Geothermie: Versicherung bremst Bohrstart

von Markus Bistrick

Seit Jahren arbeiten die Kommunen Haar, Grasbrunn, Vaterstetten und Zorneding gemeinsam an ihrem ambitionierten Geothermieprojekt. Die Hoffnung: eine regionale, klimafreundliche und langfristig preisstabile Wärmeversorgung. Doch erneut gibt es Verzögerungen. Der Grund ist diesmal nicht die Technik, sondern eine noch ausstehende sogenannte Fündigkeitsversicherung, die das finanzielle Risiko der ersten Bohrung absichern soll.

„Das zieht sich leider gerade, aber wir können das nicht beeinflussen und die Ausschreibung erst rausschicken, wenn wir die Klärung mit der Versicherung haben“, erklärt GEMO-Geschäftsführer Tobias Aschwer im Gespräch mit B304.de. Solange die Versicherung nicht abgeschlossen ist, könne auch die europaweite Ausschreibung für die Bohrarbeiten nicht starten. Einen konkreten Zeitplan möchte Aschwer deshalb derzeit nicht nennen.

Dennoch blickt die GeoEnergieMünchenOst (GEMO) optimistisch nach vorne. Nach aktuellem Stand soll im kommenden Winter mit dem Bau des Bohrplatzes begonnen werden. Die eigentliche Bohrung ist für das dritte Quartal 2027 vorgesehen. Erwartet werden Wassertemperaturen zwischen 93 und 95 Grad Celsius.

Trotz der erneuten Verzögerung halten alle vier beteiligten Kommunen auf B304.de-Nachfrage unverändert an dem Gemeinschaftsprojekt fest. Übereinstimmend betonen die Bürgermeister, dass es zwar bei einem Vorhaben dieser Größenordnung immer wieder Herausforderungen gebe, die Zusammenarbeit aber weiterhin vertrauensvoll funktioniere und derzeit niemand einen Ausstieg in Betracht ziehe.

Bei der GEMO-Gründung im November 2023: Die (damaligen) Bürgermeister (vorne, v.l.): Piet Mayr (Zorneding, CSU), Leonhard Spitzauer (bis Mai 2026, Vaterstetten, CSU), Klaus Korneder (bis Mai 2026, Grasbrunn, SPD), Andreas Bukowski (Haar, CSU) sowie die Geschäftsführer der Gesellschaft (hinten, v.l.) Markus Porombka (seit Anfang des Jahres ausgeschieden) und Tobias Aschwer.

„Alles ist im Laufen“

Vaterstettens Bürgermeisterin Maria Wirnitzer (SPD) sieht die Umsetzung nicht gefährdet. Zwar hätten neue Rahmenbedingungen wie die Fündigkeitsversicherung, aktuelle geologische Erkenntnisse und personelle Veränderungen den Zeitplan beeinflusst, grundsätzlich laufe das Projekt jedoch weiter. „Alle Projektpartner sind seit Anfang an mit Überzeugung dabei. Daran hat sich nichts geändert“, sagt sie auf B304.de-Nachfrage.

Auch Haars Bürgermeister Andreas Bukowski (CSU) zeigt sich zuversichtlich: „Alle Beteiligten ziehen an einem Strang.“ Zwar gebe es Risiken wie bei jedem Großprojekt, dennoch gehe er davon aus, dass die Geothermie letztlich erfolgreich umgesetzt werde.

Ähnlich bewertet Zornedings Bürgermeister Piet Mayr (CSU) die Situation. „Alles ist im Laufen“, sagt er. Zeitliche Verschiebungen gehörten zu solchen Projekten dazu. Absolute Garantien könne es zwar nie geben, er gehe aber davon aus, dass das Vorhaben wie geplant realisiert werde.

Etwas differenzierter blickt Grasbrunns Bürgermeister Sebastian Stüwe (parteilos) auf die Lage. Auch er sieht derzeit keine Gefahr für das Gemeinschaftsprojekt, verweist jedoch darauf, dass der tatsächliche Erfolg letztlich erst nach der Bohrung feststehen werde. Parallel prüft Grasbrunn deshalb ergänzende langfristige Optionen für die Wärmeversorgung – etwa im Rahmen der interkommunalen ARGE Wärmewende oder mit dem gesicherten bergrechtlichen Claim „Höhenkirchner Forst“. Diese Überlegungen seien jedoch ausdrücklich als Ergänzung gedacht und kein Ersatz für das GEMO-Projekt.

Fernwärme-Preis ist der Schlüssel zum Erfolg

Unterm Strich herrscht bei allen Beteiligten Einigkeit: Der Weg zur Geothermie dauert länger als ursprünglich geplant. Am gemeinsamen Ziel, künftig Wärme aus der Tiefe für die vier Kommunen zu gewinnen, wird jedoch festgehalten. Entscheidend wird nun sein, dass die Versicherung abgeschlossen werden kann und die erste Bohrung die erhoffte Wärmemenge im Untergrund tatsächlich bestätigt.

Entscheidend für den langfristigen Erfolg des Projekts wird am Ende jedoch nicht nur die Fördermenge aus dem Untergrund sein, sondern vor allem auch der Preis der erzeugten Fernwärme. Er gilt als Schlüsselfaktor für die Akzeptanz bei den Verbrauchern und damit für das Gelingen der Wärmewende. Nur wenn sich die geothermisch erzeugte Fernwärme wirtschaftlich und wettbewerbsfähig anbieten lässt, wird sie sich gegenüber anderen Heizsystemen – allen voran der Wärmepumpe – behaupten können. Sollte dies nicht gelingen, dürfte auch das Gemeinschaftsprojekt noch einmal grundsätzlich auf den Prüfstand gestellt werden.