Vaterstetten hat entschieden: Maria Wirnitzer (SPD) löst Leonhard Spitzauer (CSU) nach nur einer Amtszeit als Bürgermeisterin ab. Sie setzte sich mit 55% Prozent der Stimmen deutlich gegen den Amtsinhaber durch. Die Wahlbeteiligung liegt mit 57,9% über 10 Prozent unter der Beteiligung bei der Stichwahl 2020 (68,4%).
Die Niederlage sei „schon schade“, sagte der sichtlich enttäuschte Leonhard Spitzauer gegenüber B304.de. Vor dem ersten Wahlgang habe er noch an einen Sieg geglaubt, nach der Wahl sei er sich „nicht mehr so sicher“ gewesen und letztlich „schon überrascht“ vom Ergebnis. Spitzauer betonte, er habe sich bei der Ausübung seines Amtes stets größte Mühe gegeben. Eine erneute Kandidatur als Bürgermeister schließt er aus. Auch ob er sein Gemeinderatsmandat wahrnehmen wird, ließ er offen: „Das überlege ich mir noch.“ Seiner Konkurrentin wünschte er „viel Erfolg bei der Ausübung des Amtes – es ist kein einfaches“.
Vom deutlichen Wahlsieg zeigte sich Maria Wirnitzer am Wahlabend im Rathaus überrascht: „Dass es so eindeutig ausgeht, damit hätte ich nicht gerechnet“, erklärte die Gewinnerin. Sie sei „überwältigt“ vom Ergebnis. Gleichzeitig dankte sie ihrem Vorgänger für einen fairen Wahlkampf: „Mir persönlich tut es für Leo auch leid. Wir haben gut zusammengearbeitet – das ist bitter für ihn.“
Wirnitzer kündigte an, „eine Bürgermeisterin für alle“ sein zu wollen. Den Wahlerfolg führt sie darauf zurück, dass viele Bürgerinnen und Bürger sich eine Veränderung gewünscht hätten: „Es muss auch etwas passieren.“ Zudem hätten sich viele eine Frau an der Spitze des Rathauses gewünscht.
Als erste Amtshandlungen stehen am 1. Mai die Teilnahme am Aufstellen des Maibaums in Baldham Dorf sowie am „Lebendigen Maibaum“ des Bund Naturschutz an. Zuvor will sich die Wahlgewinnerin jedoch eine zweiwöchige Auszeit auf den Kanaren gönnen. Der Wahlkampf sei „wirklich anstrengend“ gewesen, die Nerven hätten zeitweise blank gelegen. Die niedrige Wahlbeteiligung bedauerte sie: „Zur Demokratie gehört, dass man zur Wahl geht.“
Glückwünsche erhielt Wirnitzer auch vom Grünen-Kandidaten David Göhler, der sich über ihren Wahlsieg freute. Mit ihr habe man nun eine zusätzliche Stimme im Gemeinderat. Der klare Ausgang sei ein Zeichen dafür, dass die Bürgerinnen und Bürger in Vaterstetten „Modernität und Zukunft“ wollten. Er hoffe, dass sich insbesondere bei den Themen Klimaschutz, Windkraft und Verkehr nun „etwas bewegt“.
Unser Liveblog vom Wahlabend
18.47 Uhr – nun liegen alle Ergebnisse vor. Das vorläufige Endergebnis: 55,0% für Maria Wirnitzer. Leonhard Spitzauer (45%) muss sich nach nur einer Amtszeit von der Spitze des Rathauses verabschieden.
18.34 Uhr – nur noch drei Stimmbezirke fehlen – es bleibt bei 55,5% für Maria Wirnitzer.
18.30 Uhr – es wird immer klarer: nach nun 37 ausgezählten Bezirken führt Maria Wirnitzer weiterhin mit 55,8% der Stimmen.
18.25 Uhr – nun liegen die Ergebnisse von 33 Bezirken vor. Wirnitzer führt weiter klar mit 55,9%.
18.20 Uhr – Mittlerweile liegen die Ergebnisse aller Urnen-Wahlbezirke vor. Klare Siegerin bei den Wählerinnen und Wähler, die vor Ort wählten: Maria Wirnitzer mit 56,5%. Nun treffen nach und nach die Ergebnisse der Briefwahl ein. Auf diesem Wege haben deutlich mehr Wähler gewählt.
