„Zentraler Höhepunkt unserer Schule“

von Leon Öttl

Am Donnerstag, 30. April ab 18 Uhr präsentieren Jugendliche im Rahmen des Projekts „Spektrum Zeit“ ihre Auseinandersetzung mit dem Thema Zeit in der Aula der Karlheinz-Böhm Grund- und Mittelschule in Vaterstetten. Der Eintritt ist kostenlos. Inhaltlich ist das Projekt angelehnt an den Roman „Momo“ von Michael Ende, der sich auf poetische Weise mit der Wahrnehmung und dem Wert von Zeit auseinandersetzt. Die Regie übernehmen die Münchner Choreografin und Performerin Barbara Galli-Jescheck sowie ihr Mann, der Münchner Regisseur Philipp Jescheck. Wir haben mit der Schulleiterin Andrea Dauth über das Projekt gesprochen.

⁠Seit vielen Jahren werden an Ihrer Schule Tanz- und Theaterprojekte realisiert. Was macht „Spektrum Zeit“ so besonders?

Seit rund 15 Jahren realisieren Barbara und Philipp Jescheck an unserer Schule ein außergewöhnliches Theaterprojekt, das zu den festen kulturellen Höhepunkten des Schuljahres zählt. In diesem Projekt schreiben die Schülerinnen und Schüler ihre Theaterstücke selbst und setzen sie eigenständig auf die Bühne. Ein besonderes Merkmal ist dabei die Einbeziehung des Publikums: Die Zuschauer werden aktiv in das Geschehen integriert, sodass die Grenzen zwischen Realität und Spiel bewusst verschwimmen und sich die Rollen von Schauspielenden und Publikum immer wieder neu verschieben.

Dieses Theaterprojekt ist seit vielen Jahren ein zentraler Höhepunkt unserer Schule – künstlerisch anspruchsvoll, organisatorisch aufwendig und bewusst extravagant in seiner Umsetzung.

Das Format „Spektrum Zeit“ knüpft daran an und entwickelt daraus eine eigenständige, zusätzliche Abendveranstaltung: Hier werden ausgewählte Szenen aus dem Theaterprojekt aufgegriffen und in einen neuen künstlerischen Zusammenhang gestellt. Gemeinsam mit den musikalischen Beiträgen der Musikschule Vaterstetten und der Musikschule Trogir entstehen so vielschichtige Inszenierungen, in denen Theater und Musik zu einem Gesamtkunstwerk verschmelzen. Das macht „Spektrum Zeit“ zu etwas ganz Besonderem.

Was bedeutet „Zeit“ für Sie?

Im Kontext von „Spektrum Zeit“ bedeutet Zeit für mich weit mehr als das bloße Vergehen von Minuten und Stunden. Zeit wird hier zum kreativen Raum: Unsere Schülerinnen und Schüler setzen sich künstlerisch mit Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft auseinander und machen diese Dimensionen auf der Bühne erlebbar.

Gleichzeitig steht Zeit auch für Entwicklung und Reifung – für den langen Prozess, in dem Ideen wachsen, Szenen entstehen und junge Menschen über sich hinauswachsen. Gerade in der Verbindung von Theater und Musik wird Zeit spürbar: als Rhythmus, als Dramaturgie und als gemeinsames Erleben im Moment der Aufführung. So wird „Spektrum Zeit“ zu einem lebendigen Ausdruck dessen, wie wertvoll gemeinsam gestaltete Zeit sein kann.

Welche Rolle können Projekte wie „Spektrum Zeit“ für die persönliche Entwicklung von Jugendlichen spielen?

Projekte wie „Spektrum Zeit“ leisten einen wichtigen Beitrag zur persönlichen Entwicklung junger Menschen, weil sie Begegnung auf Augenhöhe ermöglichen. Schülerinnen und Schüler aus unterschiedlichen sozialen und schulischen Hintergründen sowie aus verschiedenen Kulturkreisen arbeiten hier gemeinsam an einem künstlerischen Ziel. Dabei lernen sie, einander zuzuhören, Perspektiven zu wechseln und Unterschiede als Bereicherung zu verstehen.

Gerade diese Vielfalt stärkt soziale Kompetenzen wie Teamfähigkeit, Empathie und gegenseitigen Respekt. Gleichzeitig erfahren die Jugendlichen, dass ihre eigenen Ideen und Ausdrucksformen wertvoll sind und in einem größeren Ganzen sichtbar werden können. Das fördert Selbstbewusstsein und ermutigt dazu, sich aktiv einzubringen.

Nicht zuletzt entstehen durch die gemeinsame Arbeit intensive Erfahrungen und Verbindungen, die über das Projekt hinaus wirken. „Spektrum Zeit“ schafft damit einen Raum, in dem Integration nicht nur thematisiert, sondern ganz praktisch gelebt wird.

Was verbinden Sie persönlich mit Kroatien?

Vor allem wunderbare Erinnerungen an Sonne, Meer und Zeit zur Entspannung. Es ist ein Land, in dem man den Alltag hinter sich lassen kann, die Natur genießen und die Seele baumeln lassen. Gleichzeitig fasziniert mich die reiche Kultur des Landes – von historischen Städten über lebendige Traditionen bis hin zur vielfältigen Musik- und Kunstszene.

Kroatien ist für mich ein Ort, an dem es den Menschen gut geht, wo Gastfreundschaft spürbar ist und man das Leben bewusst genießen kann. Gerade diese Mischung aus Erholung, Kultur und Lebensfreude macht das Land für mich so besonders.

Vielen Dank für das Gespräch.

Organisiert wird das Projekt vom Partnerschaftsverein, der sehr stolz darauf ist, Jugendliche aus Vaterstetten und Trogir in einem gemeinsamen künstlerischen Prozess zusammenzubringen. Beteiligt sind Schülerinnen und Schüler der Musikschule Vaterstetten, der Musikschule Trogir sowie der Karl-Böhm-Mittelschule Vaterstetten.