In Haar sind sie bereits unterwegs: die neuen „MyRadl“ des MVV. Die Vaterstettener Grünen haben nun beantragt, das Sharing-System auch in der Gemeinde einzuführen. Der Bau- und Mobilitätsausschuss befürwortete den Prüfauftrag einstimmig, äußerte aber auch Bedenken.
Immer wieder sei er auf die Mieträder angesprochen worden, berichtete Felix Edelmann (Grüne) bei der Begründung des Antrags seiner Fraktion. Die Teilnahme am früheren MVG-Rad sei für die Gemeinde zu teuer gewesen. Beim seit Mai eingeführten Nachfolgesystem „MyRadl“ des MVV sei man jedoch kostentechnisch „anders aufgestellt“.
Profitieren könnten unter anderem öffentliche Einrichtungen wie der Kletterwald. Besucher könnten mit der S-Bahn anreisen und anschließend mit einem Leihrad weiterfahren. Wer ein Deutschlandticket besitzt, kann die Räder 30 Minuten kostenlos nutzen. Danach kostet jede weitere halbe Stunde einen Euro, bei E-Bikes drei Euro je angefangene halbe Stunde.
Bislang habe man gezögert, weil die Kosten des früheren Systems sehr hoch gewesen seien. In Poing kostete das alte Modell mit 25 Rädern an drei Stationen rund 75.000 Euro jährlich. Da beim neuen MVV-System, das Anfang Mai eingeführt wurde, keine festen Stationen mehr erforderlich sind, sei das Angebot deutlich günstiger. Miesbach zahle für zehn E-Bikes rund 2.500 Euro pro Jahr, erklärte Edelmann.
Auch Bauamtsleiterin Brigitte Littke präsentierte konkrete Zahlen, da die Einführung bereits in der Vergangenheit geprüft worden war. Das alte System hätte die Gemeinde rund 64.500 Euro jährlich gekostet. Für das neue Modell rechnet die Verwaltung mit Gesamtkosten zwischen 72.000 und 96.000 Euro über die gesamte Vertragslaufzeit von 2026 bis 2030. Kalkuliert wurde dabei mit neun Stationen und 40 bis 50 Fahrrädern. Empfohlen wurden der Gemeinde sogar 65 Leihräder.
Die Mitglieder des Bau- und Mobilitätsausschusses unterstützten den Antrag fraktionsübergreifend. Das MyRadl sei im Vergleich zum früheren MVG-Rad mit seinen damals „exorbitant hohen“ Kosten „sehr interessant“, sagte Josef Mittermeier (SPD). Er regte an, den Betreiber des Kletterwalds an den Kosten einer Station zu beteiligen.
Auch Benedikt Weber (CSU) bezeichnete den Antrag als „unterstützenswert“. Er gab jedoch zu bedenken, dass das Angebot vor allem von auswärtigen Besuchern genutzt werden dürfte, da die meisten Vaterstettener ihr eigenes Fahrrad besäßen. Dennoch könne das System eine sinnvolle Ergänzung sein – etwa bei Ausfällen der S-Bahn, wenn Fahrgäste beispielsweise von Haar nach Vaterstetten radeln müssten. Die Räder können gemeinde-, stadt- und landkreisübergreifend ausgeliehen und zurückgegeben werden.
Seine Fraktionskollegin Sonja Ziegltrum (CSU) erinnerte daran, dass es sich um eine freiwillige Leistung der Gemeinde handle. Daher solle man zunächst Erfahrungen aus den Nachbarkommunen einholen und prüfen, wie gut das System dort angenommen werde.
Nach dem einstimmigen Beschluss wird die Verwaltung nun die Einführung genauer prüfen und beim MVV ein konkretes Angebot einholen. Offen ist unter anderem, mit wie vielen Stationen und Fahrrädern gestartet werden soll, welche Standorte geeignet wären und ob eine Förderung möglich ist.
Eine solche Förderung gab es beispielsweise im Landkreis München: Dort übernahm das Umweltministerium 70 Prozent der Einführungskosten. Die entsprechende Förderrunde sei inzwischen jedoch ausgelaufen, teilte ein Ministeriumssprecher mit. Auch im Rahmen der Kommunalrichtlinie, über die Klimaschutzprojekte gefördert werden, seien Bikesharing-Systeme nicht förderfähig. Ob künftig andere Förderprogramme – etwa aus Landesmitteln – aufgelegt werden, ist derzeit unklar.
Bereits im September soll die Verwaltung dem Ausschuss die Ergebnisse ihrer Prüfung vorlegen. Anschließend entscheidet das Gremium endgültig darüber, ob und in welcher Form das „MyRadl“ nach Vaterstetten kommt.
