Die Politik rennt den Menschen dieser Tage buchstäblich die Türen ein. Denn: An diesem Sonntag geht es für Vaterstettens Bürgermeister Leonhard Spitzauer (CSU) und dessen Herausforderin Maria Wirnitzer (SPD) um alles oder nichts. Gelingt Spitzauer die Wiederwahl, oder wird er bereits nach sechsjähriger Amtszeit von dessen Stellvertreterin abgelöst. 8.332 Briefwahlunterlagen wurden bereits verschickt. Der Wahlausgang dürfte – wie bereits 2020 – denkbar knapp werden. Deshalb sind die Kandidaten dieser Tage im Gemeindegebiet unterwegs – bewaffnet mit Schokoherzen und -marienkäfern, Flyern und natürlich einem ganz besonders freundlichen Lächeln. Wenn es also bei Ihnen plötzlich an der Haustür klingelt, könnten das Wahlkämpfer sein. Tür-zu-Tür-Wahlkampf wirkt. Das ist wissenschaftlich bewiesen. Dabei geht es weniger um Inhalte, als um Sympathie. B304.de hat beide Kandidaten bei einer Tour begleitet.

Donnerstag, 12. März, 16.44 Uhr, im Drosselweg in Vaterstetten. „Das Herz schlägt höher, wenn Sie Leonhard Spitzauer wählen“, sagt Landrat Robert Niedergesäß an diesem Tag nicht zum ersten und nicht zum letzten Mal. Dabei überreicht der gerade erst wiedergewählte Baldhamer freudig strahlend ein Schokoherz mit dem Konterfei des Amtsinhabers. Rund 25 mal in den nächsten 1,5 Stunden. Wer die Tür öffnet ist freundlich. Man parliert über Müllgebühren, Baumschutzverordnung, über Verkehrsprobleme in der Bahnhofstraße oder die gefährliche Kreuzung am Maibaum. Themen, die die Menschen seit Jahren bewegen. Aber auch über den FC Bayern und die Fehler von Münchens Oberbürgermeister Dieter Reiter.
„Ich dachte, es sei der Postbote“, sagt einer sichtbar überrascht. Nur spärlich bekleidet hatte er die Türe geöffnet und sich zunächst etwas überziehen wollen. Andere machen sogar Selfies mit dem seltenen Besuch. Teilweise wird man auch ins Haus gebeten. Das sei aber ein Kardinalfehler, da man in der Vergangenheit schon mal mit Schnäpsen ausgeknockt wurde. Nicht böse gemeint, ganz im Gegenteil, aber für die weitere Tour wenig förderlich. Schließlich geht es jetzt um jede Stimme.

Einen Tag später, Freitag, 13. März, 16 Uhr, Anemonenstraße in Vaterstetten. Startpunkt für Maria Wirnitzer, Kandidatin von SPD und Grünen. Die stellvertretende Bürgermeisterin geht gemeinsam mit Gemeinderat Raphael Melcher und Schoko-Marienkäfern auf Stimmenfang. An den Türen folgen Grundsatzdiskussionen über die Politik im Allgemeinen und die Schwächen der Demokratie. Häufig wünscht man viel Erfolg und bekundet höflich Sympathien für einen Wechsel an der Rathausspitze. Repräsentativ ist all das natürlich nicht, darüber sind sich auch die Kandidaten bewusst. Konkrete Themen werden beim SPD-Duo übrigens seltener angesprochen, als beim Klingelputzen des Bürgermeisters. Wohl, weil man die Verantwortung (zumindest noch) nicht bei der stellvertretenden Bürgermeisterin verortet.
Egal ob Spitzauer oder Wirnitzer: Man spürt, wer sich bereits per Briefwahl entschieden hat, auch wenn die wenigsten sagen, wo sie ihr Kreuz konkret gemacht haben.
Was bleibt ist die Erkenntnis, dass es am Sonntag, bei der Neuauflage des Duells von 2020 denkbar knapp werden dürfte. Damals hatte Leonhard Spitzauer die Wahl mit einem Vorsprung von nur 163 Stimmen für sich entschieden.
Abschließend eine Bitte: Gehen Sie wählen, denn es geht um die Politik direkt vor unserer Haustüre. B304.de wird den Wahltag selbstverständlich begleiten und dann ab 18 Uhr direkt aus dem Vaterstettener Rathaus live über die Ergebnisse berichten.
