Sorgen um Grasbrunner Ortsbild

von Markus Bistrick

Kanister mit Gefahrenstoffen, Schuttablagerungen und ein Dauercamper in Keferloh. Dazu ein Schrottplatz für ausgemusterte Busse, Autos ohne Kennzeichen, die die Straße zuparken und eine gemeindliche Kieswüste hinterm Bauzaun in Grasbrunn. Da wirkt selbst die riesige Lücke, die der Abriss des Grasbrunner Hofs hinterlassen hat, beinahe wohltuend. Mehrere B304.de-Leser haben sich deshalb an uns gewandt, weil sie sich inzwischen ernsthaft um das Ortsbild sorgen. Bürgermeister Sebastian Stüwe verspricht auf Nachfrage Kontrollen und Gespräche – in vielen Fällen seien der Gemeinde jedoch die Hände gebunden, weil es sich um Privatgrund handelt. Mit einer Ausnahme.

In wichtigen Durchgangsstraßen in Grasbrunn werden immer wieder Fahrzeuge abgestellt, einige davon ohne Kennzeichen und im Halteverbot. Der Gemeinde sei die Situation bekannt, erklärt Stüwe gegenüber B304.de. Er habe die kommunale Verkehrsüberwachung angewiesen, den Bereich regelmäßig zu kontrollieren. Zudem sei bereits ein Schreiben an den betroffenen Gewerbetreibenden vorbereitet worden. Darin werde dieser aufgefordert, künftig keine Fahrzeuge mehr im öffentlichen Straßenraum abzustellen. Auch das gemeindliche Bauamt wurde eingeschaltet: Über das Landratsamt München soll eine Baukontrolle veranlasst werden. „Wir bleiben an dem Thema dran, um die Situation für die Anwohnerinnen und Anwohner zeitnah zu verbessern“, verspricht der Bürgermeister.

Immer wieder zugeparkte Durchfahrtsstraßen – teilweise im Halteverbot und ohne Kennzeichen. (Foto: Markus Bistrick/B304.de)

Grundstückseigentümer muss Ablagerungen beseitigen

Besonders brisant sind im Gewerbegebiet Keferloh Ablagerungen, bei denen es sich zumindest dem Anschein nach um problematische oder möglicherweise umweltgefährdende Stoffe handeln könnte. Die betroffenen Bereiche wurden nach Angaben der Gemeinde bereits im Mai an das Landratsamt München gemeldet.

Das Wasserwirtschaftsamt habe die Situation vor Ort kontrolliert und den Vorgang anschließend an die zuständige Immissionsschutzbehörde weitergegeben. Nach deren fachlicher Einschätzung sei durch die gelagerten Gegenstände keine unmittelbare Verunreinigung von Gewässern zu erwarten.

Jede Menge Bauschutt, Eimer und Tüten mit unbekanntem Inhalt lagern in Keferloh beim Gewerbegebiet. (Foto: Markus Bistrick/B304.de)

Damit ist die Angelegenheit allerdings nicht erledigt. Der Grundstückseigentümer wurde von der Behörde mit einer Frist zur Beseitigung der Ablagerungen aufgefordert. Dieser habe zugesichert, das Areal künftig mit einer sogenannten BauWatch-Anlage überwachen zu lassen. Verantwortlich für den ordnungsgemäßen Zustand des Grundstücks bleibe aber der Eigentümer. Stüwe warnt in diesem Zusammenhang vor einem bekannten Effekt: „Leider beobachten wir immer wieder, dass sich wilde Müllablagerungen ausbreiten, wenn diese nicht zügig entsorgt werden.“

Ein “Urlauber” campt seit Wochen im Gewerbegebiet in Keferloh, nur wenige Meter entfernt lagern Kanister mit Gefahrenzeichen. (Foto: Markus Bistrick/B304.de)

Grasbrunner Hof: Erschließung möglichst noch 2026

Nicht vermüllt, aber derzeit ebenfalls wenig ansehnlich präsentiert sich die große Baulücke, die der Abriss des „Grasbrunner Hofs“ mitten im Ortszentrum hinterlassen hat. Der Abriss sei zwar ein „einschneidender Schritt“ gewesen, eröffne aber zugleich die Chance für eine neue Entwicklung, so Stüwe.

