Anders als in den Nachbarkommunen Haar und Feldkirchen wird es in Vaterstetten kein Leihrad des MVV geben. Ein Einstieg wäre zwar möglich, aber sehr kostspielig. In Haar freut man sich unterdessen über deutlich geringere Kosten für das Angebot. Vorausgegangen war ein Antrag der Grünen vom Juni, den Einstieg in das seit Mai existierende Nachfolgersystem des MVG-Rads zu prüfen.
Wie jetzt bekannt wurde, ist Vaterstetten schlichtweg zu spät dran. Einige Kommunen könnten im Zuge der Erweiterung des Gebiets im kommenden Jahr noch hinzukommen, erklärte Laura Knoll, Mobilitätsbeauftragte der Gemeinde. Dafür hätte ein Beitritt allerdings bis Ende Februar beschlossen werden müssen. Ein späterer Einstieg weiterer Kommunen in den MVV-Vertrag, der noch bis 2030 läuft, ist nicht vorgesehen.
Pikant: Die entscheidende Frist verstrich noch während der Amtszeit von Leo Spitzauer. Nach Angaben der Verwaltung lagen damals noch keine endgültigen Kosten vor. Der zwischenzeitlich abgewählte Bürgermeister entschied deshalb, das Thema zunächst nicht in ein politisches Gremium einzubringen und stattdessen „die weitere Entwicklung in den Nachbarkommunen“ abzuwarten. Genau daran entzündete sich nun Kritik. Man hätte zumindest rechtzeitig darüber diskutieren müssen, sagte David Göhler (Grüne).
Theoretisch wäre auch ein nachträglicher Alleingang in Form eines direkten Vertrages mit der Betreiberfirma Nextbike möglich. Die Kosten dafür hätten es allerdings in sich: Die Verwaltung schätzt sie auf das Vierfache der Kosten, die bei einem Anschluss über den Verkehrsverbund angefallen wären. Rund 47.000 Euro brutto hätte die Gemeinde 45 herkömmliche und fünf E-Bikes jährlich schätzungsweise gekostet. Der Anbieter habe sogar eine noch höhere Zahl an Mieträdern empfohlen.
Im Zuge der Prüfung erkundigte sich die Mobilitätsbeauftragte auch in Haar. Dort sei man der Meinung, dass das Angebot noch besser angenommen werden könnte. Gegenüber B304.de erklärte die Stadt, dass bislang noch keine genauen Nutzerzahlen vorliegen. Aus Sicht Haars liegt ein Vorteil des Modells darin, dass die Räder auch in Ortsteilen wie Salmdorf und Ottendichl abgestellt werden können. Private Anbieter hingegen würden die Fahrräder nur dort zur Verfügung stellen, wo es sich wirtschaftlich lohnt.
Erfreulich für Haar: Während man anfangs mit jährlichen Kosten von 50.000 Euro für 60 normale Fahrräder gerechnet hatte, belaufen sich die tatsächlichen Kosten nach aktueller Schätzung auf lediglich rund 15.000 Euro.
In Vaterstetten ist das Rad damit zumindest bis 2030 abgefahren. Zu hoch wären die Kosten für einen bilateralen Vertrag mit dem Anbieter – darüber war sich der gesamte Ausschuss einig. Möglich wäre ein Einstieg im Jahr 2030, sollte der Rahmenvertrag des MVV verlängert werden.
