Wie wahrscheinlich ist es, dass ich meinen Anschlusszug erreiche? Genau diese Frage wollen Patrick Trepte aus Baldham (im Foto rechts) und Justin Räker mit ihrer App Railwise beantworten. Erst seit kurzer Zeit auf dem Markt, schaffte es die Anwendung bereits unter die Top 200 der meistgeladenen Apps in Deutschland – in der Kategorie Reisen sogar in die Top 20.
Kennengelernt haben sich die beiden Gründer während ihres Data-Analytics-Studiums im niederländischen Maastricht. Inzwischen absolvieren beide ihren Master in der Nähe von Lissabon.
Die Idee zu Railwise entstand auf einer Zugfahrt nach Frankfurt: „Wir haben nach einer Verbindung zum Flughafen gesucht und gemerkt, dass kaum jemand historische Verspätungsdaten sinnvoll nutzt“, erzählt Räker. Genau dort setzt Railwise an: Die App analysiert die Pünktlichkeit von Zügen der vergangenen 30 Tage und berechnet daraus, wie wahrscheinlich das Erreichen eines Anschlusszuges ist.
Erste Tests verliefen vielversprechend. „Man konnte ziemlich klare Muster erkennen“, sagt Räker. „Einige Strecken sind regelmäßig verspätet, andere deutlich zuverlässiger.“ Auch je nach Tageszeit zeigten sich wiederkehrende Unterschiede.
Für viele Reisende treffe die App einen Nerv. „Jeder kennt Geschichten darüber, dass man sich auf die Bahn nicht verlassen kann – gerade bei wichtigen Terminen“, sagt Trepte. „Eine verlässliche Datenbasis für bessere Entscheidungen gab es bislang kaum.“
Vom Erfolg überrascht
Derzeit konzentriert sich Railwise vor allem auf Fernverkehr und Regionalzüge. Informationen zur S-Bahn fehlen bislang noch. Laut den Gründern sei das jedoch einer der meistgenannten Nutzerwünsche. „Das lässt sich nicht in zwei oder drei Wochen umsetzen“, so Räker. Im Herbst könnte eine Erweiterung folgen. Vom schnellen Erfolg ihrer App zeigen sich die beiden selbst überrascht.
Auch die Gründung selbst war für das Duo eine Herausforderung. Während sich Unternehmen in anderen Ländern teils innerhalb eines Tages registrieren lassen, erlebten sie in Deutschland deutlich mehr Bürokratie. „Da haben wir viel gelernt“, sagt Trepte. Räker ergänzt: „Man braucht ein Bankkonto, bekommt aber oft keines ohne bestehende Firma.“
Aktuell ist Railwise kostenlos nutzbar – und das soll bei den Grundfunktionen auch so bleiben. Gleichzeitig verursacht die Datenverarbeitung hohe Kosten: Bereits heute wertet das Team nach eigenen Angaben täglich mehr als 25.000 Zugdaten aus. Deshalb prüfen die Gründer ein Bezahlmodell mit Zusatzfunktionen, das sich vor allem an Vielreisende richten könnte.
Langfristig hoffen die Entwickler auf ein paradoxes Szenario: Dass ihre App eines Tages überflüssig sein wird. Wir wünschen den beiden Gründern viel Erfolg!
