Achterrat könnte teuer werden

von Leon Öttl

Mit einem sogenannten Achterrat könnte es in Vaterstetten künftig ein neues Format der Jugendbeteiligung geben. Alle Achtklässler der Gemeinde sollen dabei an zwei Tagen Ideen für ihre Kommune entwickeln und einbringen. Doch die Umsetzung ist fraglich – denn für das Jugendgremium wäre ein fünfstelliger Betrag nötig.

Im September hatte die SPD beantragt zu prüfen, ob ein solcher Rat eingeführt werden kann. Im Haupt- und Familienausschuss stellten Pia Bittner von der Fach- und Servicestelle für Kinder- und Jugendbeteiligung des Bayerischen Jugendrings sowie Christian Zeisel, Stadtjugendpfleger aus Ebersberg, wo es den Achterrat bereits gibt, Grundlagen der Jugendbeteiligung und den Achterrat als konkretes Instrument vor.

Ob ein Achterrat tatsächlich das richtige Instrument für Vaterstetten sei, sei allerdings offen. Jugendbeteiligung müsse immer an die jeweilige Kommune angepasst werden und funktioniere nicht nach dem Prinzip „copy and paste“, sagte Bittner. Beteiligung sei dabei kein freiwilliges Angebot, sondern ein Recht, das bereits in der UN-Kinderrechtskonvention verankert sei. Vaterstetten befinde sich mit dem Prüfauftrag vom September bereits „auf dem richtigen Weg“. Entscheidend sei jedoch, dass das gewählte Modell auch wirksam sei.

Beim Achterrat handle es sich nicht um ein Verfahren der Mitbestimmung, sondern der Mitwirkung, erklärte die Referentin. Christian Zeisel, der den Achterrat in Ebersberg moderiert, betonte, dort herrsche keine „Weihnachtsmann-Mentalität“ und auch „kein Wunschkonzert“. Es gehe nicht nur darum, Wünsche zu sammeln, sondern die dahinterliegenden Bedürfnisse zu erkennen.

In Ebersberg lernen die Jugendlichen zunächst die Verwaltung kennen. In einer zweiten Konferenz werden anschließend Themen ausgearbeitet und präsentiert. Die Jugendlichen seien dabei „Experten in eigener Sache“, weshalb man ihnen aufmerksam zuhören müsse. Anschließend werde geprüft, welche Vorschläge umsetzbar seien. Ein Vorteil des Modells: Da alle Achtklässler unabhängig von Schulart oder bisherigem Engagement teilnehmen, würden alle Gruppen gleichermaßen erreicht.

Jugendbeteiligung sei letztlich eine Pflichtaufgabe, betonten die Referenten. Dafür brauche es jedoch Qualität – von geeigneten Räumen und ausreichend Zeit bis hin zu einem Organisationsteam. Eine externe Moderation sei dabei „eigentlich zwingend“.

In der anschließenden Diskussion ging es vor allem um Kosten und organisatorischen Aufwand. Annabell Wegener (CSU) schlug vor, den Achterrat mit dem Familienbeirat zu kombinieren oder dort anzusiedeln.

Die Referenten machten jedoch deutlich, dass sich ein solches Projekt „auf keinen Fall nebenbei“ organisieren lasse. Gerade zu Beginn müsse man mit einem „niedrigen fünfstelligen Betrag“ rechnen. Problematisch für die finanziell angespannte Gemeinde: Ein Fördertopf, aus dem etwa die externe Moderation bezahlt werden könnte, sei bereits ausgeschöpft.

Auch personell müsse die Verwaltung nachlegen, erklärte Bittner. Wer das Beteiligungsmodell dauerhaft etablieren wolle, müsse „über eine halbe Stelle reden“, da sich aus den Ergebnissen weitere Projekte entwickelten.

Cordula Koch (SPD) sprach sich dafür aus, nicht nur Jugendliche einzubinden, „die schon ein Sprachrohr haben“. Der Achterrat erreiche alle Jugendlichen unabhängig von der Schulart.

Als mögliche Entlastung der Verwaltung wurde vorgeschlagen, Oberstufenschüler im Rahmen eines P-Seminars organisatorisch einzubinden. Theresa Ederer-Fauth (CSU) begrüßte die Idee grundsätzlich. Gleichzeitig bezeichnete sie den organisatorischen Aufwand als „sehr großes Manko“. Die Beteiligung junger Menschen halte sie dennoch für wichtig. Auch die weiteren Wortmeldungen gingen in eine ähnliche Richtung. Klaus Willenberg (FDP) nannte das Konzept „brillant“, die Umsetzung sei jedoch eine „Frage der Prioritätensetzung“.

Frühestens im Schuljahr 2026/27 könne man starten, so Jasmin Marussis-Kley, Amtsleitung für Familie, Jugend und Bildung im Rathaus. Elisabeth Mundelius, Grünen-Gemeinderätin und Mitglied der HGV-Schulleitung, erklärte, man müsse sogar noch ein Schuljahr weitergehen, wolle man ein Seminar einbinden – die Oberstufler hätten längst ihre Seminare gewählt, an sich wäre eine Einbindung der Abiturienten „durchaus sinnvoll“.

Ihre Fraktionskollegin Luzia Saarschmidt berichtete dagegen von eher ernüchternden Erfahrungen mit verpflichtenden Schulprojekten. „Wenn ich sechs Schüler aus einem P-Seminar zwinge, wird nicht viel zusammenkommen“, sagte sie und nennt ihre eigene Motivation in der elften Klasse als Beispiel. Stattdessen sprach sie sich dafür aus, verschiedene Jahrgangsstufen über einen freiwilligen Wahlkurs einzubinden, um unterschiedliche Perspektiven zusammenzubringen. Mundelius entgegnete, wer sich bewusst für ein Seminar entscheide, „der will das auch wirklich“.

Am Ende beschloss der Ausschuss nicht die Einführung eines Achterrats, sondern grundsätzlich eine stärkere Beteiligung junger Menschen. Die Verwaltung soll nun ein Konzept zur Jugendbeteiligung samt Darlegung des dafür benötigten finanziellen und personellen Aufwands erarbeiten und dem Gemeinderat voraussichtlich zum Jahresende vorlegen.