Am morgigen Sonntag, 13. September, feiert die Petrigemeinde das 20-jährige Dienstjubiläum von Pfarrer Stephan Opitz mit einem Festgottesdienst um 9.30 Uhr in der Petrikirche. Im Anschluss findet ein Empfang statt. Seit 20 Jahren ist Pfarrer Stephan Opitz in der Petrigemeinde tätig. Anlass für einen Blick auf einen Seelsorger, der vieles bewegt hat und dessen Wirken weit über den sonntäglichen Gottesdienst hinausreicht.
„Es passt einfach!“ Wenn Stephan Opitz über seine Gemeinde spricht, klingt das nicht wie eine Floskel, sondern wie eine Überzeugung. Eigentlich wechseln evangelische Pfarrerinnen und Pfarrer nach zehn Jahren die Pfarrstelle. Pfarrer Opitz ist geblieben – und feiert im September sein 20-jähriges Dienstjubiläum in der Petrigemeinde. „Hier ist es so schön. Ich mag diese Kirchengemeinde sehr, denn hier sind interessante und tolle Leute, mit denen man vieles bewegen und auch ungewohnte Wege gehen kann.“
Dass es „passt“, davon ist auch seine Kollegin Pfarrerin Ute Heubeck überzeugt. „20 Jahre, das ist eine Generation.“ In dieser Zeit hat Stephan Opitz unzählige Gottesdienste gefeiert, Kinder getauft, Jugendliche konfirmiert, Paare getraut und Menschen auf ihrem letzten Weg begleitet. Ebenso hat er Feste und Veranstaltungen initiiert und die Gemeinde geprägt.
Dabei hätte sein Berufsweg fast anders ausgesehen. Stephan Opitz spielte auch mit dem Gedanken, Medizin zu studieren. Nach Praktika im Krankenhaus und der Arbeit als Krankenpflegehelfer entdeckte er schließlich die Theologie für sich. Als Klinikseelsorger fand er die Verbindung beider Welten. „Da ist für mich die Affinität zum Krankenhaus und zur Theologie zusammengekommen“, erzählt er. Bis heute liegt ihm die Seelsorge besonders am Herzen. Neben seiner Gemeindearbeit engagiert er sich als Supervisor und ist auch im Hospizverein Ebersberg tätig.
“Ein großes Geschenk”
2006 kam Stephan Opitz nach Baldham – gemeinsam mit seiner Patchworkfamilie. Dass damals ein Kirchenvorsteher überzeugt war, wer als alleinerziehender Vater eine große Gemeinde in Rosenheim meistern könne, werde auch Baldham schaffen, hat sich bewahrheitet. Für Opitz selbst ist die Gemeinde bis heute „ein großes Geschenk“.
Mut zu neuen Ideen gehörte von Anfang an zu seinem Wirken. So entstand 2011 die Unterkirche als Ort der Stille und des Innehaltens – damals ein ungewöhnliches Konzept. Unvergessen bleibt auch der erste Weihnachtsgottesdienst im Stadion während der Corona-Pandemie- inzwischen ein fester Termin im Kalender der Gemeinde.
Gleichzeitig verschließt Stephan Opitz nicht die Augen vor den Veränderungen, vor denen Kirche heute steht. „Kirche ist zwar nach wie vor ein fester Bestandteil der Gesellschaft, aber kein selbstverständlicher“, sagt er. Besonders die steigende Zahl der Kirchenaustritte beschäftigt ihn. „Wir müssen uns fragen, welche Gebäude wir uns künftig leisten können und überlegen, wovon man sich lösen kann. Das ist ein schmerzhafter Prozess.“ Als Gemeindepfarrer und stellvertretender Dekan erlebt er diesen Wandel auf Schritt und Tritt.
Trotzdem erfährt er immer wieder, wie wichtig die Kirche für viele Menschen ist und wie dankbar sie für seelsorgerische Begleitung sind. Zugleich beobachtet er, wie sich das gesellschaftliche Selbstverständnis verändert hat: „Der Anspruch an jeden heißt heute: Du bist deines Glückes Schmied und allein verantwortlich, dein Leben zu meistern.“ Sich einzugestehen, dass man andere Menschen braucht oder sich an Gott zu wenden und auf seine Begleitung zu vertrauen, sei für viele nicht mehr selbstverständlich. „Da hat Kirche mit ihrer Botschaft heute Schwierigkeiten zu landen.“
Wenn Pfarrer Opitz einmal frei hat, steigt er gerne auf sein Gravelbike und dreht eine Runde durch die Region – oft gemeinsam mit seiner Frau. Verwurzelt ist er längst nicht nur landschaftlich, sondern auch menschlich, besonders auch in seinem engagierten Team und in der Zusammenarbeit mit seiner neuen Kollegin Ute Heubeck. Beste Voraussetzungen also dafür, dass auch in Zukunft gilt, was er heute mit einem Lächeln sagt: „Es passt einfach!“