Zwei Züge voraus

von Catrin Guntersdorfer

Stunden lang volle Konzentration, Gegner aus aller Welt und jede Menge Nervenkitzel: Für Sophie Zhong (11) und Aaron Falck (8) war der FIDE World Cup im georgischen Batumi im Juni weit mehr als nur ein Schachturnier. Es war das bisher größte Abenteuer ihrer noch jungen Schachkarriere. Beide Nachwuchsspieler des Schachclubs Vaterstetten-Grasbrunn wurden vom Deutschen Schachbund nominiert und durften sich mit den besten Kindern der Welt messen. 

„Wir waren schon sehr aufgeregt“, erzählen die beiden. Kein Wunder: Noch nie hatten sie bei einem so bedeutenden Turnier mit so vielen Teilnehmerinnen und Teilnehmern gespielt. Und leicht ist so ein Wettkampf nicht – eine einzige Partie kann vier oder auch fünf Stunden dauern. 

Sophie und Aaron in Georgien. (Foto: SC Vaterstetten-Grasbrunn)

Dass beide überhaupt in Batumi am Brett saßen, ist das Ergebnis vieler Jahre Begeisterung für die 64 Felder. Bei Sophie begann alles während der Corona-Zeit. „Ich habe mit Schach angefangen, als ich sechs Jahre alt war, weil meine Eltern eine Aktivität für mich gesucht haben, die ich auch zu Hause machen kann“, erzählt sie. Da ihre Mutter als Kind selbst Schach spielte, wollte Sophie das ebenfalls ausprobieren. „Es hat mir gleich Spaß gemacht, so dass ich es bis heute durchgezogen habe.“ 

Auch Aaron fand früh zum Schach – über seine Familie. „Erst hat meine größere Schwester mit meinem Vater Schach gespielt, da war ich drei. Ich hab immer zugeschaut und dann mit vier selbst angefangen.“ 

Beide verbindet die Freude am Tüfteln und Knobeln. Sophie liebt dabei besonders die überraschenden Wendungen: „Ich find’s toll, wenn ich, obwohl ich in einer verlorenen Stellung bin, die Partie doch noch wenden kann.“ Ihre Lieblingsfigur ist der Springer. „Ich bin im chinesischen Sternzeichen des Pferds geboren“, sagt sie lachend – da passt der Springer natürlich perfekt. Aaron setzt dagegen auf die stärkste Figur auf dem Brett. „Meine Lieblingsfigur ist die Dame!“ 

Dass Schach nicht nur auf dem Brett hilft, merkt Sophie auch in der Schule. „Ich habe dadurch gelernt, mich besser zu konzentrieren, weil ich auch hier viel nachdenken muss.“ Die Sechstklässlerin am Humboldt-Gymnasium Vaterstetten spielt außerdem Klavier und tanzt Ballett – als Ausgleich zu den langen Denkpartien. 

Aaron besucht die zweite Klasse und trainiert mit beeindruckendem Ehrgeiz. Zweimal pro Woche geht er ins Schachtraining, außerdem spielt er jeden Tag eine Partie online. „Da spiele ich gegen irgendjemanden auf der Welt – das macht Spaß!“ 

Große Träume haben die beiden auch. Sophie möchte „mit Schach groß rauskommen und Deutschland auf Turnieren vertreten“. Aaron bringt sein Ziel auf den Punkt: „Ich will mal Großmeister werden.“ 

Beim World Cup in Batumi sammelten beide dafür wertvolle Erfahrungen. Sophie erreichte in der Mädchenklasse U12 mit 5,5 Punkten aus elf Partien den 48. Platz unter 90 Teilnehmerinnen. Aaron holte in der U8 ebenfalls 5,5 Punkte und belegte Rang 65 unter 118 Spielern – das beste Ergebnis aller deutschen Starter seiner Altersklasse. Wir gratulieren den beiden jungen Talenten und drücken die Daumen für die Zukunft!