Trotz Kritik: Vaterstetten setzt auf neues Wohnquartier

von Leon Öttl

152 Wohnungen sollen im Vaterstettener Nordwesten entstehen. Nachdem der Freistaat einen millionenschweren Zuschuss zugesagt hat, hat der Gemeinderat nun die Fortsetzung des Projekts beschlossen. Die Wohnungen sollen vor allem für Personen aus der Daseinsfürsorge erschwingliche Mieten bieten.

Lange war unklar, ob das Projekt überhaupt umgesetzt werden kann, weshalb man es zunächst auf die Warteliste setzte: zu teuer wären die Baukosten geworden, ein bezahlbarer Mietpreis wäre so nicht möglich gewesen. Zumal der Fördertopf des Freistaats im Rahmen des sogenannten KommWFP-Programms ausgeschöpft war. Gut 64,7 Millionen Euro soll der Bau kosten. Seit Beginn dieses Jahres liegt nun Klarheit vor: Es wird eine Förderung des Freistaates geben – mit rund 25 Millionen Euro kann die Gemeinde rechnen. Bei einer Zinsbindung von 30 Jahren ergibt sich nach Berechnungen der Verwaltung ein voraussichtlicher durchschnittlicher Mietpreis von 15,46 Euro pro Quadratmeter.

Mit dem Bau entstehe zugleich ein Quartier, betonte Bürgermeisterin Maria Wirnitzer (SPD). Sabine Remling aus der Kämmerei erklärte, man werde auf die ursprünglich geplante Großtagespflege verzichten, da die Bedarfszahlen rückläufig sind. Weiterhin geplant ist unter anderem ein Sozialbürgerhaus. Das OHA soll vom derzeitigen Standort umziehen und den neuen Platz im Quartier finden. 

An den hohen Kosten für den Bau störte sich Klaus Willenberg (FDP), der seit Jahren die Auffassung vertritt, den Bau lieber extern statt in Eigenregie der Gemeinde durchführen zu lassen. Für Willenberg ist unverständlich, dass das Projekt dennoch gefördert wird.: „für mich als Staatsbürger grenzt das schon fast an Steuerverschwendung“, ähnliche Projekte derselben Größenordnung seien mit rund 50 Millionen Euro Baukosten realisierbar. Das Projekt sei „nicht zielführend“. 

Brigitte Littke, Leiterin des Bauamts, entgegnete, dass auch der Projektstopp für Kostensteigerungen gesorgt hätte: „wir hätten es günstiger bekommen“. Die Zinsen seien gestiegen. Andere Projekte in München, die ebenfalls mit Quartierszentrum gebaut worden sind, seien deutlich teurer: „Unser Ansatz war nicht: quadratisch, praktisch, gut“, so Littke. 

Dies entspricht nicht der Vorstellung aller Gemeinderäte. Sonja Ziegltrum beklagte, dass durch den größeren Umfang der Maßnahmen höhere Mieten auf die künftigen Bewohner zukommen. Damit trage man zu „Lebenshaltungskosten, die man sich nicht leisten kann“, bei. Littke entgegnete, dass man bezahlbare Wohnungen „für die normale Bevölkerung“ bauen wolle, und nicht nur für Personen in untersten Einkommensgruppen. 

Für die Fortsetzung sprach sich unter anderem Philipp Trepte (CSU) aus. Das Projekt halte er auch für zu teuer, aber man bekomme durch dieses Wohnungen in den eigenen Bestand, „die wir nie wieder bekommen könnten“. Ohne die bewilligte Förderung sei das Projekt „tot“. Als „entscheidend“ bezeichnete die Förderung auch Stefan Huber (CSU). Die Förderung sei ein „Geschenk des Freistaats“, bei dem man zugreifen müsse. Auch Georg Reitsberger (FW), in dessen Amtszeit als Bürgermeister das Projekt initiiert wurde, pflichtete dem bei: Man konnte das Grundstück kostengünstig erwerben und auch die Grundstückskosten seien Teil des Zuschusses. Man müsse das Projekt „unbedingt durchziehen“. 

Am Ende stimmte die Mehrheit des Gemeinderats für das Projekt, mit Gegenstimmen der FDP. Der früheste Baubeginn wäre im kommenden Jahr, bei planmäßigem Projektverlauf könnten die Wohnungen 2030 bis 2031 bezogen werden.

Zeichnung: Händel Junghans Architekten GmbH