Dass Feuerwehr und Rettungsdienst im Notfall freie Fahrt brauchen, steht außer Frage. Deshalb hat die Gemeinde Vaterstetten in Teilen der Smetanastraße und Offenbachstraße in Baldham jetzt absolute Haltverbote eingerichtet. Doch was auf den ersten Blick sinnvoll erscheint, sorgt bei den Anwohnern für erheblichen Unmut. Denn gerade für die vielen älteren Bewohner wird jetzt selbst das Ausladen der Einkäufe zum Problem.
Das Wohngebiet stammt aus dem Jahr 1972, die Straßen sind eng und viele der damaligen Bewohner längst im Seniorenalter. Dass parkende Autos die Durchfahrt für Feuerwehr und Rettungsdienst erschweren können, bestreitet hier niemand. Im Gegenteil: Die Anwohner, mit denen B304.de vor Ort gesprochen hat, zeigen ausdrücklich Verständnis dafür, dass die Gemeinde handeln musste.
Doch zwischen einem Parkverbot und einem absoluten Haltverbot liegt ein entscheidender Unterschied. Letzteres untersagt auch das kurze Anhalten, etwa um Einkäufe aus dem Kofferraum zu holen oder jemanden direkt vor der Haustür aussteigen zu lassen.
Insbesondere für ältere Menschen kann das zum echten Problem werden. Denn die Garagen sind dort nicht in unmittelbarer Hausnähe, sondern teilweise weit über 100 Meter entfernt. Eine lange Strecke, über die die Einkäufe ab sofort bis zur Haustür getragen werden müssen – wenn man nicht gegen die Straßenverkehrsordnung verstoßen will. Für manche Bewohner ist das schlicht nicht zu schaffen.
„Bitte überdenken Sie die ‚Absolutheit‘“
Ein weiterer Kritikpunkt: Nach Beobachtung eines Anwohners wird seit der Maßnahme schneller gefahren. Die zuvor am Straßenrand abgestellten Fahrzeuge hätten den Verkehr zumindest gebremst. Besonders dann, wenn Autofahrer die Smetanastraße als Abkürzung nutzten, sei das durchaus hilfreich gewesen.
In einer E-Mail an das Rathaus schildert der Anwohner seine Bedenken und erinnert daran, dass auch Kinder aus den angrenzenden Wohnwegen kommen. Seine Bitte an die Gemeinde: „Bitte überdenken Sie die ‚Absolutheit‘.“
Für zusätzlichen Ärger sorgt die kurzfristige Information. Nach Angaben der Anwohner erfuhren sie erst einen Tag vorher durch ein Schreiben der Gemeinde von den neuen Halteverboten.

Rathaus: Feuerwehr hatte bereits Probleme
Die Gemeinde verweist auf konkrete Schwierigkeiten, die Feuerwehrfahrzeuge bei der Durchfahrt hatten. Im Ernstfall müsse jederzeit gewährleistet sein, dass die Einsatzkräfte schnell ans Ziel kommen. Ein nachvollziehbares Argument, schließlich können wenige Minuten über Leben und Tod entscheiden.
In einer B304.de vorliegenden Antwort an einen betroffenen Bürger erklärt das Rathaus, man habe die örtliche Situation intensiv geprüft und verschiedene Aspekte berücksichtigt. Auch zusätzliche Stellplätze seien im Zuge dieser Überlegungen geschaffen worden. Zudem weist die Gemeinde darauf hin, dass das Parken an den betreffenden Stellen wegen der geringen Straßenbreite bereits zuvor unzulässig gewesen sei. Ein eingeschränktes Haltverbot, das das Parken untersagt, aber das kurzfristige Be- und Entladen erlaubt, hält die Verwaltung nicht für ausreichend, da die Durchfahrt für Rettungsfahrzeuge jederzeit frei bleiben müsse.
Fakt ist: Die Anwohner wollen keine zugeparkten Straßen und schon gar keine blockierten Rettungswege. Sie wünschen sich lediglich eine Regelung, die neben der Sicherheit auch ihren Alltag berücksichtigt.
