Bei einer „wahrlich historischen Sitzung“ wurden den Stadt- und Gemeinderäten von Haar, Kirchheim und Feldkirchen die Ergebnisse der Machbarkeitsstudie zu einer neuen B471-Parallele vorgestellt. Das ernüchternde Ergebnis: Keine der beiden genauer untersuchten Varianten wird von den Planern empfohlen. Zu hoch wären die Kosten von bis zu 90 Millionen Euro, zu gering die positiven Auswirkungen auf den Verkehr.
Bei beiden Varianten würde der Verkehr im Ortsbereich Haar weiterhin über die bestehende Bundesstraße geführt. In Hohenbrunn und Putzbrunn sind Ortsumfahrungen vorgesehen. Unterschiede gibt es bei der Trassenführung im Norden: Während Variante 1 nahe der Messe verlaufen würde, sieht Variante 2 eine Parallelführung zur Autobahn sowie eine östliche Umfahrung von Ottendichl vor.
Die Planer der Bernard-Gruppe untersuchten dabei nicht nur den Status quo, sondern berücksichtigten auch bereits geplante Maßnahmen. Dazu zählen die Verlegung der Kreisstraße EBE 4, also die Ortsumfahrung Weißenfeld, sowie der Ausbau der Autobahnen A94 und A99.
Entscheidend ist die Verkehrswirkung – und die fällt ernüchternd aus. m stärksten würde Putzbrunn profitieren: Dort nähme der Verkehr durch die Umfahrung in beiden Varianten um rund 60 Prozent ab. Für Haar hingegen sehen die Ergebnisse deutlich schlechter aus. Variante 1 würde weder im Stadtgebiet noch in Ottendichl zu einer signifikanten Veränderung führen.
Variante 2 könnte Ottendichl immerhin um rund 3.400 Fahrzeuge täglich entlasten, was einem Rückgang um 23 Prozent entspricht. Gleichzeitig würde der Verkehr auf der Vockestraße allerdings um 13 Prozent zunehmen. Auch die geplante Ortsumfahrung Weißenfeld würde zusätzlich belastet.
Hinzu kommt die aufwendige Realisierung: Beide Varianten gelten als „sehr komplex“. Die geschätzten Baukosten liegen bei rund 50 Millionen Euro für Variante 1 und sogar 90 Millionen Euro für Variante 2. Letztere sei zudem kaum genehmigungsfähig.
Statt einer groß angelegten Umfahrung empfehlen die Planer deshalb kleinere Maßnahmen zur Verkehrsberuhigung. Für Haar kommen beispielsweise Tempo 30, Bushaltestellen auf der Fahrbahn sowie Lkw-Durchfahrtsverbote infrage.
Feldkirchens Bürgermeister Andreas Janson (UWV) hatte sich ein „deutlich positiveres Ergebnis“ erhofft. Die Kommunen müssten sich nun stärker auf kleinere eigene Projekte konzentrieren, um eine Verkehrsberuhigung zu erreichen. Kirchheims Gemeinderätin Michaela Harlander (SPD) kritisierte in diesem Zusammenhang, dass das Landratsamt und die Polizei viele Maßnahmen, etwa die Einrichtung von Radspuren, ablehnen würden.
Von einem durchgängigen Tempolimit von 30 km/h hält Haars Bürgermeister Andreas Bukowski (CSU) hingegen wenig. Er sei davon „kein Freund“. Viele Städte, die ein solches Limit eingeführt hätten, seien inzwischen wieder zurückgerudert. Bukowski warnte davor, Tempo 30 „als Allheilmittel“ zu betrachten. Punktuell, beispielsweise vor Kindergärten, sei eine Geschwindigkeitsbegrenzung durchaus sinnvoll. Mit der Einstellung „machen wir es dem Verkehr möglichst unangenehm“ würde jedoch unter anderem auch der Busverkehr deutlich verlangsamt.
Neben dem ernüchternden Ergebnis bleiben Kosten von fast einer halben Million Euro für die Machbarkeitsstudie.
„Angesichts der hohen finanziellen Mittel, die für diese Machbarkeitsstudie aufgewendet wurden, ist das Resultat mehr als dürftig. Wer teure Gutachten beauftragt, muss am Ende praktikable Lösungsansätze für die Verkehrsprobleme der Bürgerinnen und Bürger erwarten können. Was uns präsentiert wurde, lässt greifbare Konzeptionen und konkrete Steuerungsvorschläge für die B471 völlig vermissen“, kritisiert Peter Siemsen, FDP-Stadtrat aus Haar. Bürgermeister Bukowski verteidigt hingegen die Entscheidung, die Studie vor sechs Jahren auf den Weg zu bringen. Dies sei „richtig und wichtig“ gewesen.
