Quelle: Ilona Stelzl

Rückblick auf die ersten 100 Tage

von Markus Bistrick

Seit 1. Mai, also auf den Tag genau 100 Tage, ist Sebastian Stüwe (parteilos) Erster Bürgermeister der Gemeinde Grasbrunn und Nachfolger von Klaus Korneder, der sich nicht mehr zur Wahl stellte. Traditionell ein guter Zeitpunkt für eine erste Bilanz. Was hat sie überrascht, welche Vorhaben konnten sie bereits anstoßen und wo setzen Finanzen, Bürokratie und gesetzliche Vorgaben Grenzen? B304.de hat nachgefragt.

Was hat Sie am meisten überrascht – im positiven wie im negativen Sinne? Positiv überrascht hat mich, wie offen und engagiert die Menschen in unserer Gemeinde sind. Egal ob Vereine, Ehrenamtliche oder Bürgerinnen und Bürger – die Bereitschaft, sich einzubringen und gemeinsam etwas voranzubringen, ist beeindruckend. Negativ überrascht hat mich weniger ein konkretes Thema, sondern eher die Vielzahl an Aufgaben und Themen, die gleichzeitig auf dem Tisch liegen. Die Bandbreite ist enorm.

Mit welchen Erwartungen sind Sie ins Amt gestartet – und welche davon haben sich erfüllt oder eben nicht? Da ich ja schon seit über 13 Jahren in der Gemeindeverwaltung tätig bin und immer eng mit den politischen Gremien zusammengearbeitet habe, hatte ich schon eine recht gute Vorstellung von dem, was mich erwartet. Was mich dann aber doch überrascht hat, ist die enorme Themenvielfalt und die Geschwindigkeit, mit der Entscheidungen vorbereitet, bewertet und begleitet werden müssen. Gleichzeitig habe ich erlebt, wie engagiert Verwaltung, Gemeinderat, Vereine und Ehrenamtliche für unsere Gemeinde arbeiten. Jetzt freue ich mich darauf, die begonnenen Projekte in den kommenden Monaten weiter voranzubringen.

Was war in den vergangenen 100 Tagen Ihre bislang schwierigste Entscheidung? Die schwierigsten Entscheidungen sind oft nicht die besonders großen oder öffentlich sichtbaren, sondern diejenigen, bei denen viele unterschiedliche Interessen gegeneinander abgewogen werden müssen. Dabei versuche ich stets, das Wohl der gesamten Gemeinde im Blick zu behalten.

Worauf sind Sie persönlich besonders stolz? Ich bin stolz darauf, dass wir bereits einige wichtige Gespräche und Verhandlungen mit Grundstückseigentümern und Vereinen erfolgreich anstoßen konnten. Darüber kann ich heute noch nicht im Detail sprechen, aber ich bin zuversichtlich, dass daraus für die Gemeinde positive Entwicklungen entstehen werden.

Welche Ihrer Wahlversprechen konnten Sie bereits anstoßen oder sogar umsetzen? Ein wichtiges Anliegen war für mich mehr Transparenz und Bürgernähe. Deshalb bin ich viel vor Ort unterwegs, suche aktiv das Gespräch mit den Menschen und habe mit Formaten wie „Triff Stüwe“ neue Möglichkeiten für den direkten Austausch geschaffen. Außerdem werden viele Themen offen in den öffentlichen Sitzungen des Gemeinderats behandelt. Zuhören ist dabei für mich genauso wichtig wie Handeln.

Gab es eine Situation, in der Sie im Nachhinein anders entscheiden oder handeln würden? Aktuell sehe ich keine Entscheidung, die ich grundsätzlich anders getroffen hätte. Dafür ist der Zeitraum von 100 Tagen vermutlich auch noch zu kurz. Natürlich reflektiere ich Entscheidungen regelmäßig.

Welches Thema bereitet Ihnen derzeit die größten Sorgen? Die finanziellen Herausforderungen, vor denen viele Kommunen stehen, beschäftigen mich stark. Gleichzeitig müssen wir wichtige Zukunftsaufgaben angehen und dabei verantwortungsvoll mit den vorhandenen Mitteln umgehen.

Wo sehen Sie aktuell den dringendsten Handlungsbedarf in Grasbrunn? Für unsere Gemeinde sehe ich aktuell insbesondere die Themen Verkehr, Gewerbeentwicklung und die langfristige Sicherung einer leistungsfähigen Infrastruktur als wichtige Aufgaben. Hier wollen wir Schritt für Schritt konkrete Fortschritte erzielen und gemeinsam mit den Bürgerinnen und Bürgern Lösungen entwickeln.

Welche drei Projekte möchten Sie bis Ende des Jahres unbedingt voranbringen? Die drei wichtigsten Projekte sind für mich die langfristige Sicherung der Gemeindefinanzen, die Tennishalle des TCN und die Geothermie. Hier muss die Standortfrage der Energiezentrale final geklärt werden und vor allem die Bürgerinnen und Bürger von Anfang an bei allen Entwicklungen frühzeitig und verbindlich informiert werden. Die Umsetzung wird sicher einen längeren Zeitraum als bis Jahresende in Anspruch nehmen. Die Erstellung der Konzepte für diese Projekte und die Kommunikation mit den Bürgerinnen und Bürgern sind aber Ziele, die ich auf jeden Fall bis Ende des Jahres voranbringen möchte. Ganz allgemein ist eine gute Kommunikation in allen Belangen eines meiner zentralen Anliegen.

