Am Freitagnachmittag erhielten 156 Schülerinnen und Schüler des Humboldt-Gymnasiums ihre Abiturzeugnisse. Der Jahrgang ist der erste des neuen neunjährigen Gymnasiums, die meisten der Schüler stammen aus Vaterstetten und der direkten Umgebung. Sechs Absolventinnen und Absolventen erreichten die Bestnote 1,0.
Umrahmt wurde die festliche Verleihung von der Schulband sowie einem Satz aus der 27. Sinfonie Joseph Haydns, gespielt von Schülerinnen und Schülern. Durch das Programm führten die Abiturientinnen Anna-Marie Ebel und Sarah Koch.
Während die Freude für die 156 Schüler groß war, haben drei Schüler ihr Abitur leider nicht bestanden. Zwei weitere müssen zittern: sie müssen im Juli noch Prüfungen absolvieren, da sie während des eigentlichen Prüfungszeitraums erkrankt waren. Der Abiturdurchschnitt beträgt 2,16 – und liegt damit 0,02 Notenpunkte unter dem Wert des letzten regulären G8-Jahrgangs vor zwei Jahren. Ein Vergleich mit dem letzten Jahr lässt sich hingegen nur bedingt ziehen, da 2025 aufgrund der Umstellung vom acht- auf das neunjährige Gymnasium nur 53 Schüler ihr Abitur absolvierten.
Eine eins vor dem Komma hatten in diesem Jahr 58 Schüler, sechs gar eine 1,0 und damit die Bestnote. Über diese dürfen sich Vincent von der Forst, Marie Baier, Konstantin Rucker, Viola Fantura, Linus Richert sowie Bermet Choroev freuen. Einige von ihnen erhielten eine Ehrung von Landrat und der ersten Bürgermeisterin.
Landrat Robert Niedergesäß betonte, er komme in Abiturjahrgängen gerne mit Trikot zu den Abiturverleihungen. Er selbst hatte 1990 sein Abitur absolviert, als Deutschland in Rom Weltmeister wurde. Doch angesichts des Abschneidens der Nationalmannschaft am Donnerstag verzichtete er – „aus Respekt vor eurer Leistung und eurer persönlichen Meisterschaft“. „Die Welt ist voller Herausforderungen“, so der Landrat, der technischen Fortschritt als Beispiel nannte, vor dem man aber keine Angst haben sollte: „Ich habe vor der künstlichen Intelligenz weniger Angst als vor der natürlichen Dummheit – ihr habt natürliche Intelligenz!“. Er ehrte die drei besten Schüler im Namen des Landkreises.
Auch von der Vaterstettener Bürgermeisterin Maria Wirnitzer gab es Ehrungen, für die 1,0-Schüler, die direkt aus der Gemeinde kommen. In ihrer Rede betonte sie, wie wichtig das Engagement junger Menschen für die Gesellschaft sei. Es brauche „Menschen, die bereit sind, herauszugehen, neue Ideen einbringen und die Zukunft mitgestalten“. Dabei messe sich der Erfolg nicht nur in Noten: „Erfolg bedeutet auch, seinen eigenen Weg zu finden, sich selbst treu zu bleiben und mit offenem Herzen und Verstand in diese Welt hinauszugehen“, so Wirnitzer. 
Einen besonderen Preis erhielten zudem sechs Schülerinnen und Schüler: Sie waren in den Fächern Deutsch und Französisch besonders leistungsstark und erhielten je einen Gutschein der Stiftung Eliteförderung, der mit Antritt eines Studiums eingelöst werden kann. Dotiert sind die ersten Preise auf je 2.000€, die zweiten auf 1.500€ und die dritten Plätze auf je 1.000€. Die Stiftung, die 2003 vom Baldhamer Ehepaar Danièlle und Dr. Franzjosef Höfler gegründet wurde, ehrt besondere Leistungen in den Fächern Französisch und Deutsch über alle Jahrgangsstufen hinweg. Im Laufe des über 20-jährigen Bestehens wurden bereits Preisgelder in Höhe von über einer halben Million Euro an begabte Schülerinnen und Schüler verliehen. 
