Selbst eine erfahrene Pilzsucherin berichtet in diesem Sommer von einer vergleichsweise geringen Ausbeute: „Ich selbst habe diesen Sommer fast gar keine Pilze gefunden“, sagt die Vaterstettener Pilzsachverständige Katrin Biedermann. Für unseren Beitrag „Pilz-Lust statt Pilz-Frust“ hatte sie erklärt, worauf es beim Sammeln ankommt. Jetzt haben wir noch einmal nachgefragt: Was bedeuten Hitze und Trockenheit für die Schwammerlsaison?
Steinpilze und Täublinge könnten bereits im Sommer die Körbe füllen. Doch dafür braucht es ausreichend Regen. Die nötigen längeren Regenperioden seien in unserer Region nahezu vollständig ausgeblieben, erklärt Biedermann. Einzelne kurze Schauer reichen nicht aus. Nötig wären mehrere Tage ausdauernder Regen – möglichst ohne die nächste Hitzeperiode gleich im Anschluss.
Ein Regenguss macht noch keinen Pilzherbst
Auch nach ergiebigem Regen lohnt es sich, die Erwartungen zu bremsen. Nach Biedermanns Einschätzung dauert es etwa sieben bis zehn Tage, bis sich Pilzwachstum einstellen kann. Wer gleich am nächsten Morgen auf eine reiche Ausbeute hofft, ist also womöglich zu früh unterwegs.
Die gesamte Saison möchte die Sachverständige dennoch nicht abschreiben. Regen könne durchaus noch kommen. Die eigentliche Hochsaison beginnt bei uns meist im September und kann je nach Wetter bis in den November reichen, hatte sie bereits im ersten Interview erläutert. Allerdings bleibt Biedermann zurückhaltend: „Ich denke aber die Prognose ist nicht so gut wie in den letzten Jahren.“
Der wichtigste Teil bleibt unsichtbar
Was wir als Steinpilz oder Pfifferling in den Korb legen, ist nur der Fruchtkörper. Das dazugehörige Pilzgeflecht, das sogenannte Myzel, befindet sich im Boden. Seine feinen Fäden können eng mit Baumwurzeln verbunden sein. Ein Waldspaziergang verrät deshalb längst nicht alles darüber, was unter unseren Füßen lebt.
Zwischen vielen Pilzen und Bäumen besteht eine regelrechte Tauschgemeinschaft: Der Pilz liefert Wasser und Mineralstoffe, der Baum gibt ihm dafür Zucker aus seiner Photosynthese. Das erklärt auch, warum bestimmte Pilze bei bestimmten Baumarten wachsen. Andere Pilze bauen abgestorbenes Holz und Pflanzenreste ab und helfen so, Nährstoffe wieder verfügbar zu machen.
Wie gut Pilze Trockenheit vertragen, unterscheidet sich allerdings von Art zu Art. Die Schweizer Forschungsanstalt WSL hat beispielsweise einen mit Baumwurzeln verbundenen Pilz untersucht, dessen dunkler Farbstoff die Pilz-Wurzel-Verbindung widerstandsfähiger gegen Austrocknung macht. Solche Spezialisten zeigen: Nicht alle Pilze reagieren gleich auf Wassermangel. Daraus lässt sich allerdings keine Entwarnung für Steinpilz und Co. ableiten.
Wenn sich wieder Pilze zeigen: Frische zählt
Wer nach langer Suche endlich fündig wird, sollte trotzdem wählerisch bleiben. Denn auch ein richtig bestimmter Speisepilz kann durch beginnende Zersetzung eine Lebensmittelvergiftung verursachen. Die Deutsche Gesellschaft für Mykologie empfiehlt deshalb, nur frische, gesunde Exemplare mitzunehmen. Überalterte Pilze bleiben besser stehen – sie können noch Sporen zur Vermehrung abgeben. Auch ganz kleine Exemplare sollten weiterwachsen dürfen, weil wichtige Bestimmungsmerkmale oft noch fehlen. Für den Transport eignet sich ein luftiger Korb; in Plastiktüten verderben Pilze leichter.
Bei Unsicherheit hilft eine Pilzberatung. Dafür sollten die vollständigen Pilze einschließlich der Stielbasis vorgelegt werden. Ein Foto allein reicht für eine verlässliche Freigabe zum Essen nicht aus: Neben den sichtbaren Merkmalen müssen auch Geruch und Zustand beurteilt werden.
Ob der Herbst die magere Sommerausbeute noch ausgleichen kann, bleibt offen. Biedermanns Einschätzung macht aber deutlich: Für einen Abgesang auf die Schwammerlsaison ist es zu früh.
