Lohnt sich ein Balkonkraftwerk im Mietshaus wirklich?

von Gastautor

Balkonkraftwerke boomen, doch lohnen sie sich für Mieter? Im Mietverhältnis kommen anders als beim Eigenheim weitere Faktoren hinzu: die Zustimmung des Vermieters, die baulichen Bedingungen am Balkon und die häufig begrenzte Ausrichtung zur Sonne. Wer in einer Mietwohnung lebt und ernsthaft über die Anschaffung einer kleinen Solaranlage nachdenkt, um selbst erzeugten Strom zu nutzen, sollte deshalb einige Besonderheiten kennen, die im Mietverhältnis eine wichtige Rolle spielen und über den Erfolg des Vorhabens mitentscheiden können. Dieser Ratgeber beleuchtet die rechtlichen Hürden, mit denen Mieter konfrontiert werden, erläutert den realistisch erreichbaren Stromertrag und geht der Frage nach, wann sich die Investition für einen Mieterhaushalt tatsächlich rechnet.

Rechtliche Rahmenbedingungen: Was Mieter vor der Anschaffung mit dem Vermieter klären sollten

Seit der Reform des Miet- und Wohnungseigentumsrechts haben Mieter einen deutlich leichteren Zugang zu Steckersolargeräten. Balkonkraftwerke gelten mittlerweile als privilegierte bauliche Veränderung, was konkret bedeutet, dass Vermieter die Installation solcher Geräte nur dann ablehnen dürfen, wenn hierfür wichtige und nachvollziehbare Gründe vorliegen. Ein grundsätzliches Verbot, das die Installation von vornherein untersagt, ist damit kaum noch durchsetzbar, da Vermieter mittlerweile nur bei triftigen Gründen widersprechen können, ohne einen Rechtsstreit zu riskieren. Trotzdem bleibt die Absprache mit dem Eigentümer ein wichtiger Schritt, um spätere Streitigkeiten von vornherein zu verhindern.

Bevor die erste Anlage montiert wird, sollten mehrere Punkte geklärt werden. Anbieter wie Kleines Kraftwerk bieten Komplettpakete, deren technische Daten bei der Abstimmung mit dem Vermieter hilfreich sein können.

Zustimmung und Montageart im Detail

Entscheidend ist letztlich die Frage, ob die geplante Anlage die vorhandene Bausubstanz des Gebäudes dauerhaft verändert, weil daran die rechtliche Beurteilung der gesamten Installation ausgerichtet wird. Eine Befestigung ohne Bohren am Geländer, die keine bleibenden Spuren hinterlässt, wird in den meisten Fällen problemlos akzeptiert, während dauerhafte Eingriffe in die Fassade, welche die Bausubstanz verändern könnten, oftmals eine gesonderte Erlaubnis erfordern, die zuvor eingeholt werden sollte. Die Module dürfen auch das äußere Erscheinungsbild des Gebäudes nicht erheblich beeinträchtigen.

Anmeldung und Versicherung

Jedes Steckersolargerät muss verpflichtend im Marktstammdatenregister der Bundesnetzagentur registriert werden, damit die zuständige Behörde einen Überblick über sämtliche installierten Anlagen im deutschen Stromnetz behält. Die Anmeldung kostet nichts und lässt sich innerhalb weniger Minuten problemlos abschließen. Darüber hinaus ist es ratsam, einen genauen Blick in die eigene Hausrat- oder Haftpflichtversicherung zu werfen, da mittlerweile einige Anbieter Steckersolargeräte ausdrücklich in ihren Versicherungsschutz einschließen und mitversichern.

So viel Ertrag liefert ein Balkonkraftwerk auf dem typischen Mietbalkon

Wie viel Strom tatsächlich erzeugt wird, hängt maßgeblich von der Ausrichtung und Neigung der Module ab. Ein nach Süden ausgerichteter Balkon mit freier Sonneneinstrahlung erreicht die besten Werte, während Ost- oder Westbalkone geringere Erträge liefern, die dafür gleichmäßiger über den gesamten Tag verteilt anfallen. Eine typische Anlage mit 800 Watt Wechselrichterleistung, die unter günstigen Bedingungen betrieben wird, erzeugt im Verlauf eines Jahres zwischen 550 und 750 Kilowattstunden, sofern keine Verschattung durch benachbarte Gebäude, hohe Bäume oder andere Hindernisse den Lichteinfall auf die Module beeinträchtigt.

Wichtig ist, dass der erzeugte Strom möglichst direkt verbraucht wird. Geräte, die über den gesamten Tag hinweg dauerhaft in Betrieb sind, profitieren besonders stark von der Eigenerzeugung, da sie den Solarstrom kontinuierlich und unmittelbar nutzen können. Folgende Verbraucher lassen sich gut mit dem selbst produzierten Solarstrom kombinieren:

  1. Kühlschrank und Gefriertruhe benötigen rund um die Uhr Strom
  2. Router, Modem und weitere Netzwerktechnik laufen im Dauerbetrieb
  3. Waschmaschine oder Geschirrspüler tagsüber betreiben
  4. Homeoffice-Ausstattung wie Rechner, Monitor und Ladegeräte

Wenn diese Grundlast tagsüber durch selbst erzeugten Strom abgedeckt wird, steigt die Eigenverbrauchsquote deutlich an, wodurch sich die Wirtschaftlichkeit der gesamten Anlage über die Jahre spürbar verbessert.

