Es gibt Liebesgeschichten, die schon in jungen Jahren beginnen – und trotzdem erst mit der Zeit ihre ganze Größe zeigen. Gertraud und Walter Bayerlein aus Vaterstetten kennen sich seit ihrer Jugend. Am Samstag, 19. September, konnten die beiden nun ihre Eiserne Hochzeit feiern: 65 Jahre Ehe und vor allem ein gemeinsames Leben, das von Liebe, Vertrauen, Treue und einem festen Glauben getragen wird.
Ein Schubser vom lieben Herrgott
Kennengelernt haben sich Gertraud und Walter in der katholischen Jugend. Obwohl beide aus Vaterstetten stammen, waren sie sich als Kinder nie über den Weg gelaufen. Das änderte sich bei einer Gruppenstunde in der Faschingszeit. Gertraud war damals 14, Walter 16 – und sie hatte sofort ein Auge auf ihn geworfen. „Er war meine erste und letzte große Liebe!“, sagt Gertraud heute mit leuchtenden Augen. Walter sah die Sache zunächst etwas nüchterner. „Ich hab erst einen Schubser gebraucht“, erzählt er schmunzelnd. Den bekam er seiner Meinung nach vom lieben Herrgott.
Zuerst fuhren die beiden eine Weile gemeinsam mit dem Zug nach München – Gertraud zur Arbeit, Walter zur Universität. Walter hatte damals allerdings noch eine andere Freundin. Erst nachdem diese Beziehung zu Ende gegangen war, kamen sich Gertraud und Walter im Herbst 1959 näher. Am 11. Dezember 1960 folgte die Verlobung. Rückblickend weiß Walter: „Das war eine der glücklichsten Fügungen meines Lebens.“
Die Hochzeit im Jahr 1961
Am 19. September 1961 wurde schließlich geheiratet. Standesamtlich gaben sich die beiden in Parsdorf das Ja-Wort, wo sich damals noch das Rathaus der Gemeinde befand. Die kirchliche Trauung folgte in der Pfarrkirche Vaterstetten. Anschließend ging es zum Essen nach München ins Restaurant Schwarzwälder am Dom.

Dass Gertraud den Mut hatte, trotz Walters noch nicht abgeschlossenem Studium zu heiraten, beeindruckt ihn bis heute: „Meine Frau hat einen mords Schneid gehabt, schließlich hatte ich noch nicht einmal das erste Staatsexamen!“ Damals war es noch keineswegs üblich, vor der Hochzeit zusammenzuwohnen. So erinnert sich Walter noch ganz genau: „Mein Vater hat mich dann am Tag der Trauung mit einem geschmückten Auto zu ihr gefahren und sie stand schon da: angekleidet und ganz steif. Ich durfte gar nicht an die Haare hinkommen.“
Gertrauds Familie betrieb damals einen Tante-Emma-Laden. Während geheiratet wurde, blieb der allerdings geschlossen. An der Tür hing ein großes Schild: „Wegen Hochzeit geschlossen“, erinnert sich Gertraud noch heute lachend.
Eine Familie wächst
Aus dem jungen Paar wurde bald eine Familie. Tochter Regina kam zur Welt, zwei Jahre später Sohn Markus. Später nahm das Ehepaar noch Adoptivtochter Sonja in seine Familie auf. Inzwischen gehören auch sechs Enkelkinder dazu. Dass die Familie bis heute eng miteinander verbunden ist und viele Angehörige in der Nähe wohnen, bedeutet Walter besonders viel.
65 gemeinsame Jahre waren dabei nicht nur von Alltag und Familie geprägt. Gertraud und Walter waren immer gerne gemeinsam unterwegs – beim Wandern ebenso wie beim Skifahren in St. Moritz. Sie reisten bis ans Nordkap und an den Nil und sammelten dabei viele Erinnerungen, die bis heute geblieben sind.
Hochzeitsreise mit Hindernissen
Auch im Herbst 1961 stand für das Paar eine Reise an. Die Hochzeitsreise führte das frisch vermählte Paar nach Kärnten. Allerdings verlief bereits die Anreise nicht ganz reibungslos. Mit ihrem DKW Meisterklasse, Baujahr 1936, waren die beiden unterwegs, als das Auto schon am Irschenberg schlappmachte. Doch Gertraud ließ sich davon nicht beeindrucken. „Meine frisch angetraute, gute Ehefrau ist einfach ausgestiegen und hat das Auto angeschoben, bis es wieder lief!“, erzählt Walter mit einem stolzen Blick auf seine Frau.
Damit nicht genug: Auch das gebuchte Hotel war plötzlich geschlossen. Kurzerhand musste sich das Brautpaar eine andere Unterkunft suchen. Die Flitterwochen ließen sich die beiden dadurch aber nicht verderben. Vielleicht war es schon damals eine gute Übung für das gemeinsame Leben: Wenn etwas nicht nach Plan läuft, findet man gemeinsam eine Lösung.

Warmherzigkeit, Zuverlässigkeit und Treue
Was Gertraud und Walter bis heute verbindet, ist vor allem die Wertschätzung füreinander. Walter schätzt an seiner Frau ihre Warmherzigkeit. Und daran, dass er sie auch nach 65 Jahren noch liebt, lässt er keinen Zweifel: „Ich würde sie sofort wieder heiraten“, sagt er bestimmt.

Gertraud wiederum schätzt an Walter seine Zuverlässigkeit und seine absolute Treue. „Ich hab nie Angst haben müssen, obwohl er sehr viel unterwegs war“, versichert sie mit fester Stimme. Denn Walter war durch Beruf und Ehrenämter häufig unterwegs. Umso größer war die Freude, wenn die beiden sich nach einem Arbeitstag oder einer Reise wieder in die Arme schließen konnten.
„Wir haben uns immer sehr aufeinander gefreut, wenn wir uns wiedergesehen haben“, erzählt Walter. „Und auch heute freuen wir uns jeden Tag übereinander, an dem wir uns noch haben.“
Gemeinsam durch gute und schwierige Zeiten
Ein wichtiger Bestandteil ihres gemeinsamen Lebens war und ist der Glaube. Er hat beide miteinander verbunden und ihnen Orientierung gegeben. Walter hat dabei auch einen klaren Blick darauf, dass eine lange Ehe nicht selbstverständlich ist. „Ich denke, die jungen Menschen, die heute heiraten, meinen es ja auch alle gut. Aber sobald zentrifugale Kräfte aufkommen, geht es bei vielen schnell auseinander!“, bedauert er. Was ihre eigene Ehe über so viele Jahrzehnte getragen hat, erklärt er ganz einfach: „Bei uns ist es so, dass wir nie unversöhnt ins Bett gehen und auch einen Schritt auf den anderen zugehen, obwohl man sich im Recht sieht.“
Wir wünschen Gertraud und Walter Bayerlein noch viele glückliche und gesunde gemeinsame Jahre!

