Spitze Pointen beim Politischen Aschermittwoch

von b304

Beim Politischen Aschermittwoch der CSU am Mittwoch, 11. Februar, im Gasthaus „Zum Altschütz“ in Vaterstetten präsentierte CSU-Fraktionschef Michael Niebler eine amüsante Büttenrede, in der er Politiker und Parteifreunde gleichermaßen mit spitzen Pointen aufs Korn nahm.

Rund 200 Gäste verfolgten, wie Niebler bekannte Lokalpolitiker humorvoll kommentierte – von Landrat Robert Niedergesäß über Bürgermeister Leonhard Spitzauer bis zu SPD-Bürgermeisterkandidatin Maria Wirnitzer und dem grünen Herausforderer David Göhler.

Seine Pointen reichten von überspitzten Wahlkampfbeobachtungen über augenzwinkernde Bemerkungen zum Rathaus-Alltag bis hin zu ironischen Verkehrsvisionen. Vieles war bewusst zugespitzt und satirisch – nicht jede Äußerung sollte deshalb für bare Münze genommen werden.

Nachfolgend dokumentieren wir die Rede ungekürzt im Wortlaut.

Politischer Aschermittwoch der CSU 2026: Fraktionschef Michael Niebler bei seiner amüsanten Rede. (Foto: Markus Bistrick/B304.de)

Rede zum Politischen Aschermittwoch 2026 von CSU-Kraktionschef Michael Niebler:

Meine sehr geehrten Damen und Herren,

Mark Twain hat einmal gesagt: Eine gute Rede hat einen guten Anfang und ein gutes Ende – und beide sollten möglichst dicht beieinander liegen. An diese Empfehlung werde ich mich heute nicht halten. Das ist das erste Mal seit sechs Jahren, dass ich am Abend des Aschermittwochs wieder vor Ihnen stehe.

Das letzte Mal stand ich hier am 26. Februar 2020, mitten im Kommunalwahlkampf. Das war eine der letzten öffentlichen Veranstaltungen, die vor dem Lockdown stattgefunden hat.

Das ist heute die 22. Aschermittwochsrede, die ich seit 1997 – mit schöpferischen und mit erzwungenen Pausen – halte.

Zunächst gilt mein Dank dem Vorprogramm. Ihr drei – Flo, Leo und Robert – habt ja den Saal wirklich zum Kochen gebracht. Chapeau! Die ersten wollten schon nach Hause gehen: Drei Redner an einem Abend langen, der vierte wird uns bestimmt nichts Neues mehr erzählen … .

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Mir wurde gesagt: Weil in zweieinhalb Wochen Wahlen sind, darfst Du über Robert und Leo ja nichts Negatives sagen. Lieber Robert, lieber Leo, ich nehme nicht jeden guten Ratschlag an. Und wenn ich Euch nur loben würde, käme ja künftig keiner mehr.

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Zunächst zu Dir, lieber Robert. Der Robert ist im Sommer letzten Jahres ziemlich „bedepft“ durch den Landkreis getrottet.

Das hatte Gründe, die ich heute nicht mehr aufwärmen will. Aber seit November läuft er wieder erhobenen Hauptes durch den Landkreis.

Warum ist das so? Weil sich die politische Konkurrenz offiziell und inoffiziell dazu entschlossen hat, ihn letztlich nicht herauszufordern. Er hat nur zwei Gegenkandidaten.

Es gibt einen Landratskandidaten der AfD, der ist Mitglied des Deutschen Bundestags. Und das Schlimmste, was der Wähler dem Herrn Bundestagsabgeordneten von der AfD antun könnte, ist, dass er sein Bundestagsmandat aufgeben und jeden Tag ins Landratsamt gehen müsste. Der will natürlich in Berlin bleiben, das ist doch klar, da ist die AfD unter sich, da muss er letztlich nichts arbeiten. Die AfD muss ja nichts, kann ja nichts und will ja nichts bewirken im Deutschen Bundestag. Sie beschimpfen die sogenannten Alt-Parteien, sie beschimpfen die Ausländer, sie beschimpfen die Ukrainer – das ist alles viel leichter, als tagtäglich einen Landkreis mit 150.000 Einwohnern zu führen. Also: Der AfDler will schon mal nicht gewählt werden.

Und dann gibt es einen Landratskandidaten der Grünen, Thomas von Sarnowski. Er kandidierte bereits zweimal – 2018 und 2023 – erfolglos für den Bayerischen Landtag, wurde 2021 Landesvorsitzender der Grünen und wurde 2024 von der eigenen Partei als Landesvorsitzender wieder abgewählt. Was der Herr von Sarnowski politisch und beruflich werden will, weiß ich nicht, Landrat will der aber eher nicht werden. Aber irgendeinen mussten die Grünen ja aufstellen, und als gefragt wurde, wer denn bereit sei, hat sich der Herr von Sarnowski wohl nicht schnell genug in die Büsche geschlagen.

Die FDP unterstützt Robert offiziell.

Der Kreisvorsitzende der Freien Wähler und Spitzenkandidat für den Kreistag, Klaus Färber, herzt den Robert zwar immer, wenn er ihn in der Allianz Arena auf der Tribüne trifft. Die beiden sitzen mit ihren Dauerkarten relativ nah beieinander. Die schicken keinen Gegenkandidaten gegen Robert.

Und die SPDler, so wurde mir berichtet, ich war ja im Gegensatz zu Ihnen, Herr Böhm, nicht dabei, trafen sich Ende November zu einer Versammlung zur Aufstellung der Kreistagsliste und taten so, als ob die Landratswahl gar nicht stattfinden würde. Ach, der Landrat wird auch gewählt, das ist irgendwie an uns vorbeigegangen. Sind schon wieder sechs Jahre rum? Haben wir gar nicht mitbekommen. Nicht einmal den Kandidaten der Grünen unterstützen die Sozialdemokraten, zu unserer Freude, sondern sie blenden die Landratswahl vollständig aus. Kann man machen. Und spätestens seit der Kreisversammlung der SPD läuft der Robert tiefenentspannt durch den Landkreis.

Ich zitiere ja normalerweise keine AfDler, heute mache ich eine Ausnahme: Ein AfD-Kreisrat hat in einer Ausschusssitzung wörtlich gesagt: Robert Niedergesäß kann sich seiner Wiederwahl als Landrat nur durch Selbstmord entziehen.

Das erleichtert uns CSUlern dramatisch den Wahlkampf. Denn wir müssen uns nur noch um den Gemütszustand des Kandidaten kümmern – Geht’s Dir gut, lieber Robert? Planst Du, Dir etwas anzutun? – Und wenn er das glaubwürdig verneint, ist alles gut.

Ich habe vorgeschlagen, wir drucken ein Plakat mit den Worten: „Robert Niedergesäß – der einzige Kandidat, der wirklich Landrat werden will.“ Das würde die Gegenkandidaten von AfD und Grünen ganz schön in die Bredouille bringen. Sie würden natürlich von der Presse befragt werden: Hat der Niedergesäß damit recht? Wollen Sie gar nicht Landrat werden? Und dann hätten sie rumgedruckst: Ganz so kann man das nicht sagen. Also wenn der Wähler unbedingt will, dass wir im Landratsamt … dann würden wir schon, weil wir müssten, geht ja dann nicht anders. Aber eigentlich, wenn Sie mich jetzt ganz offen fragen, dann …

Die Gemeinde Vaterstetten hat eine Fläche von 34,18 km2. Ich habe auf diesen 34,18 km2 weniger Plakate des AfD-Landratskandidaten und des grünen Landratskandi-daten gesehen, als Christa Stewens Enkelkinder hat.

