Stroh für die Buttnmandl

von b304

Harthausen hilft auch dieses Jahr wieder dem Berchtesgadener Land bei der Brauchtumspflege
und stellt Stroh für die Buttnmandl zur Verfügung. Über die Jungbauernschaft war der Harthauser Landwirt Martin Renk jun. mit Martin Neumaier in Kontakt gekommen. Neumaier stammt aus Weinfeld, Berchtesgaden, wo ein überlieferter Einkehrbrauch, „das Buttn“ vollzogen wird. Neumaier erzählte Renk, dass die Weinfelder Probleme mit dem Strom für ihre Verkleidung haben, schließlich muss das Stroh eine Länge von 150-180 Zentimeter haben. Das Berchtesgadener Land ist jedoch keine Korngegend und so müssen die Mitglieder das Stroh für die Verkleidung importieren. Renk, der selbst das Brauchtum pflegt, stellt für die Aktion seit 2018 ein Tagwerk großes Feld zur Verfügung, das er mit Staudenroggen, der nicht gedüngt oder mit Spritzmittel behandelt wird, anlegt. Wie jedes Jahr seit 2018, rückten auch heute wieder 20 Burschen aus Weinfeld in Harthausen an, um unter der Leitung von Markus Neumaier, das gemähte Stroh aufzusammeln und zu Garben (mundartlich Schad) zusammenzubinden. 250 Garben benötigen die Burschen mindestens. Damit das Stroh möglichst nicht beschädigt wird, mähte Mathias Friesinger mit einem alten Eicher Bulldog, der mit einem Mähwerk ausgestattet ist, vorsichtig das Getreide. Anschließend wurde per Teppichklopfer das Getreide gedroschen und der Roggen ausgesammelt.

Markus Neumaier (re.) und Martin Renk jun. (Foto: Wolfgang Mende)

“Es kommt auf die Schlagkraft der Burschen an, wo hoch der Ertrag ist”, so Renk lachend. Er rechnet mit vier bis fünf Zentner. Die Garben wurden dann nachmittags mit einem großen Lkw nach Weinfeld transportiert. Das gewonnene Korn wird an eine Bäckerei nach Ebersberg geliefert, wo Roggenbrot hergestellt wird. Das Roggenbrot ist dann auch im Dorfladen Harthausen erhältlich.

Das Buttn, in unserer Gegend unbekannt, stammt aus dem Berchtesgadener Land. Am 5. und 6. Dezember ziehen die Buttnmandl mit ihrem Nikolaus von Haus zu Haus und bekommen von den
Bewohnern kleine Gaben. Die Buttnmanderl sind in langes, ausgedroschenes Stroh eingebunden. Mit Glocken wiegt das Gewand um die 30 Kg. Sollte einer, aus welchen Gründen auch immer umfallen, so ist er auf fremde Hilfe angewiesen. Allein ist das Aufstehen unmöglich, wie von den Mitgliedern zu hören war. Die Weinfelder Buttnmandl kann man mit den Burschenvereinen vergleichen. Es dürfen nur ledige Burschen ab 16 Jahren Mitglieder werden. Eine Ausnahme ist der Nikolaus, für den Alter und Familienstand unbedeutend sind. Neumaier gab heute bekannt, dass er in “Nikolausrente” geht. 40 Jahre führte er das Amt mit Begeisterung aus. Nun soll es ein Jüngerer übernehmen. Markus Neumaier ist Schauspieler und stand bereits mit vier Jahren zum ersten Mal auf der Bühne. Er tritt beim Chiemgauer Volkstheater und auf anderen Volksbühnen auf. Auch in vielen bayerischen Fernsehserien ist er zu sehen. Nach dem Dreschen reiste er gleich weiter nach München, wo er heute Abend auf der Iberlbühne zu sehen sein wird.

(Foto: Wolfgang Mende)
(Foto: Wolfgang Mende)


(Foto: Wolfgang Mende)