Im Sinne der Transparenz veröffentlichen wir an dieser Stelle unser Schreiben vom 20. Juni 2025 an die Gemeinde Vaterstetten, mit dem wir eine angefragte Angebotsabgabe zur Neuausschreibung des LeVa abgesagt haben. Aus Datenschutzgründen haben wir lediglich wenige, kurze Passagen – in denen konkrete Namen von Dienstleistern genannt werden – gelöscht.
Sehr geehrter Erster Bürgermeister, geschätzte Bürgervertreter im Gemeinderat, sehr geehrte Öffentlichkeitsarbeit im Rathaus,
zunächst möchten wir uns bei Ihnen ausdrücklich für die Einladung zur Ausschreibung des „Lebendigen Vaterstetten“ und das damit verbundene Vertrauen in uns bedanken. Gerne hätten wir als ortsansässiger Verlag künftig wieder mit Ihnen zusammengearbeitet. Aufgrund Ihrer Ausschreibungskriterien können wir jedoch, nach reiflicher Überlegung, leider kein seriöses Angebot abgegeben – aus moralischer Grundüberzeugung, aber auch aufgrund nicht erfüllbarer Einreichungsvorgaben.
Zu den wichtigsten Gründen unserer Absage:
1. Vertrieb
Das LeVa soll künftig nicht mehr am Ende des Monats erscheinen, sondern Mitte des Monats. Das heißt für uns, dass wir die Verteilung nicht mit unseren eigenen, bei uns als Mini-Jobber angestellten, langjährigen und sehr zuverlässigen rund 40 Austrägern (allesamt Schüler und Rentner aus der Gemeinde) durchführen können, da diese aus verschiedenen Gründen (u.a. schulische Verpflichtungen) nur ein Mal pro Monat verteilen möchten und können. Wir müssten für das LeVa daher zwingend mit einem externen Dienstleister zusammenarbeiten, was deutlich teurer wäre, als eine Mitverteilung mit der B304.de-Zeitung, und zudem – aus Erfahrung mit externen Dienstleistern – auch deutlich weniger zuverlässig wäre.
Dazu kommt, dass alle externen Dienstleister nur an bestimmten Wochentagen verteilen und einen deutlich längeren zeitlichen Vorlauf (mindestens 2 Tage) für die interne Logistik benötigen als wir. Denn unsere Verteiler werden direkt von „unserer“ Druckerei aus dem nahen Zorneding beliefert. So dauert es bei uns einschließlich Druck bis zum Beginn der Verteilung lediglich drei Werktage. Anschließend gewähren wir den Austrägern ein großzügiges, äußerst flexibles Zeitfenster (mindestens ein Wochenende und zusätzliche Wochentage) zur Verteilung. Dieses System ist fair, nachvollziehbar und vollständig unter eigener Kontrolle – keine Fremddienstleister, keine Lücken, keine zusätzlichen Kostenstellen. Das, und unser persönlicher Kontakt zu den Austrägern, ist ein signifikanter Grund für die Zuverlässigkeit unserer Zustellung und ein wichtiges Kriterium für den Erfolg einer Publikation.
Selbstverständlich haben wir alternativ einen der wenigen renommierten Verteilservices („…“) um ein Kostenangebot für die LeVa-Verteilung gebeten, aber eine klare und deutliche Absage erhalten.
Schon aufgrund der Absage ist uns eine Verteilung zur Monatsmitte – wie von Ihnen gefordert – faktisch nicht möglich und ein gravierender Grund, warum wir nicht ernsthaft an der Ausschreibung teilnehmen können.
2. Papierqualität und Umfang
Offenbar möchte man an diesem Punkt der Bevölkerung „Nachhaltigkeit“ suggerieren. Aber:
- erstens ist hochweißes Recycling-Papier ein Widerspruch an sich, weil Recycling-Papier immer leicht gräulich ist. Am ehesten kommt das Papier Circlesilk Premium White FSC Recycled an Ihre Vorgaben heran: Bei 20 Seiten Umfang und einer Auflage von 13.000 Stück kostet das LeVa dann aber schon im Druck (gemäß einem uns vorliegenden Angebot): 5.285 Euro netto.
