Online-Banking, Familien-Chat, Steuererklärung: Immer mehr unseres Alltags spielt sich digital ab – und damit wachsen auch die Risiken. Der Ortsverband der Grünen Grasbrunn lädt deshalb am Sonntag, 4. Oktober, um 18 Uhr zu einem Vortrag über Cybersicherheit ins Bürgerhaus Neukeferloh in die Leonhard-Stadler-Straße 12. Der Eintritt ist frei.
Bankgeschäfte auf dem Smartphone, Familienfotos über WhatsApp, Verträge und persönliche Dokumente in der Cloud: Vieles, was früher auf Papier im Schrank lag oder von Mitarbeitern einer Bank erledigt wurde, läuft heute digital. „Unser Alltag ist längst digitalisiert“, sagt Referent Jan Tietze. Der 49-Jährige lebt in Harthausen und arbeitet seit mehr als 20 Jahren in der IT mit Schwerpunkt Cybersicherheit. Dabei war er unter anderem für Anbieter von Sicherheitslösungen wie Microsoft, Blackberry Cylance und SentinelOne tätig. Seit Mitte vergangenen Jahres arbeitet Tietze als freiberuflicher Berater, seit Juni 2026 außerdem für die Frankfurter QGroup GmbH, einen deutschen Anbieter von Sicherheitslösungen.
Betrug kommt per Telefon und Messenger
Zu den häufigsten Gefahren für Privatpersonen gehören laut Tietze Betrugsversuche über Messenger oder Telefon. Ziel sei es beispielsweise, Zugangsdaten zu erhalten, Zugriff auf einen Computer zu bekommen oder Menschen dazu zu bringen, ihre eigenen Bankkonten für kriminelle Geldtransfers zur Verfügung zu stellen. Dabei arbeiten die Täter häufig mit Zeitdruck und sehr persönlichen Geschichten. Ein vermeintliches Familienmitglied meldet sich unter einer neuen Telefonnummer, plötzlich wird dringend Geld benötigt oder eine angeblich einmalige Verdienstmöglichkeit angeboten.
In Unternehmen sind dagegen vor allem erpresserische Cyberangriffe ein großes Problem. Bei Behörden und kritischer Infrastruktur kann zusätzlich die Funktionsfähigkeit ganzer Einrichtungen betroffen sein. Denn, so Tietze: Weder Supermärkte noch Krankenhäuser kommen heute ohne funktionierende Netzwerke aus.
KI macht Fälschungen überzeugender
Zusätzliche Möglichkeiten eröffnet Künstliche Intelligenz (KI). Während KI schon länger zur Erkennung neuer technischer Angriffe eingesetzt wird, können damit inzwischen auch Angriffe deutlich glaubwürdiger gestaltet werden.
Gefälschte Webseiten, massenhaft erstellte E-Mails in fehlerfreiem Deutsch oder Messenger-Unterhaltungen lassen sich mit vergleichsweise geringem Aufwand produzieren. Auch Videos können auf Basis einzelner Fotos erzeugt werden.
Dadurch wird es für Nutzer schwieriger, Betrugsversuche auf den ersten Blick zu erkennen. Das betrifft klassische Phishing-Angriffe auf Bankzugangsdaten ebenso wie den vermeintlichen Enkel mit der „neuen Handynummer“. Auch Desinformation über soziale Netzwerke und Videoplattformen spielt nach Einschätzung des Sicherheitsexperten eine zunehmende Rolle.
Von Erpressung bis Desinformation
Wie Cyberangriffe konkret funktionieren und welche Folgen sie haben können, will Tietze bei seinem Vortrag im Oktober anhand realer Fälle zeigen. Dabei soll unter anderem ein erpresserischer Cyberangriff in Berlin Thema sein, bei dem zwei Millionen Euro Lösegeld gefordert wurden.
Auch Beispiele für Desinformation und sogenannte hybride Kriegführung werden eine Rolle spielen. Dabei geht es Tietze nicht nur um technische Details. Die Besucher sollen anschließend vor allem besser einschätzen können, wie Cyberangriffe funktionieren und warum das Thema auch ihr eigenes Leben betrifft.
Drei Dinge, die jeder sofort tun kann
Für den persönlichen Schutz empfiehlt Tietze vor allem drei einfache Maßnahmen. Passwörter sollten möglichst über einen Passwortmanager verwaltet werden – idealerweise in Verbindung mit Passkeys oder einem integrierten Codegenerator. Wichtige Daten sollten zudem regelmäßig gesichert werden.
Und schließlich gilt auch in der digitalen Welt ein ziemlich analoger Grundsatz: misstrauisch werden, wenn jemand plötzlich enormen Zeitdruck erzeugt. Wer am Telefon oder per Nachricht mit einer überzeugenden Geschichte konfrontiert wird, bei der es „ganz schnell gehen muss“ oder ungewöhnlich viel Geld zu verdienen sein soll, sollte nicht vorschnell reagieren. Das gilt auch dann, wenn sich der Absender vermeintlich als Familienmitglied ausgibt. Im Zweifel rät Tietze dazu, die nächste Polizeidienststelle einzuschalten.
Termin: Am Sonntag, 4. Oktober, 18 Uhr, im Bürgerhaus Neukeferloh (Leonhard-Stadler-Straße 12), der Eintritt ist frei.