Ich habe alle vom Volk gewählten Landräte des Landkreises Ebersberg seit dem 2. Weltkrieg persönlich kennengelernt: Remig Streibl, Hermann Beham, Hans Vollhardt, Gottlieb Fauth und Robert Niedergesäß. Und ich weiß, wie die Landratswahlen in unserem Landkreis seit 1952 ausgegangen sind. Kurz gesagt: Die Landratswahlen waren für die CSU immer eine gmahde Wiesn, wobei man wissen muss, dass Remig Streibl zwar parteilos war, aber immer von der CSU getragen wurde. Die Landratswahlen waren immer eine gmahde Wiesn für uns, außer 2013. Und das lag an Ihnen, lieber Herr Böhm, der Sie damals eine außerordentlich starke Performance hingelegt haben und Robert am Ende nach kolossaler Kraftanstrengung mit nur 800 Stimmen die Nase vorn hatte.

Nach sechs Jahren schöpferischer Pause kandidieren Sie nun wieder für den Ebersberger Kreistag. Auch wir, die CSU, sehen darin eine große Verstärkung des Kreistags, insbesondere in der Frage, wie man die Baukosten bei Großprojekten im Zaum halten kann, das ist ja Ihre große Expertise. Hätte ich den geringsten Zweifel, lieber Herr Böhm, ob es für Sie am 8. März für den Einzug in den Ebersberger Kreistag reicht, ich würde heute jeden im Saal auffordern, Ihnen drei Stimmen zu geben. Aber so, wie Sie sich ins Zeug legen, gilt für Sie das Gleiche wie für Robert Niedergesäß: Sie können sich Ihrer Wahl in den Ebersberger Kreistag nur durch Selbstmord entziehen. Deshalb können auch wir CSUler unsere 60 Stimmen getrost unter uns aufteilen.

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Alle Landräte in Bayern haben nebenher ehrenamtliche Nebenjobs. Denn bayerische Landräte haben Zeit. Bürgermeister sind rund um die Uhr im Einsatz, aber der Herr Landrat – sagen wir es freundlich – kann sich es ein bisschen einteilen. Der Leo z.B. hat sechs Feuerwehren in der Gemeinde Vaterstetten zu betreuen, der Robert geht einmal im Jahr zum Kreisfeuerwehrtag.

Deshalb sind die bayerischen Landräte für ehrenamtliche Nebenjobs sehr empfänglich, gerne Jobs mit der Bezeichnung „Präsident“. Der Deggendorfer Landrat ist z.B. Präsident des Bayerischen Musikrats, der Erdinger Landrat ist Präsident des Verbandes Bayerischer Sing- und Musikschulen. Und Robert wäre gerne auch von irgendetwas Präsident geworden, war aber nicht schnell genug. Deshalb sind für ihn nur zwei undankbare Nebenjobs abgefallen:

Sprecher der oberbayerischen Landkreise im MVV-Verbund und 1. Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft fahrradfreundliche Kommunen in Bayern (AGFK) e.V., dieser Titel ist länger als mancher Radweg im Landkreis.

Jetzt fragen Sie sich sicher: Was hat der Robert mit dem MVV zu tun? Eine völlig berechtigte Frage, denn das letzte Mal, dass Robert einen S-Bahn- oder U-Bahn-Wagen von innen gesehen hat, war bei der Fußballweltmeisterschaft in Deutschland, 2006. Seitdem hat er sich – vor die Alternative S-Bahn oder Dienstwagen gestellt – immer für den Dienstwagen entschieden.

Und Sie werden sich fragen: Was hat der Robert mit dem Fahrrad zu tun? Der hat bis zur Übernahme des Vorsitzes beim AGFK gar kein eigenes Fahrrad besessen. Der Robert hat sich – vor die Alternative Dienstwagen oder Fahrrad gestellt – immer für den Dienstwagen entschieden. Aber jetzt hat er ein Fahrrad, ein E-Mountainbike. Das hat er sich gekauft nicht aus Neigung, sondern nur zwecks der Glaubwürdigkeit. Und mit dem E-Mountainbike wollte er doch glatt einmal selbst den Hahnenkamm erklimmen. Ist ihm nicht gelungen, weil er dachte, ein E-Mountainbike funktioniere genauso wie ein Moped, da müsse man kaum selbst treten. Mittlerweile kennt er den Unterschied.

Ich erwähnte bereits, dass Robert Vorsitzender der AGFK ist. Das muss ein bisschen ein komischer Verein sein, ich bin mal bei denen auf die Homepage gegangen. Da habe ich gelesen:

„Seit 2017 bietet die AGFK Bayern ihren Mitgliedskommunen alle zwei Jahre eine Großexkursion ins Ausland an. Nach Amsterdam, Kopenhagen und Bozen führte die Reise 2025 ins Elsässische Straßburg, wo wir nicht nur etwas über die Radverkehrspolitik der Eurometropole Straßburg erfahren konnten, sondern auch Gelegenheit hatten, die Arbeit der bayerischen Europaabgeordneten Angelika Niebler kennenzulernen.“

Die Rheinländer sagen: Man muss auch jönne könne. Ich kann das. Natürlich existieren auch in Windischeschenbach, Jettingen-Scheppach, Sulzbach-Rosenberg und Straßlach-Dingharting Radwege, schöner aber ist es, solche in Amsterdam, Kopenhagen, Bozen und Straßburg anzuschauen.

In dem Bericht der AGFK heißt es unter anderem, dass in Straßburg ein begrüntes Dreieck die Straße aufspaltet in eine Spur für Kfz und einen Radweg, auf dem für ca. 100 Meter auch zu Fuß gegangen werden darf, eine sog. Begegnungszone. Die Radfahrer müssen dort Schritttempo fahren. Wenn der Robert das auf den Landkreis Ebersberg überträgt, wird er nicht mehr Landrat.

Und in dem Bericht der AGFK über die Exkursion nach Straßburg heißt es auch: „Im Zentrum von Straßburg fühlen sich die Radfahrenden trotz fehlender Autos nicht wohl. Gründe hierfür sind u.a. viele unberechenbare Fußgängerinnen und Fußgänger.“

Der Fußgänger als Gefahr für den Radfahrer, das ist doch mal ein neuer Aspekt.

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Fahrradwege haben auf Politiker offenbar eine magische Anziehungskraft. Unser Landtagsabgeordneter Thomas Huber war 2017 gemeinsam mit Erwin Huber, unserem früheren Parteivorsitzenden, nach Holland geflogen, um dort Radwege zu besichtigen.

Sie müssen sich das so vorstellen: Thomas Huber und Erwin Huber, die Huber-Buam, fahren in Holland gemeinsam mit holländischen Fahrrädern auf holländischen Radwegen. Und schon nach zwei Kilometer sagt der Erwin Huber zum Thomas Huber: „Du, das fühlt sich genauso an wie zu Hause.“

Diese spontane Erkenntnis veranlasste die beiden, ihre Dienstreise bereits nach zweieinhalb Tagen zu beenden.

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Robert ist heute 55 geworden. Eigentlich kein Alter, aber ein bisschen schusselig ist er mittlerweile schon.

