Mehr als 100 Kunstwerke, eine 101-jährige Malerin und sogar ein vermeintlicher Monet: Mit einer außergewöhnlichen Benefiz-Ausstellung im Vaterstettener Rathaus feiert das Altenhilfewerk sein 40-jähriges Bestehen. Bei der Vernissage am Donnerstagabend (29. Oktober) war der Andrang groß. Und die gute Nachricht: Die Kunst kann nicht nur bewundert, sondern auch für den guten Zweck ersteigert werden.
Unter dem Motto „Ein Bild, das Gutes tut“ hat das Altenhilfewerk Vaterstetten zu seinem 40. Geburtstag eine besondere Aktion auf die Beine gestellt. Künstler aus der Region, Hobbykünstler und private Sammler haben mehr als 200 Werke gespendet. Der Erlös kommt bedürftigen Seniorinnen und Senioren in der Gemeinde zugute.

Denn auch im vermeintlich wohlhabenden Vaterstetten gibt es Altersarmut. Oft bleibt sie verborgen, weil sich Betroffene schämen, um Unterstützung zu bitten. Genau hier setzt das 1986 gegründete Altenhilfewerk an. Der gemeinnützige Verein hilft älteren Menschen schnell, diskret und unbürokratisch – etwa mit Zuschüssen für Medikamente, Rollstühle oder Pflegebetten, wenn die Krankenkasse nicht zahlt. Auch bei anderen finanziellen Notlagen oder Umzugskosten springt der Verein unterstützend ein. Der Verein kooperiert dazu direkt mit dem Sozialamt der Gemeinde.
Die Wurzeln reichen zurück zum Baldhamer Ehepaar Maria und Joseph Leistl, das einen bedeutenden Teil seines Vermögens für bedürftige ältere Menschen hinterließ. Ihr Vermächtnis wirkt bis heute.
Eine 101-Jährige und ein „Monet“
Für besondere Aufmerksamkeit bei der Vernissage sorgte das Werk der 101-jährigen Künstlerin Sabine Behrendt, die eigens für die Ausstellung ein Bild gemalt hatte – und persönlich zur Eröffnung gekommen war. Bürgermeisterin Maria Wirnitzer steuerte zudem ein Gemälde aus dem Rathausfundus bei, das augenzwinkernd als „echter Monet aus der Provence“ präsentiert wurde und nun für den guten Zweck unter den Hammer kommt. Die genaue Reiseroute des Werks einer französischen Künstlerin ins Rathaus bleibt ungeklärt.

Unter dem Motto „Große Kunst zu kleinem Preis“ gab es bei der Vernissage unter anderem Original-Aquarelle zum Sofortkauf. Der Neukeferloher Karikaturist Franz Eder zeichnete Besucher gegen Spenden.

Bei aller Kunst und guten Stimmung stand aber vor allem eine Botschaft im Mittelpunkt: Auch dort, wo Wohlstand selbstverständlich scheint, gibt es Menschen, die auf Hilfe angewiesen sind. „Altersarmut ist leise“, so der 1. Vorsitzende des Altenhilfewerks, Kay Rainer. „Sie spielt sich im Verborgenen ab, manchmal direkt hinter der nächsten Haustür.“ Sein Appell: „Eine Gemeinde zeigt ihre wahre Stärke dort, wo sie diejenigen nicht vergisst, denen es nicht gut geht.“
Die Ausstellung „Ein Bild, das Gutes tut“ ist noch bis Freitag, 20. November, zu den regulären Öffnungszeiten im Lichthof des Vaterstettener Rathauses zu sehen. Wer eines der Werke ersteigern möchte, kann vor Ort oder online ein Gebot abgeben. Gebotsschluss ist Mittwoch, 18. November, um 18 Uhr. Der Verkaufserlös fließt ohne Abzüge direkt an bedürftige Seniorinnen und Senioren vor Ort. Weitere Informationen und die Online-Galerie unter www.altenhilfewerk.com
