Mehrere Anwohner aus Vaterstetten und Baldham berichten derzeit von Stromwerbern, die unangekündigt an Haustüren klingeln und neue Verträge verkaufen wollen. Dabei sollen die Vertreter teils hartnäckig auftreten und mit unseriösen Aussagen argumentieren.
Die Berichte kommen aus verschiedenen Straßen und ähneln sich auffällig. So soll ein angeblicher Vertreter von „Sachsenenergie“ erklärt haben, das Unternehmen würde derzeit „die Region erschließen“. In einem anderen Fall hieß es demnach, die komplette Nachbarschaft sei bereits auf den neuen Anbieter umgestellt worden. Ein weiterer Anwohner berichtet, ihm sei sinngemäß erklärt worden, ohne einen Vertragsabschluss könne er demnächst ohne Strom dastehen. Er schickte den Werber daraufhin weg.
Auch aus dem Meisenweg sowie dem Bereich Gustav-Mahler-Weg/Rossinistraße werden entsprechende Besuche gemeldet. In der Schwalbenstraße in Baldham sollen zwei junge Männer wegen angeblich günstigerer Stromverträge geklingelt haben. Dabei sei unter anderem mit dem Argument geworben worden, „die meisten im Haus“ hätten bereits gewechselt. Die Männer hätten außerdem angeboten, in der Wohnung bestehende Preise und Verträge zu vergleichen.
Unternehmen bestätigt Besuche
Auf unsere Nachfrage bestätigt die Pressesprecherin von SachsenEnergie, Joanna Lemke, dass Mitarbeiter im Gemeindegebiet unterwegs seien. Es handle sich dabei um einen externen Dienstleister im Auftrag der SachsenEnergie, die offizielle Kleidung tragen und sich mit einem Ausweis des Unternehmens legitimieren können.
Aufdringliches Verhalten sei dabei „nicht vereinbar mit dem Selbstverständnis“ des Unternehmens, so die Sprecherin. Beauftragte Dienstleister seien verpflichtet, seriös und verbindlich aufzutreten. Dabei dürften Interessenten weder belästigt werden, noch dürfen Abschlüsse mithilfe unsachlicher Argumentation, der Herabsetzung von Konkurrenten oder der Ausnutzung der Zwangslage eines Kunden angebahnt werden. „Vorgehensweisen, die diesen Richtlinien widersprechen, sind von uns ausdrücklich nicht gewünscht und werden auch nicht toleriert“, so Lemke. Wer Mitarbeitern, die im Widerspruch zu den Verhaltensregeln handeln, begegne, könne sich an service@sachsenenergie.de wenden. So könne man die „Beratungsqualität sicherstellen“.
Nicht unter Druck setzen lassen
Haustürgeschäfte mit Stromverträgen sind grundsätzlich erlaubt. Das bedeutet allerdings nicht, dass ein überraschend vorgelegtes Angebot tatsächlich günstiger ist oder sofort angenommen werden muss.
Verbraucherschützer raten dazu, sich an der Haustür nicht unter Zeitdruck setzen zu lassen. Wer sich für einen anderen Stromtarif interessiert, sollte Anbieter, Preis, Vertragslaufzeit und Kündigungsbedingungen zunächst in Ruhe prüfen. Besondere Vorsicht gilt bei persönlichen Daten. Zählernummer, Kundennummer, Bankverbindung oder Vertragsunterlagen sollten nicht vorschnell herausgegeben werden.
Wer bereits einen Vertrag an der Haustür abgeschlossen hat, hat bei Verbraucherverträgen grundsätzlich ein gesetzliches Widerrufsrecht von 14 Tagen.
Wenn der Stromwerber klingelt
Nicht unterschreiben: An der Haustür nichts unter Zeitdruck entscheiden.
Keine Daten herausgeben: Zählernummer, Kundennummer, Bankverbindung und Vertragsunterlagen bleiben privat.
Ausweis zeigen lassen: Wer im Auftrag eines Energieunternehmens unterwegs ist, sollte sich eindeutig legitimieren können.
Angebot prüfen: Preise, Laufzeit und Kündigungsfrist später in Ruhe vergleichen.
Im Zweifel selbst anrufen: Nur die offizielle Telefonnummer des Anbieters verwenden.
Schon abgeschlossen? Haustürverträge können in der Regel innerhalb von 14 Tagen widerrufen werden. Bei Fragen hilft die Verbraucherzentrale.
