Erst verliert er seine Parteiämter, jetzt droht sogar der Ausschluss aus der AfD: Gegen den Haarer Stadtrat und AfD-Fraktionsvorsitzenden Christoph Rätscher liegt nach eigenen Angaben ein entsprechender Antrag vor. Das bestätigte er exklusiv gegenüber B304.de. Hinter den Kulissen der Haarer AfD ist ein heftiger Streit entbrannt. Der frühere Ortsvorsitzende erhebt Vorwürfe gegen die Parteiführung – die schießt zurück.
Was ist los bei der Haarer AfD? Erst verliert Christoph Rätscher im Juli seinen Posten im Bezirksvorstand, dann wird Ende September der gesamte Ortsvorstand neu gewählt. Rätscher, der den Ortsverband Ende 2024 maßgeblich mitgegründet hatte, kandidierte nicht erneut. Sein Nachfolger wird Christoph Stabe. Doch damit ist der Streit offenbar längst nicht ausgestanden. Im Gegenteil: Inzwischen liegt gegen Rätscher sogar ein Antrag auf Parteiausschluss vor.
„Die darin gegen mich erhobenen Vorwürfe weise ich ausdrücklich, entschieden und vollumfänglich zurück“, erklärt Rätscher auf Anfrage von B304.de. Sein Rechtsanwalt sei bereits eingeschaltet. Die Anschuldigungen hält er für unbegründet und rufschädigend. Welche konkreten Vorwürfe im Raum stehen, möchte er angesichts des laufenden Verfahrens nicht öffentlich ausführen. Nach seiner Darstellung geht es unter anderem um organisatorische und finanzielle Zuständigkeiten innerhalb des Ortsverbands.
Streit um die Neuwahl
Ausgangspunkt der jüngsten Eskalation ist die Neuwahl des Haarer Ortsvorstands am 29. September. Nach Darstellung von Rätscher war zunächst lediglich die Position des zurückgetretenen Schatzmeisters Andreas Albrecht neu zu besetzen. Stattdessen wurde der komplette Vorstand ausgetauscht – obwohl dessen reguläre zweijährige Amtszeit noch nicht abgelaufen war.
AfD-Kreisvorsitzende Christina Specht wirft Rätscher vor, die Neuwahl verhindern haben zu wollen. Der weist das entschieden zurück: „Ich habe nicht versucht, eine demokratische Wahl zu verhindern.“ Er habe lediglich die satzungsrechtliche Grundlage hinterfragt. Specht widerspricht: Laut Satzung seien Vorstandswahlen alle zwei Kalenderjahre vorgesehen, idealerweise nach 21 bis 27 Monaten. Nach 22 Monaten sei die Neuwahl deshalb ein „völlig normaler Vorgang“ gewesen.

Gegenseitige Vorwürfe
Doch der Konflikt reicht offenbar tiefer. Rätscher kritisiert seit Längerem die Entscheidungsstrukturen innerhalb der Partei. Er beklagt mangelnde Transparenz, persönliche Netzwerke und Schwierigkeiten bei der Aufnahme neuer Mitglieder. B304.de liegt dazu auch eine geschwärzte Beschwerde einer früheren Mitgliedschaftsbewerberin vor. Die darin erhobenen persönlichen Vorwürfe sind bislang nicht unabhängig überprüft.
Specht weist die Kritik an der Aufnahmepraxis zurück. Nur wenige Bewerber würden abgelehnt, und das stets aus gutem Grund. Zu Einzelfällen könne sie aus Datenschutzgründen nichts sagen.
Überhaupt ist der Ton zwischen den beiden inzwischen alles andere als freundschaftlich. „Wir sind schockiert über Herrn Rätschers Umgang mit parteiinternen Vorgängen“, erklärte Specht gegenüber B304.de. Sie wirft ihm zudem erhebliche Datenschutzverstöße in seinen Äußerungen vor, ohne diese näher zu konkretisieren.
Was wird aus dem Stadtratsmandat?
Trotz des parteiinternen Machtkampfs denkt Rätscher nicht an einen Rückzug aus der Haarer Kommunalpolitik. Er werde sowohl sein Stadtratsmandat als auch den Vorsitz der zweiköpfigen AfD-Fraktion gemeinsam mit Gerald Radloff weiterhin wahrnehmen. „Meine politischen Grundüberzeugungen haben sich durch die jüngsten Ereignisse nicht verändert“, betont er.
Ob Rätscher künftig noch Mitglied der AfD sein wird, ist dagegen offen. Eine Entscheidung über seinen Ausschluss liegt bislang nicht vor.
Kurios am Rande: Auf der Internetseite des bayerischen AfD-Landesverbands wird Rätscher noch immer als Vorsitzender des Ortsverbands Haar geführt. Dabei hat Christoph Stabe diesen Posten bereits seit dem 29. September inne.