Derzeit stimme sich die Gemeinde mit dem Planungsbüro des Eigentümers über die Erschließung und die künftige Straßenplanung ab. Diese Arbeiten könnten nach aktueller Einschätzung noch bis Ende 2026 umgesetzt werden.

Ob allerdings bereits 2027 mit dem eigentlichen Hochbau begonnen wird, ist dagegen offen. Diese Entscheidung liege allein beim Eigentümer und könne von der Gemeinde nicht beeinflusst werden.

Müll vor Wohnhaus inzwischen beseitigt

Verbessert hat sich die Situation nach Angaben des Bürgermeisters dagegen im Schwabener Weg in Neukeferloh. Dort waren vor einem Wohnhaus über längere Zeit größere Mengen unterschiedlichster Gegenstände gelagert worden.

Das Haus sei inzwischen geräumt. Stüwe habe zusätzlich das Gespräch mit dem zuständigen Makler gesucht. Der vor dem Gebäude abgestellte Müll sei mittlerweile entfernt worden, sodass sich das Erscheinungsbild deutlich verbessert habe.

„Busfriedhof“ nur befristet genehmigt

Für besonders viele Diskussionen sorgt der sogenannte Busfriedhof in Grasbrunn. Auf dem Areal stehen zahlreiche ausgemusterte Busse. Der Standort wurde Anfang 2026 von der Gemeinde genehmigt, die Erlaubnis ist auf zwei Jahre befristet. Nach Angaben Stüwes befindet sich die Gemeinde in engem Austausch mit dem Pächter und dem Grundstückseigentümer. Eine der größten Herausforderungen sei zuletzt wiederholter Vandalismus gewesen. Inzwischen sei das Gelände mit einem Bauzaun gesichert worden, außerdem wurden Hinweisschilder angebracht. Zusätzlich habe der Eigentümer eine Videoüberwachung zugesagt.

Wie es nach Ablauf der befristeten Genehmigung weitergeht, ist noch nicht entschieden. Darüber werde zu gegebener Zeit der Bauausschuss beraten.

Dieser Schandfleck gehört der Gemeinde – direkt am Ortseingang Grasbrunn von Harthausen kommend. (Foto: Markus Bistrick/B304.de)

Kiesfläche der Gemeinde kommt auf die politische Tagesordnung

Das Grundstück gegenüber dem Busparkplatz gehört der Gemeinde selbst und wird derzeit vom Bauhof als Lagerfläche genutzt. Bei vielen Bürgern kommt die eingezäunte Kiesfläche allerdings alles andere als gut an. Stüwe zeigt Verständnis für die Kritik: „Mir ist bewusst, dass sich viele Bürgerinnen und Bürger hier eine Verbesserung wünschen.“ Nicht alle Herausforderungen könnten gleichzeitig gelöst werden, dennoch habe die Gemeinde das Grundstück im Blick.

Die künftige Nutzung und eine mögliche Aufwertung des Areals sollen nach Angaben des Bürgermeisters zeitnah politisch beraten werden. Konkrete Pläne oder einen Zeitplan gibt es bislang allerdings noch nicht.

Gemeinde setzt auch auf Hinweise aus der Bevölkerung

Ein umfassendes Konzept gegen Vermüllung und Verwahrlosung einzelner Bereiche hat die Gemeinde bislang nicht vorgestellt. Stüwe betont jedoch, dass Missstände konsequent verfolgt und nicht einfach hingenommen würden.

Der Bauhof sei regelmäßig im Gemeindegebiet unterwegs und melde Auffälligkeiten an die Verwaltung. Die derzeit bekannten Fälle würden nach und nach bearbeitet.

Gleichzeitig ist die Gemeinde weiterhin auf aufmerksame Bürger angewiesen. Hinweise können über den Online-Schadensmelder, in den Bürgersprechstunden des Bürgermeisters oder direkt an das Rathaus weitergegeben werden. Denn gerade bei wilden Müllablagerungen gilt: Je länger niemand einschreitet, desto größer wird häufig der Haufen.