Vermieter überzeugen: Mit diesen Argumenten gelingt die Zustimmung

Auch wenn die rechtliche Ausgangslage für Mieter durchaus günstig ist, gelingt die praktische Umsetzung deutlich leichter, wenn der Eigentümer bereits von Anfang an aktiv in die Planungen eingebunden wird. Ein sachliches Gespräch, das durch technische Unterlagen und Fotos einer möglichen Montage gestützt wird, schafft Vertrauen. Häufig ist es hilfreich, konkret darzulegen, dass keine bleibenden Schäden entstehen und die Anlage rückstandslos entfernt werden kann.

Bedenken sachlich entkräften

Viele Vermieter sorgen sich um das Aussehen oder um Schäden an der Fassade. Eine reversible Befestigung und eine dezente Modulfarbe entschärfen diese Bedenken. Ein deutlicher Hinweis darauf, dass ausschließlich geprüfte Systeme mit passenden Schutzeinrichtungen zum Einsatz kommen, nimmt vielen Vermietern die Unsicherheit und stärkt ihr Vertrauen in das Vorhaben. Eine schriftliche Vereinbarung zur Rückbaupflicht beim Auszug gibt beiden Seiten Sicherheit.

Kosten, Nutzen und Amortisation für den Mieterhaushalt im Überblick

Für ein komplettes Balkonkraftwerk müssen Sie je nach Ausstattung zwischen 300 und 800 Euro einplanen. Sofern der Eigenverbrauch stimmt, lassen sich mit einem gut ausgerichteten System, das die Sonneneinstrahlung möglichst gut nutzt, pro Jahr rund 150 bis 200 Euro an Stromkosten einsparen. Die Anlage rechnet sich nach drei bis fünf Jahren.

Für Mieter ist zudem interessant, dass viele Bundesländer und Kommunen Förderungen für Steckersolargeräte anbieten, die den Anschaffungspreis weiter senken. Ergänzende Einordnungen zu solchen Energiethemen finden sich auch in unserer laufenden Berichterstattung rund um Wohn- und Verbraucherfragen, die regelmäßig aktuelle Entwicklungen aufgreift.

Ein weiterer Vorteil liegt in der Flexibilität, denn beim Umzug lässt sich die Anlage ohne großen Aufwand abbauen, transportieren und in der neuen Wohnung problemlos wieder aufstellen. Damit bleibt die Investition erhalten, selbst wenn sich die Wohnsituation ändert.

Diese Wohnsituationen im Mietshaus profitieren am stärksten

Nicht jede Mietwohnung passt gleich gut zur Steckersolaranlage. Am meisten sparen Haushalte, die tagsüber Strom nutzen und einen sonnigen Balkon haben. Unter bestimmten Voraussetzungen zahlt sich die Anschaffung einer solchen Anlage besonders aus und macht sich schneller bezahlt.

Am deutlichsten machen sich die folgenden Konstellationen im Mietshaus finanziell bemerkbar:

  • Homeoffice-Haushalte mit hohem Tagesstromverbrauch
  • Familien mit Kühlgeräten, Waschmaschine und häufigem täglichen Kochen
  • Balkone mit Süd-, Südost- oder Südwestausrichtung ohne Verschattung
  • Wohnungen mit einer Steckdose direkt am Balkon

Weniger geeignet sind hingegen dauerhaft verschattete Nordbalkone, die kaum Sonnenlicht erhalten, sowie Haushalte, die den Großteil ihres Stroms erst in den Abendstunden benötigen, wenn die Sonne bereits untergegangen ist. Ein zusätzlicher Speicher verbessert dann die Bilanz, erhöht aber die Kosten und die Amortisationszeit. Je besser der Verbrauch mit den Sonnenstunden übereinstimmt, desto schneller rechnet sich die Anlage.

Was bedeutet das für Mieter konkret?

Ein Balkonkraftwerk lohnt sich für die meisten Mieterhaushalte, sofern die baulichen Gegebenheiten des Wohnobjekts sowie die rechtlichen Rahmenbedingungen, die etwa vom Vermieter abhängen können, tatsächlich erfüllt sind. Der günstige Einstieg, die kurze Amortisationszeit und die Mitnahme der Anlage beim Umzug machen die Anschaffung attraktiv. Eine gut begründete Wahl trifft, wer die Vermieterzustimmung einholt, die Balkonausrichtung realistisch bewertet und den Tagesverbrauch beachtet. Ein kleines Solargerät senkt so über viele Jahre die eigene Stromrechnung und führt zugleich näher zur persönlichen Energieunabhängigkeit.