Herzstillstand: jede Minute zählt

von Eva Bistrick

Bei einem Herz-Kreislauf-Stillstand kann die Hilfe von Umstehenden entscheidend sein. Wer sofort reagiert und mit der Wiederbelebung beginnt, kann die Überlebenschancen deutlich verbessern. Daran erinnert der Tag der Wiederbelebung am Freitag, 16. Oktober.

Rettungskräfte erleben immer wieder, dass bis zu ihrem Eintreffen noch keine Wiederbelebungsmaßnahmen begonnen wurden. „Dadurch geht kostbare Zeit verloren“, sagt Juliane Mörsdorf, Erste-Hilfe-Ausbildungsleiterin für den Landkreis Ebersberg. Denn bei einem Herz-Kreislauf-Stillstand zählt jede Minute.

„Beherzte Hilfe verbessert die Überlebens- und Gesundungschancen erheblich“, betont Mörsdorf. Entscheidend sei deshalb vor allem, überhaupt zu handeln – auch dann, wenn der letzte Erste-Hilfe-Kurs schon länger zurückliegt.

Prüfen, rufen, drücken

Reagiert eine Person nicht auf Ansprache und atmet sie nicht normal, sollte sofort der Notruf 112 gewählt werden. Anschließend muss mit der Herzdruckmassage begonnen werden.

Dazu werden beide Hände übereinander in der Mitte des Brustkorbs angesetzt. Der Brustkorb sollte mit gestreckten Armen etwa fünf bis sechs Zentimeter tief eingedrückt werden – mit einer Geschwindigkeit von rund 100 bis 120 Kompressionen pro Minute.

Wer eine Beatmung beherrscht und sie sich zutraut, kann nach jeweils 30 Herzdruckmassagen zweimal beatmen. Wer unsicher ist oder nicht beatmen möchte, sollte die Herzdruckmassage ohne Unterbrechung fortsetzen.

Das im Körper noch vorhandene sauerstoffreiche Blut kann durch die Herzdruckmassage weiter zirkulieren und so Gehirn und andere lebenswichtige Organe versorgen.

Defibrillator kann zusätzlich helfen

Sind mehrere Ersthelfer vor Ort und befindet sich ein automatisierter externer Defibrillator, kurz AED, in der Nähe, kann eine Person das Gerät holen, während die Herzdruckmassage weiterläuft.

Die Geräte geben Schritt für Schritt Anweisungen und prüfen selbstständig den Herzrhythmus. Ein Stromstoß wird nur dann freigegeben, wenn er medizinisch erforderlich ist.

Wichtig bleibt: Die Wiederbelebung sollte für das Holen oder Bedienen eines Defibrillators möglichst nicht länger als nötig unterbrochen werden.

Angst vor Fehlern sollte niemanden abhalten

Viele Menschen zögern aus Sorge, etwas falsch zu machen. Genau diese Unsicherheit kann im Ernstfall jedoch wertvolle Zeit kosten.

Wer nach bestem Wissen und seinen Fähigkeiten Erste Hilfe leistet, muss grundsätzlich keine rechtlichen Konsequenzen fürchten. Gleichzeitig besteht die Pflicht, in einem Notfall im Rahmen der eigenen Möglichkeiten Hilfe zu leisten – mindestens durch das Absetzen des Notrufs.

Mörsdorfs Appell zum Tag der Wiederbelebung ist deshalb eindeutig: „Trauen Sie sich, zu helfen – egal, ob jeder Handgriff sitzt.“ Denn bei einem Herzstillstand gilt vor allem eines: Nicht abzuwarten, sondern zu handeln.