Kürzlich war Robert in der MVV-Geschäftsstelle beim Geschäftsführer, Herrn Rosenbusch. Nach der Besprechung packt er seine Sachen zusammen, fragt Herr Rosenbusch: „Kann es sein, Herr Niedergesäß, dass Sie mein Handy eingesteckt haben?“ Sagt Robert: „So deppert bin ich noch nicht, Herr Rosenbusch, dass ich neben meinem eigenen Handy noch ein fremdes mit einstecke.“

Was soll ich Ihnen sagen: Als Robert mit seiner Dienstkarosse die Stadtgrenze von Ebersberg erreicht hat, klingelte die Ehefrau von Herrn Rosenbusch in seiner Jackentasche.

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2024 wurde der Landkreis Ebersberg als digitale Bildungsregion ausgezeichnet. Und wer in der Digitalisierung ganz vorne dabei sein will, der muss sich auch selbst digitalisieren, heißt: In Sonntagsreden feiert Robert das digitale Landratsamt. Und auch in seinem eigenen Büro hat die Digitalisierung Einzug gehalten. Robert arbeitet dort mit Mappen, in jeder Rubrik von 1 bis 31 ist irgendein Vorgang, also zum Beispiel Einladung des Jagdverbandes. Wollen Sie da hingehen, Herr Landrat? Oder Besprechung mit Herrn Böhm zum Thema XY. Anbei vorbereitende Unterlagen usw.

Die Mappen liegen da auf seinem Schreibtisch. Hat der Robert zu seiner Sekretärin gesagt: „Wir digitalisieren das. Machen Sie mir bitte eine Übersichtsliste, in welchem Reiter der Mappe welcher Vorgang liegt, drucken Sie sie aus und legen Sie die Übersichtsliste oben auf die Mappe, dann bin ich da schneller durch als bislang, digital halt“.

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Man sagt Robert nach, dass er unpünktlich ist. Das trifft nicht zu. Er kommt halt nur später. Außer, es wird ein Foto geschossen. Zum Beispiel beim Aktionstag der Straßenmeisterei. Da war er super pünktlich, da durfte er nämlich Bagger fahren. Und zu Feierlichkeiten kommt er auch relativ pünktlich. Er kommt gerne, bleibt lang und geht erst, wenn er etwas sagen durfte. Für Robert ist jedes Grußwort eine Art Gottesdienst: Die Gemeinde ist versammelt, Robert steht vorne, und die Predigt dauert halt, so lange sie dauert.

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Seit bekannt ist, dass ich heute wieder am Aschermittwoch spreche, werde ich aus der Bevölkerung beliefert. Ich bekomme per Mail Vorschläge, was ich sagen sollte. Zum Teil wirklich originelle. Zitieren möchte ich aus dem Textvorschlag eines Mitbürgers, der nicht Mitglied der CSU ist, der auch kein Anhänger der CSU ist, sondern wie man so schön sagt, ein Wandler zwischen den Welten, ein Wechselwähler. Er ist heute auch hier, aber ich verzichte natürlich aus Gründen des Datenschutzes darauf, ihn namentlich zu identifizieren. Ich zitiere nun wörtlich aus Texten dieses Mitbürgers:

Leo Spitzauer hat sich in seinem Bürgermeisterbrief selbst für die Eröffnung des Seniorenzentrums gelobt. Wahrscheinlich hat er dabei auch an seinen Vorgänger gedacht. Nicht, dass dieser schnell einen Austrag findet, nein, aber im Seniorenzentrum bleibt das Klientel von Schorsch Reitsberger fit, um dessen Geburtstagsbesuche auch noch in ferner Zukunft zu ertragen. Schorsch Reitsberger kennt keine Gnade mit Geburtstagen.

Die FDP Vaterstetten nominierte Leo Spitzauer auch als ihren Bürgermeisterkandidaten. Als Fan des freien Marktes könnt Ihr von der FDP denken: Wir haben unsere Anteile an einer kleinen, riskanten Small-Existing-Partei gegen eine sichere Staatsanleihe der Marke Spitzauer getauscht. Die Rendite ist geringer, aber das Insolvenzrisiko im Rathaus tendiert gegen Null.

Zur SPD-Bürgermeisterkandidatin: Warum wechseln, wenn’s halbwegs läuft? Bisher war sie die Nummer zwei – und jetzt will sie plötzlich die Fernbedienung in die Hand bekommen. Stellvertretung ist halt wie Beifahrer sein: Man weiß, wo’s langgeht, aber geblitzt wird immer der andere.

Also Leo: Du musst noch warten, bis Du vom Bürgermeister zum Ehrenbürgerkandidat mutierst. Es wird nicht renoviert, wenn die Wand noch hält.

Zur Ankündigung des grünen Bürgermeisterkandidaten, er wolle einen furiosen Wahlkampf führen: Sie haben richtig gehört: furiosen und nicht kuriosen Wahlkampf. Zum Beispiel meint er, wer an der S-Bahn wohnt, brauche keine zwei Parkplätze, denn wer viele Stellplätze habe, habe auch viele Autos.

David Göhler, so heißt der Bürgermeisterkandidat der Grünen, will weniger Autos und mehr Kreisel haben. Er hat das Prinzip verstanden. Er will den Autofahrern das Fahren nicht verbieten, er will sie nur so lange in den Kreis schicken, bis sie vergessen haben, wo sie eigentlich hin wollten, und sich aus purer Verzweiflung ein Deutschlandticket kaufen.

Zitat Ende.

Liebe Mitbürger, Sie haben mich großartig unterstützt, ich danke Ihnen.

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Das bayerische Kommunalwahlrecht ist kompliziert. Kumulieren und panaschieren. Du kannst einem einzelnen Kandidaten nicht nur eine Stimme geben, sondern auch zwei oder drei. Du kannst Kandidaten von verschiedenen Listen wählen. Du kannst oben eine Liste ankreuzen, musst es aber nicht tun. Du kannst Kandidaten streichen. Alles recht kompliziert. Und deshalb habe ich mir vor 18 Jahren, also bei der vorvorletzten Kommunalwahl, Gedanken gemacht, wie man das Wahlsystem den Bürgern mit einfachen Worten gut erklären kann. Und der Text, den ich vor 18 Jahren konzipiert habe, findet sich auch heute noch unverändert auf der Rückseite unserer Werbemittel. Ich zitiere:

„So wählen Sie richtig!

Bei der Gemeinderatswahl haben Sie 30 Stimmen. Keine Stimme verschenken! Deshalb links oben die CSU-Liste ankreuzen. Dann geht keine Ihrer 30 Stimmen verloren.

Unabhängig davon können Sie einzelnen Kandidaten eine, zwei oder drei Stimmen geben. Fördern Sie Ihre Wunschkandidaten: Schreiben Sie eine 3 in das Kästchen vor deren Namen, dann stärken Sie ihnen den Rücken bei der Sitzvergabe.

Bitte maximal zehn Kandidaten eine 3 geben.“

Flatterte mir doch vor kurzem der Prospekt der Vaterstettener SPD in meinen Briefkasten. Und was lese ich auf der letzten Seite:

„So wählen Sie richtig!

