Der Erwerb eines Pkw-Führerscheins kostet in Deutschland laut Verkehrsministerium aktuell im Durchschnitt 3.400 Euro. Das soll günstiger werden. Heißt konkret: Mehr digitaler Unterricht, weniger Sonderfahrten, ein Drittel weniger Fragen bei der Theorieprüfung, eine um 15 Minuten verkürzte praktische Prüfung (reine Fahrzeit 25 Minuten) sowie die Möglichkeit von privaten Übungsfahrten mit vertrauten Begleitpersonen, etwa den Eltern. Außerdem sollen Preise und Erfolgsquoten der Fahrschulen online transparent vergleichbar gemacht werden. Einen entsprechenden Gesetzesentwurf hat das Bundeskabinett bereits auf den Weg gebracht. Der kommt nun in Bundestag und Bundesrat. Angestrebt wird, dass die neuen Regeln Anfang 2027 in Kraft treten. Doch was sagen unsere Fahrschulen vor Ort zu den Plänen? Wir haben nachgefragt und von den meisten eine Antwort bekommen.
Bei den angefragten Fahrschulen stößt die Richtung grundsätzlich auf Zustimmung …
Aber: „Eine deutliche Reduzierung der Gesamtkosten für Fahrschüler ist aus meiner Sicht durch die geplanten Änderungen nicht zu erwarten“, sagt Jessica Griebel von der Fahrschule Griebel in Vaterstetten. Zwar könne mehr Flexibilität bei Sonderfahrten sinnvoll sein, wenn Fahrschüler bestimmte Kompetenzen bereits sicher beherrschten. Die großen Kostentreiber blieben aber: Personal, Fahrzeuge, Versicherungen, Kraftstoff und allgemeine Betriebskosten.
Auch Wolfgang Aschmann von der Fahrschule Aschmann in Baldham rechnet nicht mit einer spürbaren Entlastung. Die Ausbildung könne durch digitale Theorie, Fahrsimulatoren und weniger starre Pflichtvorgaben flexibler werden. Deutlich billiger werde sie dadurch aber kaum. Die Kostensteigerungen der vergangenen Jahre hätten andere Ursachen.
Noch schärfer formuliert es Patrick Kopeczek von Peters Fahrschule in Haar. Die Richtung stimme zwar: mehr Digitalisierung, mehr Transparenz, mehr Orientierung am tatsächlichen Können. Kritisch sieht er aber die politische Erzählung vom billigeren Führerschein. „Günstiger ist nicht automatisch besser“, sagt Kopeczek. Schließlich gehe es um Menschen, die später Fahrzeuge im dichten Verkehr steuern. „Die Messlatte muss die Verkehrssicherheit bleiben, nicht der niedrigste Preis.“
Gerade beim Theorieunterricht zeigt sich, wie unterschiedlich die Reform gelesen wird. Mehr digitale Möglichkeiten finden Fahrschulen grundsätzlich sinnvoll. Griebel warnt jedoch davor, den persönlichen Unterricht zu ersetzen: Austausch, direkte Interaktion und unmittelbare Antworten auf Fragen seien wichtige Bestandteile guter Ausbildung. Jörg Teufl von der Ride & Drive Fahrschule sieht es ähnlich. Reines Lernen per App führe aus seiner Sicht schnell zum Auswendiglernen. Er sagt aus Überzeugung: „Versteher sind Besteher.“ Denn wenn Grundlagen fehlen, wird es später nicht günstiger, sondern teurer. Teufl warnt, dass Defizite aus der Theorie dann in praktischen Fahrstunden aufgearbeitet werden müssten. Kopeczek wird noch deutlicher: „Eine durchfallende Prüfung ist der teuerste Posten überhaupt.“
Besonders heikel werden private Übungsfahrten mit Eltern oder anderen Begleitpersonen gesehen. Zwar sei zusätzliche Fahrpraxis hilfreich, aber eben nur zusätzlich. Aschmann warnt, dass sich bei privaten Fahrten Fehler oder ungünstige Verhaltensweisen einschleichen könnten. Griebel verweist auf fehlende Eingriffsmöglichkeiten in kritischen Situationen. Kopeczek beschreibt die Sicherheitsfrage besonders konkret: „Ohne Doppelpedale und ohne Zusatzspiegel würden unsere Fahrlehrer gar nicht erst mit einem Fahranfänger ins Auto steigen.“ Sein Fazit: „Richtig eingebettet, nach solider Grundausbildung: ja. Als Ersatz für professionelle Ausbildung: nein.“
Auch bei der geplanten Veröffentlichung von Preisen und Erfolgsquoten hält sich die Begeisterung in Grenzen. Mehr Preistransparenz werde grundsätzlich begrüßt oder als ohnehin schon vorhanden beschrieben. Erfolgsquoten dagegen gelten vielen als riskant und unseriös. Aschmann warnt vor einem verzerrten Bild, weil Prüfungserfolge auch von Nervosität, Sprachschwierigkeiten, familiärem Druck oder Prüfern abhängen könnten. Griebel nennt Vorwissen, Lernverhalten und Motivation der Fahrschüler als weitere Faktoren. Teufl befürchtet sogar, dass Menschen mit Sprachbarrieren oder Lernschwierigkeiten benachteiligt werden könnten, wenn sie in der Statistik als Risiko auftauchen. Kopeczek hält solche Zahlen nur dann für sinnvoll, wenn sie einheitlich und fair berechnet werden.
Doch was kostet der Führerschein eigentlich tatsächlich? Aschmann nennt für einen durchschnittlichen Verlauf ohne Wiederholungsprüfungen 3.000 bis 3.500 Euro. Ride & Drive gibt etwa 2.500 bis 3.800 Euro an. Bei der Fahrschule Griebel liegen die Gesamtkosten nach eigenen Angaben derzeit bei etwa 3.200 Euro. Peters Fahrschule nennt etwa 3.000 bis 4.000 Euro. B304.de konnte die genannten Preisen nicht überprüfen. Entscheidend ist aber überall die Anzahl der Fahrstunden.
So vernehmen wir zur geplanten Führerscheinreform ein zaghaftes Ja. Ja zu mehr Flexibilität. Ja zu moderneren Formen der Ausbildung. Ja zu Transparenz, wenn sie fair gemacht ist. Aber nein zur Vorstellung, der Führerschein werde dadurch automatisch billiger. Aschmann formuliert den Grundsatz, auf den sich wohl alle einigen könnten: „Der Führerschein ist keine gewöhnliche Dienstleistung, sondern eine Ausbildung mit hoher Verantwortung für die Sicherheit aller Verkehrsteilnehmer.“
