Figurentheaterstück mit ernstem Hintergrund

von b304

Im Kleinen Theater Haar gibt es kommende Woche von Nikolaus Habjan das außergewöhnliche Figurentheaterstück “F. Zawrel – erbbiologisch und sozial minderwertig“ zu sehen, das sich mit dem Thema „Euthanasie“ auseinandersetzt.

Während der NS-Diktatur wurden mehr als 300.000 Menschen Opfer der sogenannten „Euthanasie“: Männer, Frauen und Kinder wurden in Tötungsanstalten ermordet, zu Tode gehungert oder durch Medikamente getötet. Aus Sicht der Nationalsozialisten waren diese Menschen „erbbiologisch und sozial minderwertig“ und daher nicht lebenswert.

Beispielhaft erzählt der vielfach ausgezeichnete Autor und Puppenspieler Nikolaus Habjan in seinem Figurentheaterstück „F. Zawrel – erbbiologisch und sozial minderwertig“ die reale Lebensgeschichte von Friedrich Zawrel nach, der das Kinder-„Euthanasie“-Programm der Nationalsozialisten in Wien überlebte und als Erwachsener seinem damaligen Arzt und Peiniger wieder begegnete. In langen Gesprächen entwickelten und erarbeiteten Zawrel und Habjan gemeinsam das beeindruckende Stück. Bislang gab es 672 Aufführungen – somit ist es eines der am häufigsten gespielten Werke Habjans überhaupt.

Im Mittelpunkt des Figurentheaterstücks steht die Lebensgeschichte von Friedrich Zawrel: eine Kindheit in Armut und Heimen, die Verfolgung in der nationalsozialistischen „Kinderfachabteilung“ Am Spiegelgrund in Wien und ein langer Kampf um Anerkennung, Erinnerung und juristische Aufarbeitung. Habjan und Simon Meusburger verdichten diese Biografie zu einem eindringlichen Theaterabend, der historische Gewalt und ihre Nachwirkungen über die individuelle Lebensgeschichte erfahrbar macht.

Auch die Vorläuferinstitution des kbo-Isar-Amper-Klinikum in Haar, die Heil- und Pflegeanstalt Eglfing-Haar war ein zentraler Tatort der „Euthanasie“: Patient*innen wurden in Tötungsanstalten deportiert und dort ermordet. Die Ärzt*innen und Pfleger*innen der Klinik in Haar wussten genau, dass die Patient*innen ermordet wurden. Insgesamt beklagt das Klinikum annähernd 4.000 Opfer.

Am Max-Planck-Institut für Psychiatrie bzw. der Vorläufer-Einrichtung „Deutsche Forschungsanstalt für Psychiatrie“ kooperierten Wissenschaftler*innen und Ärzt*innen mit dem NS-Regime, sie wussten um die sogenannte „Euthanasie“ und profitierten von ihr: Sie forschten wissentlich an Gehirnpräparaten von Ermordeten – bis weit nach 1945.

Die kritische Auseinandersetzung mit der Geschichte ist beiden Institutionen ein wichtiges Anliegen. Die Aufführung steht im Kontext ihrer Erinnerungsarbeit: der Auseinandersetzung mit der Geschichte von Psychiatrie und Forschung im Nationalsozialismus, mit institutioneller Verantwortung sowie mit einem würdigen Gedenken an die Opfer.

Das Kleine Theater Haar zeigt am 28. Mai um 19 Uhr in Kooperation mit dem kbo-Isar-Amper-Klinikum und dem Max-Planck-Institut für Psychiatrie das vielfach ausgezeichnete Figurentheaterstück „F. Zawrel – erbbiologisch und sozial minderwertig“.

Eintrittskarten direkt über das Kleine Theater Haar: https://kleinestheaterhaar.de/