Bei der Gemeinderatswahl haben Sie 30 Stimmen. Bitte vergeben Sie nicht mehr als 30 Stimmen, sonst ist Ihr Stimmzettel ungültig. Wir empfehlen links oben die SPD-Liste ankreuzen. Dann geht keine Stimme verloren. Unabhängig davon können Sie einzelnen Kandidatinnen und Kandidaten eine, zwei oder drei Stimmen geben. Wenn Sie Ihre Wunschkandidaten fördern wollen, schreiben Sie eine 3 in das Kästchen vor den jeweiligen Namen. Dann stärken Sie ihnen den Rücken bei der Sitzvergabe.“

Das ist inhaltlich 1 : 1 mein Text! Die haben schlicht und einfach von mir abgeschrieben!

Ich mache der Vaterstettener SPD für die nächste Kommunalwahl – 2032 – ein Angebot:

Warum lasst Ihr mich nur die letzte Seite Eures Prospekts schreiben, lasst mich doch alle Seiten schreiben. Dann gibt es keine Meinungsverschiedenheiten zwischen CSU und SPD mehr.

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Wenn ich die Manuskripte von Aschermittwochsreden, die ich vor 20 Jahren hier gehalten habe, durchlese, dann schaudert’s mich ein wenig. Übertrieben gesagt: Sie waren sexistisch, rassistisch und pöbelhaft. So redet man heute einfach nicht mehr. Die Zeiten sind vorbei, jedenfalls für die Parteien der demokratischen Mitte.

Wenn Du heute zum Beispiel einen Bürgermeisterkandidaten nominierst, dann gehört es mittlerweile zum guten Ton, dass man bei den Nominierungsversammlungen die Gegenkandidaten, die Mitbewerber, ausblendet, ihre Namen nicht nennt und sie zumindest nicht persönlich attackiert.

Bei der Vaterstettener SPD ist dieser neue Trend noch nicht angekommen. Bei der Nominierung ihrer Bürgermeisterkandidatin sagte der damalige Ortsvorsitzende – jetzt haben sie einen neuen Ortsvorsitzenden, den Ehemann der Kandidatin, das reduziert das Risiko von Kritik an der richtigen Wahlkampfstrategie – der damalige Ortsvorsitzende sagte wörtlich: „Wir wollen Leo mit 40 in Rente schicken.“

Nun müssen Sie wissen, dass die SPD traditionell ein verklärtes Verhältnis zur Rente hat. Die glauben wirklich, dass, wenn jemand zwischen seinem 34. und seinem 40. Lebensjahr mal ein öffentliches Amt inne hatte und dann aus diesem ausscheidet, dass er dann ab 40 lebenslang Rente in Anspruch nehmen kann. Das glauben die wirklich! Aber da ist natürlich nichts dran. Seien Sie unbesorgt, der Leo muss schon noch ein paar Jahrzehnte malochen, bis er einmal eine Bürgermeisterpension einstreichen kann. Nicht einmal zwei Jahrzehnte reichen dafür.

Aber ich hätte der SPD, wenn sie mich gefragt hätte, empfohlen, mit Vergleichen zur Rente bei dieser Wahl vorsichtig zu sein. Denn die SPD ist ja auch für die Rente mit 63. Und nicht nur das. Ein guter Sozi ist nicht nur politisch für die Rente mit 63, sondern nimmt sie persönlich auch selbst in Anspruch, wenn er oder sie 63 wird. Das finden die einfach konsequent. Also wenn die SPD-Kandidatin hier in Vaterstetten am 8. März die Wahl gewinnen sollte, was nicht passieren wird, aber wenn sie es täte, dann hätte sie nur eine kurze Amtszeit, denn schon im August gäbe es für sie die Rente mit 63 und wir müssten schon wieder wählen. Dann lieber gleich den Leo für sechs Jahre verlängern.

Eingedenk dessen, dass ich mir vorgenommen habe, die politischen Gegner zu schonen, noch ein paar freundschaftliche Worte zur Vaterstettener SPD.

Die Vaterstettener Genossen sind zwar nach wie vor sehr aktiv, aber sie sind – und ich glaube, das darf man sagen – ein bisschen in die Jahre gekommen.

Ich selbst bin ja auch in die Jahre gekommen, man sieht es. Aber die Vaterstettener CSU und jung geblieben, und hat sich sogar noch verjüngt.

Wir Schwarze stellen bei der Gemeinderatswahl 2026 mit Abstand die jüngste Gemeinderatsliste mit einem Durchschnittsalter von 43,8 Jahren.

Die Vaterstettener SPD hat sich für eine andere Strategie entschieden, sie stellt bei dieser Wahl mit Abstand die älteste Gemeinderatsliste mit einem Durchschnittsalter von 53,9 Jahren.

Sie sind alle nett, unsere Sozis, aber ein bisschen schrullig sind sie schon, nicht immer ganz sortiert. So haben sie ein Plakat drucken lassen: Gemeindelauf am Dreikönigstag: Dienstag, 5. Januar. Erst nach zehn Tagen haben sie bemerkt, dass der Dreikönigstag heuer ausnahmsweise auf den 6. Januar und nicht auf den 5. Januar fällt.

Und die Bürgermeisterkandidatin hat zur Teatime eingeladen, und zwar mit folgenden Werbesprüchen: „Man kann Politik mit Bratwurst und Leberkas machen … oder bei einer Tasse Tee mit echten Inhalten.“

Nach der Teatime postet die SPD regelmäßig ein Foto mit all denen, die da waren. Um es ganz freundlich zu sagen: Die Dorfjugend wird mit diesem Format nicht erreicht. Selbst bei den Veranstaltungen im Seniorenzentrum ist das Durchschnittsalter niedriger.

Und zu der Anspielung auf uns „Man kann Politik mit Bratwurst und Leberkas machen“ sage ich nur: Man kann Politik auch ohne Bratwurst und Leberkas machen, aber dann ist es nicht so lustig. Wir haben uns in diesem Wahlkampf entschieden, jeden Tag rauszugehen, immer an andere Orte, und immer mit anderen Angeboten. Und ich muss die Vaterstettener SPD schocken: Es gibt bei uns nicht nur Bratwurst und Leberkas, es gibt auch Schwäbische Schupfnudeln, Allgäuer Kässpätzle und Fischsemmeln, übrigens meistens unter freiem Himmel, denn da ist die Hemmschwelle der Bürger, zu einer politischen Veranstaltung zu gehen, nochmal herabgesetzt. Und darum geht’s uns in diesem Wahlkampf: Wir wollen mit möglichst viel Bürgern ins Gespräch kommen.

Ein paar Worte zur FDP:

Mit der FDP sind wir ja befreundet, das darf man so sagen. Den Robert unterstützt die FDP, den Leo hat sie sogar neben uns als ihren eigenen Kandidaten mit nominiert. Wir machen in Vaterstetten mit der FDP gemeinsame Fraktionssitzungen, im Kreistag haben wir sogar eine gemeinsame Fraktion CSU/FDP. Alles in bester Ordnung.

Die FDP hat sich entschlossen, in diesem Wahlkampf ihre sechs ersten Kandidaten mit Einzelplakaten zu bewerben. Das ist aufwendig, aber legitim. Beim Plakatieren sind handwerkliche Fähigkeiten gefordert. Hier hat die FDP noch Luft nach oben.