18.18 Uhr – Es geht Schlag auf Schlag – nun liegt auch das erste Ergebnis aus einem Briefwahlbezirk vor. Nach 23 von 45 ausgezählten Bezirken liegt Maria Wirnitzer mit 56,1% weiterhin vorne und konnte ihre Führung ausbauen.
18.12 Uhr – Die Wahlhelfer sind heute sehr schnell: nach 19 von 45 ausgezählten Bezirken führt Maria Wirnitzer mit 54,6% weiterhin. Bislang wurden ausschließlich Urnenwahlbezirke ausgezählt.
18.09 Uhr – Die ersten Ergebnisse sind da: Aktuell führt Maria Wirnitzer mit 60,5%. Es handelt sich ausschließlich um Urnenbezirke. Noch ist alles offen.
18.00 Uhr – Jetzt haben die Wahllokale geschlossen und die ehrenamtlichen Wahlhelferinnen und Wahlhelfer beginnen mit der Auszählung. Die ersten Ergebnisse werden in einer knappen halben Stunde erwartet. Mit B304.de verpassen Sie nichts.
Knappes Rennen erwartet
Trotz Amtsbonus erreichte Leonhard Spitzauer im ersten Wahlgang 43,7 Prozent und damit 4,6 Prozentpunkte mehr als vor sechs Jahren. Maria Wirnitzer kam auf 35,5 Prozent und konnte sich damit im Vergleich zu 2020 um 7,7 Prozentpunkte steigern.
Die Entscheidung um das Bürgermeisteramt fiel damals erst in der Stichwahl – mit einem Vorsprung von lediglich 168 Stimmen.
FDP für Spitzauer, Grüne für Wirnitzer, FW neutral
Die FDP stellte dieses Mal keinen eigenen Kandidaten auf und sprach stattdessen eine Wahlempfehlung für Leonhard Spitzauer aus. Die Grünen schickten erneut David Göhler ins Rennen, der im ersten Wahlgang 10,1 Prozent der Stimmen erhielt. Im Anschluss unterstützte die Partei Maria Wirnitzer.
Anders die Freien Wähler, deren Kandidatin Sonja Kiran 10,8% erhielt. Man wolle unabhängig bleiben und spreche daher keine Wahlempfehlung aus, heißt es von der Partei. Damit dürften die FW-Wähler das Zünglein an der Waage sein.
Viele Briefwähler
Stand vorgestern haben 8.332 von gut 19.350 Wählerinnen und Wähler die Briefwahl beantragt. Dies entspricht einer etwas geringeren Zahl als im ersten Wahlgang (8.434). Erfahrungsgemäß liegt die Wahlbeteiligung bei Stichwahlen trotzdem etwas höher als im ersten Wahlgang. Der Abend wird zeigen, ob die Wahlbeteiligung des ersten Wahlgangs von 66,7%, was ziemlich genau zwei Drittel aller Wahlberechtigten entspricht, nochmals gesteigert werden kann. Zum Vergleich: 2020 stimmten zunächst 64,9% der Wahlberechtigten ab, bei der Stichwahl dann 68,2%.
Auswirkungen auf den Gemeinderat
Die Sitzverteilung im Gemeinderat wurde bereits am vorletzten Wochenende entschieden. Der Ausgang der heutigen Wahl hat dennoch Auswirkungen: auf die personelle Zusammensetzung des Gremiums: Kraft Amtes ist der Erste Bürgermeister beziehungsweise die Erste Bürgermeisterin automatisch Mitglied des Gemeinderats. Da sowohl Leonhard Spitzauer als auch Maria Wirnitzer für ihre Parteien kandidierten und jeweils die meisten Stimmen erhielten, würde im Falle ihres Wahlsiegs ein Kandidat der jeweiligen Partei nachrücken.
Für die CSU wäre dies Theo Bader, der bereits bis 2015 insgesamt 37 Jahre dem Gemeinderat angehörte. Für die SPD würde Raphael Melcher nachrücken, der vor gut einem Jahr Günter Lenz ablöste und seither Mitglied des Gemeinderats ist.