Zum Kostenvergleich: Die Druckkosten für 16 Seiten Gesamtumfang auf Offset FSC Mix Papier liegen bei 2.700 Euro netto – sind also 2.585 Euro netto günstiger als 20 Seiten auf „weißem“ Recycling-Papier – siehe oben.
- zweitens hätte man, würde man es mit Ressourcenschonung ernst meinen, zumindest den Gesamtumfang auf 16 Seiten begrenzen sollen. Denn: Gedruckt wird das LeVa wie die B304.de-Zeitung auf Bögen und auf einen Bogen passen 16 Seiten. Gefordert sind aber ausdrücklich mindestens 20, bzw. 24 Seiten Umfang. Dafür muss ein weiterer Bogen angebraucht werden. Bei diesem werden dann nur 4, bzw. 6 bedruckte Seiten weiterverwendet und der Rest, das unbedruckte Papier, wird weggeworfen (!).
Ein weiterer, angebrauchter Bogen macht den Druck also nicht nur unnötig teurer (mindestens 1.600 Euro netto), sondern vor allem alles andere als umwelt- und klimafreundlich. Wir meinen: Wer schon Steuergeld einsetzen möchte, sollte dies doch bitte möglichst nachhaltig und effizient tun.
Nicht ohne Grund hat die B304.de-Zeitung 48 Seiten Umfang. Das entspricht drei 3 Bögen, die komplett und damit hocheffizient ausgeschöpft werden (3 Bögen á 16 Seiten = 48 Seiten).
Ökonomisch und ökologisch sinnvoll rechnen Verlage in Bögen, also in Schritten von 16 Seiten (16, 32, 48, …).
3. Mischfinanzierung: Anzeigen + Steuergeld
Die Ausschreibung versucht vordergründig, den steuerfinanzierten Charakter des LeVa durch ein zusätzliches „Anzeigenangebot“ zu relativieren. Maximal vier Anzeigen auf 20 Seiten sollen dem Steuerzahler „Wirtschaftlichkeit“ suggerieren – in Wahrheit handelt es sich um eine gefährliche Mischkalkulation, die am Ende vor allem eins bewirkt: Wettbewerbsverzerrung vor Ort.
Diese Form der Querfinanzierung – wir haben das bereits hinlänglich dargestellt – untergräbt den Markt: Anbieter, die aus existenziellen Gründen auf Anzeigen angewiesen sind, werden durch das LeVa-Modell ausgebremst, weil ein subventioniertes Produkt auf dieselbe Zielgruppe zielt. Dass zudem künftig die mehrheitlich gefragten, kleinformatigen Anzeigen (1/8-Seite) – laut Ausschreibung – verboten sind, schließt viele Unternehmen aus – genau jene, die lokale Medien bisher signifikant mitgetragen haben.
So entsteht nicht nur ein fragwürdiger Mix aus öffentlichem Geld und marktfeindlicher Vermarktung, sondern auch ein gefährliches Signal: Wer mit Steuergeld operiert, darf plötzlich zu Bedingungen agieren, die der freie Markt gar nicht leisten kann.
Dazu kommt, am Rande bemerkt, dass wir uns aus sicherlich nachvollziehbaren Gründen in einem ohnehin äußerst angespannten Markt nicht selbst Konkurrenz machen können. Der Anzeigenkuchen wird schließlich nicht größer, nur weil ihn sich zwei Publikationen teilen.