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Leo, Flo und ich haben uns am 6. Januar getroffen. Ich habe die anderen beiden gefragt, was sie sich fürs neue Jahr vorgenommen haben. Leo hat geantwortet: „Mein Ziel für 2026 ist es, die Ziele von 2025 zu erreichen, die ich mir 2024 gesetzt habe, weil ich mir 2023 vorgenommen habe, das zu erledigen, was ich 2022 geplant hatte, weil ich es 2021 nicht geschafft habe, die 2020-er Ziele umzusetzen.“  

Flo hat geantwortet: „Ich habe mir vorgenommen, bis zum Sommer 10 Kilo abzunehmen. Und was soll ich sagen. Noch 15 Kilo weg, und ich habe mein Ziel erreicht.“

Und dann haben sie gefragt, was ich mir vorgenommen habe. Ich habe geantwortet: „Am Silvestermorgen habe ich mir gedacht: „Andreas, ab heute trinkst Du weniger Alkohol.“ Zum Glück heiße ich nicht Andreas.

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Ich möchte Ihnen einen Einblick gewähren, wie die Vaterstettener CSU Probleme löst: Nach der Kommunalwahl 2020 wurden im Gemeinderat Referenten-Posten vergeben. Man wird nicht reich davon, man bekommt nur 50 Euro im Monat. Ich habe mich gemeldet und gesagt, ich möchte gerne Wirtschaftsreferent werden. Die Zuständigkeiten sind interessant: Märkte, Feste, Ansiedlungen, Standortsicherungen. Also nette Aufgaben. Und für den Flo hatten wir die Funktion des Abfallreferenten vorgesehen. Das ist eine wichtige Aufgabe, aber eine sehr undankbare: Sauberkeit an den Wertstoffhöfen, unvermeidbare Erhöhung der Müllgebühren etc.

Hat der Flo gesagt: „Ich möchte auch Wirtschaftsreferent sein.“ Da habe ich zum Flo gesagt: „Dann machen wir das so: Ich werde Wirtschaftsreferent und Du wirst Abfallwirtschaftsreferent.“ Hat der Flo gesagt: „Einverstanden.“

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Zu den Aufgaben des Abfallwirtschaftsreferenten gehört es, Klagen der Bürger über die Verschmutzung der Wertstoffinseln aufzunehmen und Verbesserungs-möglichkeiten zu suchen. Flo hat sich für diese Themen immer eingesetzt und ein kompliziertes Thema beackert, das oft auf Grund externer Player – Entsorgungsunternehmer etc. – wenig Spielraum für die Gemeinde lässt.

Flo hat sich unter anderem dafür eingesetzt, einen „Mülldetektiv“ zu engagieren, der Freveltaten an den Wertstoffinseln dokumentiert und nachverfolgt.

So hat die Gemeinde beispielsweise verboten, am zweiten Weihnachtsfeiertag etwas in die Container einzuwerfen, damit die Bürger, die um die Container herum wohnen, zumindest an den Feiertagen ihre Ruhe haben.

Am zweiten Weihnachtsfeiertag 2023 geriet ein Mitbürger buchstäblich in das Fadenkreuz des Mülldetektiven, der ungeniert an diesem Feiertag Müll abgeladen hat.

Am 16. Januar 2024 wurde dem Bürgermeister dieser Vorgang vorgelegt. Leo erkannte den Täter und entschied, mit der ganzen Härte des Gesetzes zuzulangen.

So erhielt Robert als erstes einen Bußgeldbescheid über 50 Euro wegen unberechtigtem Einwurf von Gegenständen am zweiten Weihnachtsfeiertag in die Wertstoffcontainer. Und dann erließ Leo gegen Robert noch einen zweiten Bußgeldbescheid über 150 Euro wegen Erregung öffentlichen Ärgernisses mit der Begründung, mit einer solch roten Hose dürfe man am Feiertag nicht in die Öffentlichkeit gehen, außer am Faschingsdienstag.

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Ich möchte Ihnen einen Einblick gewähren, wie die Spitze der Vaterstettener CSU intern miteinander kommuniziert.

Hat der Leo dem Flo Bilder geschickt, die den Flo in Action bei unserem Martinsgans-Essen gezeigt haben, wie er am Rednerpult steht und die Gäste begrüßt. Hat der Flo dem Leo geschrieben: „Auf den Bildern sehe ich ja grauenhaft aus.“ Hat der Leo zurückgeschrieben: „Ja, aber authentisch.“

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Der Leo hat das Rathaus regelrecht modernisiert. So verfügt das Rathaus beispielsweise über die neueste Generation Faxgeräte. Da macht uns wirklich keiner mehr was vor. Beim Faxen sind wir absolute Spitze.

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Leo ist, das kann man glaube ich guten Gewissens sagen, ein beliebter Chef der Verwaltung. Ich habe im Rathaus nur Mitarbeiter getroffen, die ihn mögen. Und das, obwohl er seine Mitarbeiter seit Amtsantritt mit merkwürdigen Lebensweisheiten beglückt.

Er sagte zum Beispiel:

  • Ich bin nicht hier, um Freunde zu finden. Ich hab schon welche.
  • Ich bin ja eher so wie ein umgekehrter Pfirsich. Außen knallhart, aber der Kern ist weich wie Butter.
  • Das Eisen schmieden, auch wenn es schon kalt ist, das war immer meine Stärke.
  • Ich bin ja ein sehr geselliger Typ. Aber nicht zwingend immer mit anderen Leuten.
  • Ich mach’s wie der liebe Gott. Der lässt sich auch nicht so oft blicken, hat aber trotzdem ein gutes Image.
  • Flache Hierarchien sind ganz wichtig, und immer zwei, drei offene Ohren für die Mitarbeiter.
  • Für einen Chef ist es imagemäßig oft ein extrem schmaler Grat zwischen sehr netter Kerl und ganz armer Willi.
  • Als Chef musst Du flexibel reagieren können. Du musst jederzeit bereit sein, Dich um 360 Grad zu drehen. Oder noch mehr.
  • Manchmal muss man als Chef auch einfach mal die Klappe halten – und dann trotzdem das letzte Wort haben.
  • Chef sein heißt auch: Verantwortung übernehmen – und die Schuld abgeben.
  • Ich bin für klare Hierarchien. Gott hat ja auch nicht zu Moses gesagt: Hier Moses, wenn Du Lust hast, ich hab mal ein bisschen was aufgeschrieben, was ich nicht sooo gut finde.
  • Wer als Chef immer erreichbar ist, hat etwas Wesentliches nicht verstanden. Napoleon konnte auch nicht dauernd angerufen werden. Oder Gandhi. Da wusste oft wochenlang keiner, wo der war. Wer immer erreichbar ist, erreicht selbst gar nichts. Das kann man von den Großen lernen.

Heute hat mir eine Mitarbeiterin von Leo noch einen Zettel zugesteckt, ich soll unbedingt noch Folgendes sagen:

In der Verwaltung sind seine Mitarbeiter der Überzeugung, dass es manchmal besser ist, mit Leo zu irren, als gegen ihn Recht zu haben.

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Lieber Leo, ich hätte nie gedacht, dass Dein Vorname seit Deiner ersten Wahl 2020 eine solche Berühmtheit erlangen würde.

Dass der Papst, dass Robert Francis Prevost nach seiner Wahl im Konklave am 8. Mai 2025 für seine Amtszeit den Namen Leo gewählt hat, ist für alle Träger des Namens Leo ein Geschenk Gottes bzw. seines Stellvertreters auf Erden. Das Musical König der Löwen wurde seit 2020 weltweit zu dem Musical, das die höchsten Einspielergebnisse erzielt. Und der deutsche Kampfpanzer heißt Leo. Den gibt’s zwar schon seit 1978, aber keine Sau hat Jahrzehnte über den gesprochen. Erst seitdem Rüstung wieder etwas zählt, ist er in aller Munde, der Leo, und hochbegehrt.

