Die Frauenunion Vaterstetten-Parsdorf hat dem Frauennotruf im Landkreis Ebersberg 750 Euro gespendet. Das Geld wurde nach Angaben der Frauenunion im laufenden Kommunalwahlkampf gesammelt und soll laut Karin Huyer, Vorständin des Frauennotrufs, unter anderem für die Bezuschussung von Selbstbehauptungskursen sowie für die Öffentlichkeitsarbeit eingesetzt werden.
„Die Dunkelziffer und Scham bei den Frauen ist sehr hoch“, erklärt Ilona Dreier von der Frauenunion gegenüber B304.de. Oft betreffe Gewalt Frauen im direkten Umfeld – „die eigene Nachbarin, die Freundin, die eigene Mutter oder Tochter“. Ziel sei es deshalb, die Bevölkerung stärker für das Thema zu sensibilisieren und die Angebote des Frauennotrufs bekannter zu machen.
Der Frauennotruf Ebersberg meldet zugleich eine hohe Zahl an Beratungs- und Präventionskontakten. Nach eigenen Angaben des Vereins gab es 2025 438 ratsuchende Personen, darunter überwiegend Frauen sowie mitbetroffene und unterstützende Angehörige. Hinzu kamen 488 Präventionskontakte. In der Beratung verzeichne die Einrichtung “bei häuslicher Gewalt eine Zunahme körperlicher Gewalt, bei sexualisierter Gewalt zudem eine große Zunahme mittels digitaler Gewalt”.
Im Austausch mit dem Frauennotruf sei der Frauenunion deutlich geworden, wie groß die Belastung durch Bürokratie und sich kurzfristig ändernde Förderbedingungen sei. Dadurch gehe wertvolle Zeit für die Beratung verloren. Erschüttert habe die Beteiligten außerdem, „wie wenig Handhabe es gibt und wie schwierig die Gesetzeslage ist, wenn sich eine Frau von ihrem Partner bedroht fühlt“.
Die Frauenunion fordert deshalb besseren Schutz für Frauen und Kinder vor Gewalt, mehr Personal in Beratung und Betreuung sowie mehr gesellschaftliche Aufmerksamkeit. „Wir müssen hinschauen, nachfragen und uns trauen, etwas zu machen“, heißt es. Zivilcourage und Aufklärung seien entscheidend.
Doch es geht nicht nur um finanzielle Unterstützung: Auch personell stößt der Frauennotruf nach eigenen Angaben an Grenzen. Aktuell sei eine Stelle unbesetzt, zudem kämpfe die Einrichtung mit Fachkräftemangel. Gesucht würden auch Menschen, die sich ehrenamtlich im Verein engagieren möchten. Der Frauennotruf leiste „ein ganz wichtiges und sinnstiftendes Ehrenamt“.
Im Herbst planen Frauenunion und Frauennotruf gemeinsam eine öffentliche Informationsveranstaltung in Vaterstetten. Dort sollen die Arbeit der Einrichtung sowie Möglichkeiten zur Unterstützung von Betroffenen vorgestellt werden.
Frauenpower: Auf dem Foto (v. l. n. r.): Theresa Ederer-Fauth, Annabell Wegener, Ursula Hantschel (Ehrenamtliche Frauennotruf) Patricia von der Heyde, Ilona Dreier, Karin Huyer (1. Vorsitzende Frauennotruf) und Sonja Ziegltrum bei der Scheckübergabe.