„Pionierarbeit“ des ersten G9-Jahrgangs
Schulleiterin Sabine Schwaiger sprach den Abiturienten ihren Respekt und ihre Anerkennung aus. Als erster G9-Jahrgang hätten die Schüler und Lehrer „Pionierarbeit“ geleistet. Schwaiger stellte die Gemeinschaft und das Engagement der Schüler in den Mittelpunkt ihrer Rede: „Sie haben erkannt, dass man zwar allein schneller laufen kann, aber gemeinsam viel weiterkommt“. Das „soziale Band“, das sich die Abiturienten über die Jahre aufgebaut hätten, könne „durch keine Technologie der Welt ersetzt werden“.
In ihrer Rede setzte sich die Rektorin intensiv mit dem Thema KI auseinander. Diese solle man als Werkzeug nutzen, doch müsse man sich stets von seinem menschlichen Kompass leiten lassen. 
Schulleiterin Sabine Schwaiger Foto: Leon Öttl / B304.de
Für ihren kommenden Lebensweg sollten die Absolventen nicht nur auf das Faktenwissen vertrauen, sondern auch auf „den Kompass Ihres Herzens“, so Schwaiger: „Wahre Lebensentscheidungen sind keine Rechenexempel, sie sind Haltungsfragen.“.
„160 Versuchskaninchen“ werden zu Menschen
Mit Humor, Selbstironie und Dankbarkeit blickten auch die Abiturienten Lea-Luisa Häfner sowie Vincent van der Forst stellvertretend für ihren Jahrgang auf ihre Schullaufbahn zurück. Dabei nutzten die Redner immer wieder Anspielungen auf Goethe und Schiller.
G9 steht für die beiden für viel mehr als nur eine Bezeichnung. Das weitere Schuljahr brachte mehr Zeit zum Lernen und auch die Möglichkeit, ins Ausland zu gehen. Doch als erster Jahrgang kam es oft zu Problemen: etwa seien Schulbücher erst zum Ende des Jahres gedruckt worden. Man sehe sich deshalb auch als „160 Versuchskaninchen im Labor des bayerischen Kultusministeriums“, die „langsam zu Menschen wurden“.
Dabei erlebten die Schüler einiges – mit einem großen Abstrich: gegen Ende der siebten Jahrgangsstufe wurde aus „drei Wochen schulfrei wegen irgendeines Virus“ plötzlich zwei Jahre Distanzunterricht, worunter der soziale Kontakt sehr litt. Erst zum Beginn der neunten Klasse ging es im Regelbetrieb weiter. Kein Wunder, dass die Berlin-Fahrt für heute „zu den schönsten Erlebnissen unserer Schulzeit“ zählt – dort habe man „zum ersten Mal den Geist einer echten Gemeinschaft“ gespürt, was sich in der Oberstufe intensivierte.
In all den Jahren, „zwischen Corona-Tests und Upload-Limits bei ChatGPT sind wir erwachsen geworden“, so die Abiturienten. Auf die Jahre blicke man nun wehmütig zurück, doch schaue man auch voller Zuversicht nach vorne.
Bei all dem Schulstoff und dem „niemals endenden Informationsfluss“ bleibe den Abiturienten eine Erkenntnis: „Uns ist es – anders als Herrn Doktor Faust – gelungen, zu erkennen, was die Welt im Innersten zusammenhält.“ Gemeint seien Freunde, Geschwister, Eltern, Lehrkräfte und all jene Menschen, die sie auf ihrem Weg begleitet hätten.
Die Jahrgangssprecher Lea-Luisa Häfner sowie Vincent van der Forst Foto: Leon Öttl / B304.de