Und im Dezember habe ich im Münchner Merkur gelesen: Golden Globe für Leo? Da dachte ich mir: Ist es schon so weit, kriegt er jetzt sogar noch Filmpreise? Da habe ich weitergelesen und da wusste ich, es geht um Leonardo DiCaprio und nicht um Leo Spitzauer.

Es wäre wahlkampftechnisch sehr gut, lieber Leo, wenn Du noch vor dem 8. März irgendetwas nach Dir benennen könntest. Nun werden zwar Straßen und Gebäude gerne einmal nach Bürgermeistern benannt, aber üblicherweise erst nach ihrem Ableben. Und ich finde, dass ist zu viel verlangt. Aber ich habe eine Idee, was Du auch zu Lebzeiten nach Dir benennen könntest: Nämlich die Buslinie 451, die durch Vaterstetten und Baldham fährt. Die hat noch keinen Namen. Die heißt einfach 451. Die könntest Du „Leo Line“ nennen und den Kritikern, die es dann sicher geben wird, entgegnen, Du hast Dich bei der Namensgebung an der Chiemgauer Lokalbahn orientiert. Da gibt es eine ganz schnuckelige Eisenbahn, die zwischen Obing und Bad Endorf fährt und die heißt Leo. Vielleicht gibt es da auch einen inneren Zusammenhang, denn Doris Laban, die frühere Leiterin des Hauptamtes der Gemeinde Vaterstetten, war sechs Jahre lang Bürgermeisterin in Bad Endorf. Und es ist immer noch besser, wenn der 451er Bus künftig Leo heißt als wenn irgendjemand auf die Idee kommt, ihn nach dem Gemeindebürger zu benennen, der den Fahrplan des 451er am besten kennt, nämlich Sepp. Ich glaube: Eine Buslinie klingt doch sympathischer und wird besser angenommen, wenn sie Leo heißt und nicht Sepp.

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Heute sind viele unserer Kandidaten da, aber nicht alle, einige haben die Faschingsferien genutzt, um zu verreisen, zum Teil weit weg. Ilona Dreier ist in Südafrika, Albert Wirth ist in Vietnam. Und obwohl die Ilona so weit weg von hier ist, muss ich Ihnen noch eine Geschichte erzählen: Es war nach der Gemeinderatssitzung im September 2025, wir waren danach noch im CSU-Kreis im vietnamesischen Restaurant Tam Nhu in Baldham am S-Bahnhof zu einem Nachtessen, würden die Österreicher sagen. Ilona fragte mich: „Wie läuft denn die Zusammenstellung der neuen Gemeinderatsliste?“ Das war eine Aufgabe, die Leo, Flo und ich gemeinsam bewältigt haben. Ich sagte zu Ilona: „Ach, es läuft ganz gut, morgen beispielsweise treffe ich eine Gemeindebürgerin, die ich für die Liste gewinnen will, die war einmal die Freundin Deines Mannes Michi.“ Darauf ist mir etwas passiert, was mich sehr an den Song „Mambo Number Five“ von Lou Bega erinnert hat. Sie erinnern sich vielleicht auch, das Lied stammt von 1999. Ich erspare es Ihnen vorzusingen, aber es heißt dort sinngemäß:

I like Angela, Pamela, Sandra and Rita.

A little bit of Monica in my life,

a little bit of Erica by my side,

a little bit of Rita`s all I need,

a little bit of Tina`s what I see,

a little bit of Sandra in the sun,

a little bit of Mary all night long,

al little bit of Jessica, here I am.

Und an dieses Lied musste ich mich erinnern, als Ilona zu mir auf meine Ankündigung, ich würde eine frühere Freundin von Michi treffen, sagte: Ah, das kann ja nur die Angela sein, oder die Pamela, oder die Sandra oder die Rita oder die Monica. Ich habe die Namen nicht gezählt, es waren viele. Das blöde war nur, der Vorname der Frau, die ich dann einen Tag später getroffen habe, war nicht dabei. Ich verstummte und versuchte das Thema zu wechseln. Es gelang mir nur mühsam, denn Ilona erwartete eine Antwort – welche ist es denn nun ? –, die ich ihr aber nicht gegeben habe.

Am nächsten Tag traf ich unsere Mitbürgerin. Leider hat sie mir aus familiären Gründen abgesagt. Aber beim Verabschieden habe ich sie noch gefragt: Du, das stimmt doch, dass Du mal mit dem Michi Dreier befreundet warst. Sagte sie: Ja, von dann bis dann.

Ich begrabe selbstverständlich den Namen in meinem Herzen. Und ich habe mir von Ilona und Michi ausdrücklich die Erlaubnis geholt, diese Geschichte heute erzählen zu dürfen. Der Michi war halt vor seiner Ehe ein Womanizer, und die Ilona weiß das und geht damit souverän um.

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Ich glaube, derjenige im Raum, der sich mir am meisten verbunden fühlt, ist Benedikt Weber. Das folgere ich daraus, dass er begonnen hat, seine Kinder nach meinem Privatleben zu benennen. Angelika und ich hatten bislang drei Untermieter: zunächst Leander, dann Leon und jetzt Linus. Und wie hat Bene seinen ersten Sohn, der am 6. November zur Welt gekommen ist, genannt: Leander. Und wie wird sein zweiter Sohn, an dem angeblich schon gearbeitet wird, heißen: Leon. Oder, wenn es ein Mädchen wird: Leonie. Da bin ich mir ziemlich sicher. Und der dritte dann Linus. Für dieses Zeichen enger Verbundenheit, lieber Bene, bin ich Dir sehr dankbar.

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Unser Gemeinderatskandidat Stephan Lüke, Platz 21, ist Steuerberater und Wirtschaftsprüfer und sieht sich selbst als 1A-Heimhandwerker. Der braucht keine Handwerksfirmen, der macht zu Hause alles selbst. Zu seiner Frau Claudia hat er kürzlich gesagt: „Wenn ich sage, ich repariere das, dann wird das auch gemacht! Dann gibt es auch keinen Grund, mich alle sechs Monate daran zu erinnern.“

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Sepp Schmid ist in der Silvesternacht auf dem Weg vom Vereinsheim des FC Baldham-Vaterstetten nach Baldham-Dorf in eine Verkehrskontrolle geraten. Hat ein Polizist gefragt: „Haben Sie Alkohol getrunken?“ Sagte der Sepp Schmid: „Nur einen kleinen Wachtmeister, Herr Jägermeister.“

Ich hoffe, lieber Sepp, ich durfte das hier erzählen. Heute ist der Sepp zu Fuß da. Das ist sehr verdienstvoll.

