Quelle: DMT Group

Die Messfahrzeuge kommen

von Eva Bistrick

Es ist soweit: Im Rahmen des Forschungsprojekts GIGA-M sollen Mitte November auch in Grasbrunn und Vaterstetten seismische Messungen durchgeführt werden. Einen genaueren Zeitpunkt konnten die Stadtwerke München (SWM), die das Projekt gemeinsam mit der Technischen Universität München (TUM) und weiteren Partnern durchführen, auf B304.de-Anfrage bislang nicht nennen.

Wie B304.de bereits Ende August berichtet hat, sollen die Untersuchungen dabei helfen, ein dreidimensionales Bild des Untergrunds zu erstellen. Ziel ist es, besser beurteilen zu können, wo im Großraum München Potenzial für Tiefengeothermie besteht.

Für Aufmerksamkeit sorgen derzeit Berichte aus dem bisherigen Messgebiet: Dort haben einzelne Anwohner nach den Erschütterungen Schäden an Gebäuden gemeldet. Ob diese tatsächlich durch die Messungen verursacht wurden, ist bislang nicht geklärt und wird gutachterlich geprüft. Nach Angaben der Stadtwerke München stehen bislang fünf Schadensmeldungen mehr als 50.000 durchgeführten Messanregungen gegenüber.

Bis zu 40.000 Geophone gleichzeitig im Einsatz

Sichtbar werden zunächst vor allem die sogenannten Geophone. Bis zu 40.000 dieser Messgeräte werden gleichzeitig ausgelegt – beispielsweise neben Laternen und Straßenschildern, auf Grünstreifen sowie in Wohn- und Gewerbegebieten und auf freien Flächen. Sie zeichnen die Schwingungen auf, die von speziellen Messfahrzeugen erzeugt werden.

Für die eigentliche Messung fahren sogenannte Vibrotrucks durch das Untersuchungsgebiet. An den jeweiligen Messpunkten bringen sie den Untergrund für rund 60 Sekunden in Schwingung und fahren anschließend weiter. Nach Angaben der Stadtwerke können die Messungen an einem Standort insgesamt rund 20 Minuten wahrnehmbar sein.

Die Arbeiten finden zwischen 6 und 22 Uhr statt, in Wohngebieten sollen sie spätestens um 20 Uhr enden. Sonntags wird nicht gemessen. Kurzzeitig kann es zu Verkehrsbehinderungen oder Sperrungen kommen. Fußgänger und Radfahrer sollen grundsätzlich nicht beeinträchtigt werden.

Berichte über Schäden werden untersucht

Kurz vor dem geplanten Einsatz der Vibrotrucks in unserer Region sorgen Berichte aus dem bisherigen Messgebiet für zusätzliche Aufmerksamkeit: Wie der Münchner Merkur berichtet, haben Anwohner in Krailling nach seismischen Messungen Schäden an ihren Häusern festgestellt und diese dem GIGA-M-Projekt gemeldet. Genannt werden laut Bericht unter anderem Risse in Fliesen, einer Marmortreppe und einer Bodenplatte.

Ob diese Schäden tatsächlich durch die seismischen Messungen verursacht wurden, ist bislang allerdings nicht geklärt. Nach Angaben der Stadtwerke München gegenüber dem Münchner Merkur lagen im gesamten GIGA-M-Untersuchungsgebiet bislang fünf Schadensmeldungen an Gebäuden vor. Diese würden derzeit gutachterlich untersucht. Gleichzeitig seien bereits mehr als 50.000 einzelne Messanregungen durchgeführt worden.

Die Stadtwerke betonen, dass Schäden nicht grundsätzlich zu erwarten seien. Nach Angaben der Projektverantwortlichen werden Sicherheitsabstände eingehalten und Erschütterungen in Gebäudenähe überwacht. Bei Bedarf könne die Leistung reduziert oder ein Messpunkt ausgelassen werden.

Für den Fall, dass Schäden festgestellt werden, gibt es ein festgelegtes Meldeverfahren. Nach Angaben der SWM können diese beim Begleitpersonal der Vibrotrucks oder über die Kontaktmöglichkeiten des GIGA-M-Projekts gemeldet werden. Berechtigte Ansprüche seien über eine Haftpflichtversicherung abgesichert.

Grasbrunn will genau hinschauen

In Grasbrunn blickt man mit einer gewissen Skepsis auf die bevorstehenden Messungen. Verhindern wolle die Gemeinde die Untersuchungen nicht, allerdings soll eingeschränkt werden, in welchen Straßenzügen die Fahrzeuge unterwegs sind.

Bürgermeister Sebastian Stüwe macht dabei deutlich, dass aus seiner Sicht für mögliche Schäden aufgekommen werden müsse: „Die sollen bitte, sollten Schäden entstehen, für Kosten aufkommen.“

Für Grasbrunner Geothermieprojekt kommt die Messung zu spät

Für das bereits geplante Geothermieprojekt nahe der Raststätte bei Grasbrunn kommt die 3D-Seismik zu spät. Dennoch könnten die Forschungsergebnisse später für weitere Fragestellungen interessant werden, etwa bei der Einschätzung zusätzlichen geothermischen Potenzials oder einer möglichen Erweiterung der Förderleistung.