Wenn der Ernstfall Realität wird

von Eva Bistrick

Mehrere Stadtteile Berlins sitzen seit Samstag im Dunkeln. 45.000 Haushalte und 2.200 Gewerbebetriebe waren zunächst ohne Strom, aktuell sind „nur” noch 30.000 Haushalte betroffen. Haushalte – das wirkt so abstrakt, doch dahinter stehen immerhin ca. 90.000 Menschen. Blackout, das heißt nicht nur Licht aus, sondern auch: keine Heizung, kein Mobilfunknetz, keine funktionierenden Ampeln, Geldautomaten, Zapfsäulen, Aufzüge, Garagentore, Türklingeln. Binnen kurzer Zeit wird nahezu alles lahmgelegt, was unseren Alltag trägt. Ein politisch motivierter Anschlag auf kritische Infrastruktur, so der aktuelle Stand der Ermittlungen, zeigt, wie fragil unser Versorgungssystem ist.

Berlin wirkt für viele weit weg. Bei uns läuft aktuell alles – Licht, Heizung, Handy. Ein längerer Stromausfall ist trotzdem nicht nur ein technisches Problem, sondern auch ein sozialer Stresstest: Nicht alle Menschen sind gleich vorbereitet oder mobil, und nicht jeder kann größere Vorräte lagern. Ältere , Alleinstehende oder Pflegebedürftige sind im Notfall besonders betroffen.

Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe empfiehlt seit Jahren einen Grundvorrat für mindestens zehn Tage.

Zur aktuellen Notfall-Vorratsliste gehören:

  • Trinkwasser: mindestens 2 Liter pro Person und Tag (Denken Sie auch an Haustiere!)
  • Haltbare Lebensmittel (Konserven, Trockenprodukte)
  • Batteriebetriebenes oder Kurbelradio
  • Taschenlampen, ausreichend Batterien
  • Kerzen und Streichhölzer/Feuerzeug
  • Bargeld
  • Powerbanks (vollgeladen)
  • Medikamente und ein kleiner Erste-Hilfe-Vorrat
  • Warme Decken, wetterfeste Kleidung
  • Gaskocher oder alternative Kochmöglichkeit (sicher gelagert)

Dazu kommt ein einfacher, aber oft unterschätzter Punkt: ein möglichst voller Tank, um im Zweifel Anlaufstellen zu erreichen oder anderen zu helfen.

In den ersten Stunden eines längeren Stromausfalls wird den meisten Menschen vermutlich gar nicht auffallen, dass etwas mit ihrer Wasserversorgung nicht stimmt. Es wird oft geraten, Badewanne oder Waschbecken vorsorglich mit Wasser zu füllen. Das ist allerdings unter Umständen kontraproduktiv, da so die Leitungen schneller leerlaufen können. Entstehen dadurch Schäden, kann die Wasserversorgung auch lange nachdem der Strom wieder da ist noch unterbrochen sein.

Deshalb ist ein ausreichender Vorrat an Trink- und Brauchwasser wichtig. In den meisten Haushalten funktioniert die Toilette weiterhin, weil die Mehrheit der Spülkästen drucklos nach dem Schwerkraft-Prinzip arbeitet und die Leitungswasser-Spülung vom Wasserdruck abhängig ist.

Länger andauernde Stromausfälle, wie aktuell in Berlin, können jedoch die Versorgung mit Trinkwasser und Abwasser beeinträchtigen: Pumpstationen, die Wasser hochpumpen oder in Fernleitungen verteilen, sind oft stromabhängig. In solchen Fällen können die Leitungen trockenfallen, der Wasserdruck sinkt oder ganz ausbleiben. Dann muss auf Vorräte zurückgegriffen werden, Notversorgungen der Gemeinde genutzt werden oder Wasser abgekocht bzw. aus zugänglichen Notbrunnen bezogen werden.