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Ich freue mich, dass Ernst Gottlieb, der Vorsitzende unserer Senioren-Union, da ist. Bei unserer Senioren-Union geht es gemütlich zu. Der Ernst hat den Leo mal als Referenten zu einem Stammtisch im Purfinger Haberer eingeladen. Wörtlich hat er geschrieben: „Lieber Leo, der Stammtisch beginnt um 18.00 Uhr, wäre toll, wenn Du um 19.00 Uhr kommen könntest.“

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Ich freue mich, dass unser Kreisvorsitzender und Stimmkreisabgeordneter Thomas Huber da ist. Er ist ein fleißiger Abgeordneter, aber er neigt bei Ansprachen zur Länge. Besonders gefürchtet ist sein politischer Bericht als Kreisvorsitzender bei Kreisvorstandssitzungen der CSU. Die können auch mal alle folgenden Tagesordnungspunkte überdauern. Philipp Trepte und Flo Pöhlmann saßen einmal in einer Kreisvorstandssitzung nebeneinander, Tom war in seinem Element, sagte der Philipp zum Flo: „Wir können uns wirklich glücklich schätzen, dass er nur bis zur Parteigründung zurückgeht und nicht zum Beginn der Menschheit.“

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Thomas sprach zuletzt bei den 125. Sonntagsbegegnungen in Markt Schwaben.

Angelika und Walentina saßen nebeneinander. Beugt sich Angelika zu Walentina und sagt: „Ich bin später gekommen, wie lange spricht Thomas schon?“ Sagte Walentina: „Etwa 20 Minuten.“ Fragte Angelika: „Und worüber redet er?“ Sagte Walentina: „Das hat er bis jetzt noch nicht gesagt.“

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Ich begrüße unseren Kreistagskandidaten Dr. Karem Goma, Jäger und Kreisvorsitzende des Bayerischen Jagdverbandes, von Beruf Apotheker. Kam kürzlich eine Chemikerin in seine Apotheke und sagte: „Ich hätte gerne eine Packung Acetylsalicylsäure.“ Sagte Karem: „Sie meinen Aspirin.“ Sagte die Kundin: „Ja, genau, ich kann mir bloß dieses blöde Wort nie merken.“

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Ich begrüße unseren Freund Piet Mayr, 1. Bürgermeister der Gemeinde Zorneding, und seine Partnerin Sabine Bonori. Piet liebt die einfache Kost. Mit den modernen Gerichten kennt er sich dagegen nicht so aus. Kürzlich hat er Sabine gefragt: „Schatz, was ist das für ein komisches Zeug hier neben meinem Steak?“ Sagte Sabine: „Couscous.“ Sagte Piet: „Kuss zurück, aber was ist das denn jetzt?“

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Ich freue mich, dass Annabell Wegener heute hier ist, stellvertretende CSU-Ortsvorsitzende und Familienreferentin des Gemeinderats. Sie hat gemeinsam mit ihrem Mann Holger zwei Kinder, Charlotte, 12 Jahre alt, und Justus, 15 Jahre alt. Charlotte ist jetzt in einem Alter, wo sie ihre Eltern viel fragt, so zum Beispiel: „Mama, ist der stille Ozean den ganzen Tag still?“ Sagte Annabell: „Charlotte, frag mich lieber mal was Sinnvolles.“ Darauf Charlotte: „Na gut, Mama. Woran ist das Tote Meer gestorben?“

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Ich begrüße den ältesten aktiven Fußballer im Saal, nach meinem Kenntnisstand Frank Meik, 71, und noch jede Woche aktiv auf dem Platz.

Als der Frank vorletztes Jahr seinen 70. gefeiert hat, wurde ein kleines Quiz veranstaltet. Der Frank gilt als besonders kundig. Moderator war Thomas Peter vom SC Baldham-Vaterstetten. Thomas sagte zu Frank: „Dein Fachgebiet ist doch der Fußball, da kennst Du Dich doch wirklich aus.“ Sagte der Frank: „Das ist richtig. Im Fußball macht mir keiner was vor, da weiß ich einfach alles.“ Sagt der Thomas Peter: „Na gut, dann legen wir los. Hiermit meine erste Frage: Wie viel Maschen hat ein Tornetz?“

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Ich freue mich, dass heute hier sind: Britta Jörgens, unsere Gemeinderatskandidatin auf Platz 13, und ihr Mann Lars, und Sonja Ziegltrum, unsere Gemeinderatskandidatin auf Platz 15, und ihr Mann Boris. Zu diesen beiden Paaren stelle ich nüchtern fest: Es gibt zwei Arten von Partygästen: Die einen wollen möglichst früh nach Hause gehen, die anderen wollen bis zum Schluss bleiben. Das Dumme daran ist, dass sie miteinander verheiratet sind.

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Ich freue mich, dass Kreisrat Martin Lechner, Kreisvorsitzender der CSU-Arbeitsgemeinschaft für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten, ein praktizierender Landwirt, heute von Grafing zu uns nach Vaterstetten gekommen ist.

Der Martin war vor kurzem beim Tierarzt und hat zu ihm gesagt: „Ich brauche ein Stärkungspräparat für meinen Zuchtbullen.“ Fragte der Tierarzt: „Welches hatten Sie denn bisher?“ Sagt der Martin: „Weiß ich nicht, aber geschmeckt hat‘s nach Waldmeister.“

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Unser Ortsgeschäftsführer Daniel Demmel macht einen äußerst engagierten Kommunalwahlkampf. Und begegnet dabei natürlich auch vielen alten Bekannten, meint er. Kürzlich sprach er am Info-Stand einen Passanten an: „Mensch, Harald, schön Dich zu sehen, wie hast Du Dich bloß verändert: Früher warst Du viel eleganter und schlanker, früher waren auch Deine Haare noch nicht so grau und …“ Da unterbrach ihn der Passant und sagte: „Moment mal, ich heiße gar nicht Harald.“ Sagt der Daniel ungerührt: „Was, und Harald heißt Du auch nicht mehr …“

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Ich weiß nicht, ob Sie das schon wissen: Der Aldi bei uns in Vaterstetten wird umgebaut. Unterhalten sich Manfred Vodermair, CSU-Gemeinderat, und Sepp Schmid, bis 2024 CSU-Gemeinderat, darüber. Sagt der Sepp: „Du, Manni, ich habe gehört, da wo jetzt der Aldi stand, soll ein Eros-Center hinkommen.“ Sagt der Manni: „Mir egal, ich kaufe weiter bei Aldi.“

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Ich freue mich, dass Philipp Trepte heute Abend hier ist, JU-Kreisvorsitzender, unser Kandidat auf Platz 6, ein ganz schlauer Kerl, wenn ich das so salopp sagen darf, ab Mai Rechtsanwalt, die sind mir besonders sympathisch. Aber bei der Führerscheinprüfung ist es für ihn eng geworden. Da hat ihn der Prüfer auf einen Autobahnparkplatz fahren und dort parken lassen. Und dann hat er ihn gefragt: „Sagen Sie mal, Herr Trepte, wie lange dürfen Sie hier auf diesem Autobahnparkplatz parken?“ Dachte der Philipp nach und sagte: „Ja, unbegrenzt!“ Sagte der Prüfer: „Falsch, höchstens zwei Jahre, dann müssen Sie zum TÜV.“

Den Führerschein hat Philipp dann, trotz Bedenken doch bekommen.

