Irland im Herzen

von Catrin Guntersdorfer

Vor einem Jahr packte Magdalena Käsweber aus Grasbrunn ihren Koffer für das Abenteuer ihres Lebens. Als Stipendiatin des Programms „Botschafter Bayerns“ zog die damals 16-Jährige für ein ganzes Schuljahr nach Irland – allein, weit weg von Familie und Freunden. Anfang Juni ist sie zurückgekehrt. Im Gepäck: unvergessliche Erinnerungen, internationale Freundschaften und die Gewissheit, an dieser Herausforderung gewachsen zu sein.

„Es war wunderschön – anders kann ich es nicht beschreiben“, sagt die heute 17-Jährige rückblickend. Die ersten Wochen seien fast surreal gewesen. „Ich konnte es noch gar nicht richtig realisieren, dass ich jetzt in Irland bin und konnte gar nicht glauben, dass ich jetzt hier wohne.“ Doch das Gefühl der Fremde verschwand schnell. Einen großen Anteil daran hatte ihre Gastfamilie in der Nähe von Cork. „Sie war super und hat mich voll in ihr Leben mit einbezogen.“

Magdalena fiel es nicht schwer, in Irland neue Freundschaften zu schließen, wie hier mit anderen Austauschschülern. (Foto: privat)

Überhaupt habe sie die Herzlichkeit der Menschen tief beeindruckt. „Die Leute in Irland sind so unglaublich nett und fragen gleich, wie du heißt, wo du herkommst und ob man am Wochenende etwas mit ihnen machen will. Die geben dir sofort ein richtiges Wohlfühlgefühl. Sie sind wirklich interessiert an dir.“ In der Schule lernte Magdalena Jugendliche aus vielen verschiedenen Ländern kennen – unter anderem aus Frankreich, Spanien, Deutschland und Italien. Schnell entstanden Freundschaften, die bis heute halten. Besonders geprägt hat sie die Gemeinschaft an ihrer irischen Schule. „Da kümmert sich jeder um jeden. Die Nettigkeit der Menschen dort, der Zusammenhalt und die Gemeinschaft – das nehme ich auf jeden Fall mit nach Hause.“

In Irland gibt es auch richtig schöne Strände. Magdalena am Inchydoney Beach (Foto: privat)

Dass sie sich während dieses Jahres verändert hat, merken nicht nur ihre Freunde, sondern auch ihre Familie. „Meine Freunde haben mir gesagt, dass ich jetzt selbstbewusster wirke, offener und mehr auf andere Menschen zugehe.“ Auch ihre Eltern sind stolz auf den Schritt ihrer Tochter. „Sie sagen, ich bin selbstständiger und mutiger geworden.“

Das Wieder heim kommen nach Grasbrunn fiel Magdalena überraschend leicht. „Es war krass, wie schnell ich mich wieder hier eingelebt habe.“ Den Kontakt zu ihren Freunden in der Heimat hatte sie während des ganzen Jahres aufrechterhalten. „Es hat sich hier auch nicht so viel verändert, sodass ich nach ein paar Wochen das Gefühl hatte, als wäre ich gar nicht weg gewesen.“

Ganz loslassen musste sie Irland aber nicht. Der Kontakt zu ihrer Gastfamilie und ihren neuen Freunden ist geblieben. „Meine Gasteltern und ich schreiben noch regelmäßig und mit meiner Freundesgruppe aus Irland habe ich eine WhatsApp-Gruppe, in der wir täglich schreiben.“ Tatsächlich plant Magdalena schon den nächsten Besuch in ihrem Traumland. Noch in diesem Jahr möchte sie ihre zweite Familie wiedersehen. Und auch mit dem berühmten irischen Wetter kam sie besser zurecht als erwartet. „Es wird nur ziemlich anstrengend, wenn es gar nicht mehr aufhört und eine Woche durchregnet“, erzählt sie lachend.

Auch das Regenwetter hat Magdalenas Liebe zu Irland nicht beeinträchtigt. (Foto: privat)

An ihren beruflichen Plänen hat das Auslandsjahr nichts geändert. Nach ihrer Rückkehr besucht Magdalena derzeit die Vorklasse einer Sozial-FOS in München und fühlt sich dort bereits wohl. „Ich habe eine sehr nette Klasse, die mich gleich herzlich aufgenommen hat.“ Ab Herbst startet sie in die 11. Klasse und möchte dort ihr Fachabitur machen.

Ob sie anderen Jugendlichen einen Schritt ins Ausland empfehlen würde? Die Antwort kommt ohne Zögern: „Macht das auf jeden Fall, wenn ihr die Möglichkeit dazu habt. Das ist eine Riesen-Chance – um neue nette Menschen kennenzulernen, Freundschaften zu schließen, vielleicht eine zweite Familie zu finden so wie ich, die Sprache zu verbessern und über sich hinauszuwachsen.“

Aus einem Koffer voller Erwartungen wurde ein Jahr voller Erlebnisse. Magdalena ist wieder zu Hause – selbstbewusster, mutiger und um viele Erfahrungen reicher. Und auch wenn sie wieder in Grasbrunn lebt, trägt sie, wie sie selbst sagt, ein Stück Irland für immer im Herzen.

Natürlich ließ sich auch in Irland die Sonne blicken. Hier beim Blick aus Magdalenas Zimmer bei ihrer Gastfamilie. (Foto: privat)
Magdalena bei ihrer Abreise im Juni vergangenen Jahres (Foto: privat)