Zufällen“ gewesen. Nach seinem Umzug nach Neukeferloh im Jahr 2002 führte ihn sein Engagement in die Kommunalpolitik. Als er am 1. Mai 2008 das Bürgermeisteramt übernahm, habe er nur eine ungefähre Vorstellung davon gehabt, was auf ihn zukommen würde. Heute blickt er auf 18 bewegte Jahre zurück – und auf unzählige Begegnungen. Darunter 280 Trauungen als Standesbeamter, die erste gleichgeschlechtliche Eheschließung im Großraum München im Jahr 2017 oder Gespräche mit prominenten Gästen beim traditionellen Keferloher Montag. Selbst die damalige Bundeskanzlerin Angela Merkel gehörte zu den Persönlichkeiten, die er dort begrüßen durfte. Der emotionalste Moment seiner Rede galt jedoch seiner Familie. Besonders seiner Frau Petra dankte Korneder dafür, ihm während all der Jahre „den Rücken freigehalten“ zu haben. Ganz besonders stolz sei er auch auf seine beiden Kinder.

Den offiziellen Höhepunkt des Abends setzte dann Korneders Amtsnachfolger Sebastian Stüwe. Er verkündete den einstimmigen Beschluss des Gemeinderats, den langjährigen Rathauschef zum Altbürgermeister und Ehrenbürger zu ernennen. In der Laudatio würdigte Stüwe Korneder als einen Mann, der die Gemeinde mit Weitblick, Verantwortungsbewusstsein und großem persönlichem Einsatz geprägt habe. Die Auszeichnungen seien dabei mehr als eine symbolische Geste. Sie dokumentierten die Wertschätzung für ein politisches Lebenswerk, das weit über Bauprojekte und Haushaltszahlen hinausgeht.
An dieser Stelle auch von uns: Vielen Dank, lieber Klaus, für die langjährige, vertrauens- und respektvolle Zusammenarbeit. Wir wünschen dir für die Zukunft von ganzem Herzen alles Gute.