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Wir haben heute bei uns einen Guinness-Weltrekordhalter. Und er ist auch ein Kandidat von uns: Michael Ott, Listenplatz 14. Michael ist Weltrekordhalter im Dauer-Schafkopfspielen. Der Rekord hält bis zum heutigen Tage. Und er hat ihn mit fünf Mitspielern dafür bekommen, dass sie zu sechst 170 Stunden am Stück Schafkopf gespielt haben. Wie geht das? Du brauchst zum Schafkopfen, wie wir alle wissen, vier Leute. Zwei sind damit außen vor. Mit jeder Stunde Schafkopf-Spielen hat sich der Spieler fünf Minuten Pause erarbeitet, die er ansparen durfte. Praktisch lief das so ab, dass jeder Spieler 16 Stunden durchgespielt hat und dann acht Stunden schlafen durfte. Wer solch ein Durchhaltevermögen an den Tag legt, lieber Michael, ist für die Kommunalpolitik geschaffen. Deine Frau Nina hast Du übrigens auch beim Schafkopfen kennengelernt. Eure Kinder heißen Franziska und Lorenz. Da haben die nochmal Glück gehabt, dass Ihr als Profi-Schafkopfspieler Eure Kinder nicht Roter Lump, Bumpe oder Kuglbauer Theres genannt habt.

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Ich freue mich, dass Rita Vollmayer und ihre Tochter Maria Decker da sind. Die beiden frisieren mich nämlich alle 14 Tage, ist wirklich so, weil ich unter einem extremen Haarwuchs leide.

Maria hat eine Zwillingsschwester, Franzi. Franzi hat 2014 für uns für den Gemeinderat kandidiert, ist bei dieser Wahl Ersatzkandidatin und gerade in Mexiko.

Bevor die Franzi Anfang des Monats nach Mexiko geflogen ist, hat die Maria zu ihr gesagt: „Franzi, nur dass das klar ist: Auch wenn Du weit weg bist, ich weiß als Zwillingsschwester immer, was Du denkst“. Hat die Franzi gesagt: „Dann hör auf damit, das ist privat“.

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Ich freue mich, dass Schorsch Kast hier ist. Er ist als berufsmäßiges Gemeinderatsmitglied in Ruhestand gegangen zum 30. November 2025, 17 Tage vor seinem 68. Geburtstag, also lange nach Deinem gesetzlichen Renteneintrittsalter, lieber Schorsch. Man merkt, Du bist kein Sozi.

Eineinhalb Jahre vorher, Schorsch war 66 und Leo hatte gemeinsam mit ihm drei Vorstellungsgespräche – im Abstand von 20 Minuten – wegen der Stelle Wirtschaftsförderung, Nachfolger Schorsch Kast. Die drei qualifiziertesten Bewerber waren Frauen. Und alle drei Bewerberinnen fragten den Schorsch am Ende des Gesprächs verständlicherweise vorsichtig, wann er denn beabsichtige, in Ruhestand zu gehen. Dreimal gab Schorsch unterschiedliche Auskünfte, wohlgemerkt im Abstand von zweimal 20 Minuten. Bei jeder Frage wurde der Zeitpunkt, wann er denn aufhöre, nach hinten geschoben. Hätten an dem Tag noch drei Bewerbungsgespräche stattgefunden, hätte der Schorsch wahrscheinlich gesagt: Ja, irgendwann 2029 wolle er dann schon mal kürzer treten.

Da hat sich der Leo, als er abends nach Hause gefahren ist, gedacht: Um dieses Personalthema muss ich mich jetzt doch mal persönlich kümmern.

Der Schorsch war seit 1. September 1979 im öffentlichen Dienst. Wer so lange im Landratsamt und im Rathaus ist, hat mehr Leichen im Keller als ein Krematorium, das gilt für Dich besonders, lieber Schorsch. Aber wir sind Dir auch dankbar, das möchte ich an dieser Stelle ausdrücklich sagen, ohne Dich würde es das Gewerbegebiet Parsdorf III nicht geben, da hast Du Dir einen bleibenden Verdienst in der Geschichte der Gemeinde Vaterstetten erworben.

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Ich freue mich, dass Mateo Kant da ist. Er ist nicht nur unser jüngster Kandidat, er ist der jüngste Kandidat aller Parteien, die sich am 8. März bei uns zur Wahl stellen. Mateo ist erst am 26. August letzten Jahres 18 Jahre alt geworden, und ein paar Tage später haben wir ihn als Kandidaten aufgestellt.

In diesem Zusammenhang muss ich für den eigenen Ortsverband eine Lanze brechen: Dass eine konservative Partei bei einer Kommunalwahl Kandidaten ins Rennen schickt, die jünger als 20 sind, ist schon ungewöhnlich. Und dass dann diese Kandidaten nicht irgendwo an das Ende der Liste geschoben werden, sondern im großem Einvernehmen mit allen Beteiligten in der Mitte der Liste platziert werden – mein 19-jähriger Sohn Daniel auf Platz 16 und Mateo mit 18 Jahren auf Platz 20 –, und dass wir insgesamt ein Drittel Kandidaten unter 35 Jahren aufgestellt haben, das zeigt, dass wir die Zukunft im Blick haben und insbesondere auch um die jungen Wähler kämpfen.

Mateo geht noch zur Schule, auf die Fachoberschule in Haar. Er ist eigentlich ein guter Schüler, außer in Französisch. Seine Französischlehrerin hat einmal zu ihm gesagt: „Tut mir leid, Mateo, aber mehr als eine 5 kann ich Dir in Französisch nicht geben.“ Hat der Mateo gesagt: „Gracias“.

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Mein 19-jähriger Sohn Daniel, der – wie ich schon sagte – auf Platz 16 unserer Liste kandidiert, kann heute Abend nicht da sein. Er ist heute Abend im Lager Hammelburg, hat sich für zwei Jahre bei der Bundeswehr verpflichtet, noch bis Juli diesen Jahres und wird dort zum Reserveoffizier ausgebildet. Ich habe ihn gefragt: „Warum willst Du eigentlich Offizier werden?“ Sagte er: „Als Mannschafter hat man es bei der Bundeswehr nicht leicht. In der Grundausbildung beispielsweise war ein 30-Kilometer-Marsch angesetzt. Da hat der Ausbilder sich vorne hingestellt und gesagt: Männer, ich habe eine gute und eine schlechte Nachricht. Zuerst die gute. Der Lahmste gibt das Tempo vor, das ist der Gefreite Thielmann. Alle freuten sich. Und nun, sagte der Ausbilder, die schlechte Nachricht: Der Gefreite Thielmann fährt vorne im Kübelwagen mit.“

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Ich freue mich, dass mein Sohn Alexander heute hier ist, er führt in Zorneding die dortige CSU-Gemeinderatsliste an und kandidiert auch für den Kreistag.

Er war immer schon ein intelligentes Kerlchen. An seinem elften Geburtstag habe ich ihn gefragt: „Was wünschst Du Dir?“ Sagte er: „Ich wünsche mir einen Hund, einen großen Bernhardiner.“ Da hab ich gesagt: „Das kannst Du komplett vergessen, darauf ist unsere Familie und unser Haus und unser Garten nicht eingestellt. Wünsch Dir etwas anderes.“ Sagte er: „Ok, Papa, ich wünsche mir, dass wir einen Tag lang die Rollen tauschen. Ich Vater, Du Sohn.“ Sagte ich: „Einverstanden.“ Sagte er: „Gut Sohn, dann komm jetzt mit, wir fahren in die Stadt und kaufen für Alexander einen Bernhardiner“.

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In diesem Sinne wünsche ich allen, die sich am 8. März um ein kommunales Mandat bewerben, individuellen Erfolg. Ich bedanke mich für Ihre Aufmerksamkeit und wünsche mir, dass wir in den letzten zweieinhalb Wochen des Wahlkampfes so gelassen und humorvoll miteinander umgehen, wie ich es heute Abend versucht habe.

Michael Niebler