Die anhaltende Sommerhitze hinterlässt im Ebersberger Forst deutliche Spuren. Bei einem gemeinsamen Waldbegang informierten sich Landrat Robert Niedergesäß und Vertreter der Bayerischen Staatsforsten über den Zustand des Waldes. Besonders alarmierend: Von rund 150.000 im vergangenen Jahr neu gepflanzten Bäumen in den Staatsforsten Ebersberg und Wasserburg hat fast die Hälfte die schwierigen Bedingungen nicht überstanden.
Teilweise seien die Böden inzwischen bis in etwa zwei Meter Tiefe ausgetrocknet. Den Bäumen fehlt vielerorts das pflanzenverfügbare Wasser. Die Folgen sind bereits sichtbar: Bäume stellen ihr Wachstum ein, Laubbäume werfen vorzeitig ihre Blätter ab.
„Die Trockenheit zeigt uns sehr deutlich, dass wir bei der Entwicklung unserer Wälder keine Zeit verlieren dürfen“, sagt Forstbetriebsleiter Joachim Keßler. Ziel sei ein strukturreicher Mischwald mit unterschiedlichen Baumarten, der Hitze, Trockenheit und anderen Folgen des Klimawandels besser standhalten könne.
Mehr Eichen für den Ebersberger Forst
Wie dieser Waldumbau aussehen kann, zeigte sich bei einer Station des Rundgangs. Eine auf den ersten Blick ungewöhnlich kahle Fläche dient dort als Anbaufläche für Eichen. Die jungen Bäume benötigen viel Licht, weshalb die Flächen zunächst stark ausgelichtet werden müssen.
Bislang liegt der Anteil der Eichen im Ebersberger Forst bei weniger als einem Prozent. Das soll sich künftig ändern: „Der Waldumbau ist eine Aufgabe, die uns über Jahrzehnte beschäftigen wird. Gerade in einem Sommer wie diesem sehen wir sehr deutlich, warum ein vielfältiger und widerstandsfähiger Mischwald so wichtig ist“, erklärt Landrat Robert Niedergesäß. Heute müssten die Voraussetzungen dafür geschaffen werden, dass auch kommende Generationen einen gesunden und stabilen Ebersberger Forst vorfinden.
Eine vergleichsweise gute Nachricht gibt es in Sachen Borkenkäfer: Trotz der Trockenheit fällt der Befall 2026 bislang relativ gering aus. Keßler führt das unter anderem auf das konsequente Käfermanagement der vergangenen Jahre zurück.
Warum gibt es trotz Hitze derzeit relativ wenig Borkenkäfer?
Trockenheit schwächt vor allem Fichten – und macht sie damit anfälliger für Borkenkäfer. Entscheidend bei der Bekämpfung ist deshalb Geschwindigkeit: Befallene Bäume werden gesucht, digital erfasst, möglichst rasch gefällt und aus dem Wald gebracht, bevor die nächste Käfergeneration ausfliegen kann. Die Bayerischen Staatsforsten setzen dafür unter anderem eine eigene Borkenkäfer-App ein. Auch über den Winter werden befallene Bäume gezielt entfernt, um die Ausgangspopulation im Frühjahr möglichst klein zu halten.
Was sind „Klimabäume“?
Den einen Baum, der den Klimawandel problemlos übersteht, gibt es nicht. Die Strategie lautet deshalb: möglichst viele unterschiedliche Baumarten mischen und so das Risiko verteilen. Neben heimischen Arten wie Eiche, Buche und Tanne setzen die Staatsforsten je nach Standort auch auf seltenere Arten wie Elsbeere, Flatterulme, Feldahorn, Linde oder Esskastanie. Langfristiges Ziel sind Wälder mit mehreren Baumarten, unterschiedlichen Altersstufen und größerer Widerstandskraft gegen Hitze und Trockenheit.
Im Ebersberger Forst ist die Eiche ein Beispiel dafür: Ihr Anteil liegt dort laut Forstbetrieb bislang bei weniger als einem Prozent und soll künftig steigen.