4. Inhalt
Wer künftig mindestens 16 redaktionelle Seiten gehaltvoll füllen möchte, sollte eine klare Vorstellung davon haben, was auf diesen Seiten überhaupt im Detail (exklusiv) kommuniziert werden soll. „Von mehr Informationen aus den Gemeinderatssitzungen und Relevantes für unsere Bürgerinnen und Bürger aus der Verwaltung“ ist die Rede. Oder von „Themen der kommunalen Öffentlichkeitsarbeit, spezifisch um den Orts- und Aufgabenbezug der Gemeindeverwaltung.“ Konkreter wird es trotz Nachfrage nicht, eher nostalgisch: „Ein Gemeindeblatt ist auch aus meiner Sicht dafür das geeignete Medium und seit Jahrzehnten etabliert.“ Oder: „Unser beliebtes Gemeindemagazin ist im selben Jahr geboren wie ich, 1985. Ich empfinde das als gutes Zeichen – ein gemeinsamer Jahrgang für das offizielle Informationsblatt der Gemeinde Vaterstetten und ihren Bürgermeister.“
Warum hat man eigentlich nicht schon früher die inhaltliche Ausrichtung ernsthaft überdacht und stattdessen an einer Publikation festgehalten die – wie wir seit Jahren, auch zu Zeiten als wir noch selbst für die Herstellung des LeVa verantwortlich waren, angemahnt haben – in Konkurrenz zur freien Presse tritt?
Zumindest in diesem Punkt gibt es jetzt aber offenbar eine späte Einsicht: So steht in einer E-Mail der Gemeindeverwaltung an die Vertreter der örtlichen Vereine vom 11. Juni 2025 zur Begründung, warum dem LeVa künftig „eine Berichterstattung über Vereine und Institutionen, wie sie bisher im LeVa üblich war“, von Rechts wegen untersagt ist, wörtlich: „Ein Urteil des Bundesgerichtshofs besagt, dass ein von einer Stadt oder Gemeinde herausgegebenes Druckerzeugnis nicht „presseähnlich“ sein darf, da es sonst den freien Medien Konkurrenz macht.“
5. Grundsätzliches
Als Bürger, Steuerzahler und ortsansässiger Verlag sind wir dezidiert der Meinung, dass das ohnehin äußerst knappe Steuergeld an anderer Stelle in unserer Gemeinde definitiv sinnvoller aufgehoben ist, als für gedruckte Öffentlichkeitsarbeit der Verwaltung.
Zudem gibt es neben den Social-Media-Kanälen der Gemeinde auch die – kürzlich erst aufwändig und kostspielig erneuerte – Rathaus-Website, die proaktiv und ohne Mehrkosten für Bekanntmachungen genutzt werden könnte. Stattdessen findet man dort unter „Aktuelles“ – exemplarisch am 14. Juni 2025 – unter den „neuesten“ sieben Meldungen alleine zwei Mal den Hinweis „Das neue LeVa ist da“ (23.5. und 24.4.). Mehr gibt es offenbar innerhalb von mehreren Wochen nicht zu vermelden.
Und: Anders als bei der Neuausschreibung vor drei Jahren – gibt es mit der monatlich erscheinenden B304.de-Zeitung ein etabliertes, reichweitenstarkes Medium, das zuverlässig alle Haushalte in Vaterstetten erreicht – redaktionell nach journalistischen Kriterien bearbeitet. Die Publikation bietet vor Ort alles, was ein modernes Gemeindemedium im Sinne der Bürger leisten sollte und natürlich auch alle für die Bürger relevanten Infos aus dem Rathaus, so sie uns denn rechtzeitig mitgeteilt werden.
Fazit: Als Bürger der Gemeinde verstehen wir B304.de als Stimme aller Bürger. Schon deshalb – und aus den anderen genannten formalen Gründen – können und werden wir unsere Glaubwürdigkeit nicht für eine, mit erheblichen Steuermitteln bezahlte Hofberichterstattung aufs Spiel setzen.
Selbstverständlich begleiten wir die Entwicklung im Sinne der Bürger – auch hinsichtlich der bevorstehenden Kommunalwahl – weiterhin kritisch. Und: Im Sinne der Transparenz werden wir dieses Schreiben auf unserer Webseite www.b304.de online stellen, damit sich jeder Bürger, so er es denn möchte, eine eigene Meinung bilden kann.
Selbstverständlich sind wir weiterhin für eine Zusammenarbeit und einen konstruktiven Austausch – auch kurzfristig – offen. Gerne stellen wir Ihnen auch sämtliche von uns eingeholte Angebote (Druck/Verteilung) als Nachweis zur Verfügung.
Herzlichst
Eva & Markus Bistrick
Geschäftsleitung BistrickMedia