Hat sich Ihr Blick auf Verwaltung und Kommunalpolitik seit Deinem Amtsantritt verändert? Wenn ja, wie? Ja, durchaus. Mir ist noch stärker bewusst geworden, wie komplex viele Entscheidungsprozesse sind und wie viele rechtliche, finanzielle und organisatorische Aspekte berücksichtigt werden müssen.

Wie haben sich Ihr Alltag und Ihr Privatleben verändert? Mein Alltag hat sich natürlich deutlich verändert. Die Tage sind voller geworden, oft gibt es Abendtermine, Veranstaltungen oder kurzfristige Themen, die Aufmerksamkeit erfordern. Gleichzeitig bin ich viel in der Gemeinde unterwegs und komme mit vielen Menschen ins Gespräch – das gehört für mich aber auch zu den schönsten Seiten des Amtes.

Für Familie, Freunde und Hobbys bleibt weniger Zeit als früher, das lässt sich nicht leugnen. Umso wichtiger ist es mir, die Zeit, die ich habe, bewusst zu nutzen. Meine Familie gibt mir Rückhalt und sorgt dafür, dass ich auch einmal abschalten kann. Die Balance zwischen Beruf und Privatleben ist eine Herausforderung, an der ich sicherlich noch arbeiten werde – aber sie ist wichtig, um langfristig mit Freude und Energie für die Gemeinde da sein zu können.

Wie gehen Sie damit um, dass Du inzwischen praktisch überall in der Gemeinde angesprochen werden? Ich empfinde das als etwas Positives. Mir ist der direkte Kontakt wichtig. Natürlich gibt es auch Momente, in denen man privat unterwegs ist, aber insgesamt freue ich mich über die Gespräche und die vielen unterschiedlichen Perspektiven.

Was war in den vergangenen 100 Tagen Ihr emotionalster Moment? Die Trauerrede bei der Beisetzung unseres ehemaligen Dritten Bürgermeisters. Dieser Moment hat mich persönlich sehr berührt und bewegt.

Gab es auch einen Moment, in dem Sie kurz gezweifelt haben? Zweifel gehören dazu, wenn man Verantwortung übernimmt. Entscheidend ist aber, sich auf die Sache zu konzentrieren, verschiedene Perspektiven einzubeziehen und dann mit Überzeugung Entscheidungen zu treffen.

Welche Eigenschaft hilft Ihnen im Bürgermeisteramt am meisten – und woran möchten Sie selbst noch arbeiten? Mir helfen vor allem Fokus, Engagement und Belastbarkeit. Gleichzeitig möchte ich mein Zeitmanagement weiter verbessern, um den vielen unterschiedlichen Anforderungen noch besser gerecht zu werden.

Welche Begegnung oder Rückmeldung aus der Bürgerschaft ist Ihnen besonders in Erinnerung geblieben? Besonders freuen mich Rückmeldungen von Bürgerinnen und Bürgern, die sagen, dass sie den direkten Austausch schätzen und das Gefühl haben, dass ihre Anliegen gehört werden. Das motiviert mich sehr.

Welchen Satz hören Sie seit Ihrem Amtsantritt am häufigsten – und was geht Ihnen dabei jedes Mal durch den Kopf? Den Satz ‚Kann ich Sie kurz etwas fragen?‘ höre ich inzwischen ziemlich oft – beim Einkaufen, auf Festen oder einfach unterwegs in der Gemeinde. Mein erster Gedanke ist dann meistens: Genau dafür bin ich da. Mir ist wichtig, ansprechbar zu sein und zuzuhören. Viele gute Ideen, aber auch Sorgen und Anliegen erfährt man eben nicht nur im Rathaus, sondern direkt im Gespräch mit den Menschen.

Was hat Ihnen in den vergangenen 100 Tagen am meisten Freude bereitet? Die vielen Begegnungen mit engagierten Menschen in Vereinen, Initiativen und der Bürgerschaft. Zu sehen, wie viel Herzblut viele Menschen für unsere Gemeinde einsetzen, ist eine große Freude und Motivation.

Welche Akte oder welches Thema liegt seit Ihrem Amtsantritt gefühlt fast täglich auf Ihrem Schreibtisch? Das Thema Grundstücksverhandlungen in seinen verschiedenen Facetten beschäftigt mich nahezu täglich.

Was möchten Sie den Bürgerinnen und Bürgern nach Ihren ersten 100 Tagen im Amt gerne mit auf den Weg geben? Ich bin sehr dankbar für das Vertrauen, die Unterstützung und die vielen interessanten Gespräche der vergangenen Monate. Ich wünsche mir, dass wir uns dieses starke Miteinander bewahren. Unsere Gemeinde lebt von den vielen engagierten Bürgerinnen und Bürgern sowie den zahlreichen Ehrenamtlichen, die mit großem Einsatz dazu beitragen, Grasbrunn so lebens- und liebenswert zu gestalten. Dafür möchte ich ausdrücklich Danke sagen.

Vielen Dank.