Der Schauspieler Mario Adorf ist tot. Er starb am Mittwoch im Alter von 95 Jahren in seiner Wohnung in Paris, wie sein Management und die Filmagentur Reinholz in einer Pressemitteilung bestätigten. Er sei nach kurzer Krankheit eingeschlafen, hieß es darin. Sein Durchbruch kam 1957 mit dem Film „Nachts, wenn der Teufel kam“, der teilweise in Baldham gedreht wurde.
Am 8. September 1930 kam Adorf in Zürich als uneheliches Kind auf die Welt. Er wuchs in prekären Verhältnissen auf, kämpfte sich dann hoch. Seine Erfüllung fand er in der Schauspielerei. Direkt nach der Schauspielschule bekam er ein Engagement an den Münchner Kammerspielen und spielte bald erste Filmrollen. Sein Durchbruch kam 1957 mit „Nachts, wenn der Teufel kam“, mit seiner Darstellung des angeblichen Frauenmörders Bruno Lüdke, eines geistig Behinderten. Die Außenaufnahmen entstanden in München und Berlin, die Atelieraufnahmen im Divina-Studio in Baldham.
Das zwischen 1938 und 1941 für Hitlers Bildhauer Josef Thorak errichtete Atelier (Waldstraße 17 in Baldham) durchlebte nach Kriegsende eine wechselhafte Geschichte. Zunächst diente das Gebäude den Amerikanern als Garage und Offizierskasino, wegen Thoraks Pferdeskulpturen bekam es den Beinamen „White Horse Inn“. Anschließend war dort bis 1954 die Baldhamer Waldschule untergebracht, außerdem diente das Gebäude zeitweise als Behelfskirche. Doch dann zogen die Filmleute ein, die legendäre Filmpionierin Ilse Kubaschewski, Gründerin des Gloria-Filmverleihs, ließ das Atelier zum Filmstudio umbauen, ihre Divina Film produzierte dort bis zum Jahre 1961 Kassenschlager, deren Titel man noch heute kennt. Spätere Weltstars wie Karlheinz Böhm und Gert Fröbe kamen ins damals beschauliche Baldham, um dort ihre ersten Hauptrollen zu drehen.
Eine prägende Erinnerung hat der spätere Weltstar Mario Adorf als 27-jähriger Schauspieler aus Baldham mitgenommen. 1957 verkörperte er im Thriller „Nachts, wenn der Teufel kam“ unter der Regie des jüdisch stämmigen Regisseurs Robert Siodmak, der während des Dritten Reiches im Exil leben musste, die Titelrolle des angeblichen Massenmörders Bruno Lüdtke.
Adorf thematisierte die Dreharbeiten in Baldham nicht nur in seiner Autobiographie „Himmel und Erde: Unordentliche Erinnerungen“ (Verlag Kiepenheuer & Witsch), für den Kino-Dokumentarfilm „Es hätte schlimmer kommen können – Mario Adorf“ kehrte er im Jahr 2018 auf eigenen Wunsch an die Drehorte in Baldham zurück.


