Von wegen seriös: Trickbetrug mit Pelzen, Antiquitäten & Co.

von Eva Bistrick

Aktuell ermittelt das Kommissariat 55 des Polizeipräsidiums München vermehrt zu Betrugs- und Diebstahlsdelikten in Verbindung mit „Flyern“ und kleinen Inseraten, welche in Zeitungen mit „seriösen“ Antiquitäten-, Trödel-, Geschirr-, oder Teppichankäufen werben. Anbei werden zwei Beispielsfälle aus dem Raum München aufgelistet, die die Vorgehensweise der professionellen Betrüger exemplarisch darstellen:

Fall 1:

Eine 92-jährige fand am Montag, 24. November in einer Münchner Tageszeitung einen Flyer mit Werbung über den Ankauf von Pelzen, Antiquitäten, Trachten und weiteres. Telefonisch vereinbarte sie für den späten Nachmittag mit dem Ankäufer einen Termin. Als dieser in die Wohnung kam, gab er an, die Pelze nur in Verbindung mit dem Ankauf von Goldschmuck mitzunehmen. Die Geschädigte, die eigentlich keinen Schmuckverkaufen wollte, zeigte dem Mann nun doch Goldschmuck, welchen dieser zu einem niedrigen Preis ankaufte. Die Pelze gab er vor, abends abzuholen, da er angeblich nicht genug Bargeld dabei habe. Als der Täter dann nochmals vor der Tür stand, setzte er die Geschädigte wieder unter Druck, noch weiteres Gold oder Münzen zu übergeben, damit er die Pelze mitnehme. Während die Geschädigte eine Münze aus ihrem Tresor holte, entwendete der Unbekannte eine goldene Taschenuhr und erhielt von der verunsicherten Dame noch die Goldmünze. Ohne die Pelze verließ er eilig die Wohnung. Die Geschädigte bemerkte den Diebstahl erst ein paar Wochen später. Der Schaden beläuft sich auf mehrere Tausend Euro.

Fall 2:

Eine 56-jährige brachte ebenfalls ein Flyer in einer Münchner Zeitung auf die Idee, geerbte Kleidung und Modeschmuck zu verkaufen und kontaktierte den Inserenten am Samstag, 6. Dezember, Kurz darauf erschienen zwei Frauen, die anboten, in Verbindung mit Gold, einiges an Kleidung abzukaufen. Sie boten der Geschädigten eine hohe Summe, kauften aber zuerst nur einen Teil des Goldschmucks und gaben vor, die anderen Gegenstände zu einem anderen Termin abzuholen und zu bezahlen. Während eine der Beiden die Schmuckstücke abwog, lenkte die andere die Geschädigte sowie deren Mann ab, sodass diese nicht bemerkten, dass eine wertvolle Goldkette entwendet wurde. Die versprochenen 15.000 Euro für den Rest brachten die Täterinnen nicht mehr vorbei. Der Diebstahl wurde ebenfalls erst später bemerkt.

Die Münchner Kriminalpolizei warnt vor Betrugs- und Diebstahlsdelikten in Verbindung mit „Flyern“ und auch kleinen Inseraten, welche in Zeitungen mit „seriösen“ Antiquitäten-, Trödel-, Geschirr-, Teppichankäufen werben. Die Personen mieten hierfür kurzzeitig Räume an, kommen in den meisten Fällen aber nach Kontaktaufnahme über die auf den Flyern vermerkte Telefonnummer auch nach Hause. Hier werden die meist älteren Interessenten unter Druck gesetzt, Gold- und Silberschmuck abzugeben. Bei Weigerung erfolgt häufig der Diebstahl der Wertgegenstände durch einen Täter, während der andere Täter das Opfer ablenkt.

Diese Betrugsmasche wird auch in Verbindung mit Teppich- und Polsterreinigungen und Reparaturen verwendet. Hier gibt es als Lockmittel häufig “Rabatte“ für ältere Menschen.

Die Kriminalpolizei rät:

– Suchen Sie mit Familienmitgliedern nach seriösen Anbietern, holen Sie mehrere Angebote ein

– Lassen Sie nie fremde Personen in Ihre Wohnung, auch wenn diese angeben, Sie seien bereits in der Vergangenheit Kunde gewesen!

– Rufen Sie bei Unsicherheit immer die 110!