Skulptur gegen das Vergessen

von Catrin Guntersdorfer

Mit der Skulptur “Restlicht” erinnert der Künstler Werner Mally ab heute im Jugendstilpark in Haar an die etwa 4000 Patienten, die in der ehemaligen Heil- und Pflegeanstalt während des NS-Regimes im Zuge der sogenannten Euthanasie ermordet wurden. Auf dem früheren Areal Haar II des Bezirkskrankenhauses hat die Installation ihre endgültige Position bezogen und wurde im Beisein des Künstlers, des kbo-Klinik-Direktoriums und zahlreicher Politiker feierlich eingeweiht.

Durch die Bohrungen in einer Metallplatte fällt das Sonnenlicht auf den Boden und lässt Tattoo-artige Zahlen erscheinen. (Foto: B304.de/Catrin Guntersdorfer)

Werner Mallys “Restlicht” soll das Gedenken an die dunkle Vergangenheit des ehemaligen Klinikareals wach halten. “Dort, wo einst Verbrechen und Verrat an der Menschlichkeit stattgefunden haben, spielen heute Kinder, Menschen genießen Kultur, arbeiten und leben hier”, erklärt Haars Bürgermeister Andreas Bukowski. Das Kunstwerk solle dafür sorgen, dass bei der Entwicklung des Areals zu einem bunten Lebensraum nicht vergessen wird, was in der Gemeinde passiert ist, so der Politiker: ” Es ist ein bedeutungsvoller Moment für die Gemeinde, denn zum Gedenken an die Opfer weihen wir heute einen Ort ein, der sich einem nur all zu bekannten Gebrechen der Menschen entgegenstellt: dem Vergessen!” Das filigrane Kunstwerk, das seine Bedeutung erst bei genauerer Betrachtung offenbart, wurde bereits 2012 von Mally für die Schweizerische Triennale in Bad Ragaz geschaffen. Die Skulptur war zunächst ein mobiles Kunstwerk und wurde an verschiedensten Orten aufgestellt, bis sie Haars Altbürgermeister Helmut Dworzak zusammen mit dem Klinikum erwarb. Zur Amtszeit von Gabriele Müller wurde die Skulptur vor dem Rathaus in Haar aufgestellt, nun hat sie ihren ursprünglich angedachten Platz eingenommen.

(von li.:) Altbürgermeister Helmut Dworzak, Bürgermeister Andreas Bukowski, ehemalige Bürgermeisterin Gabriele Müller, Künstler Werner Mally und Bezirkstagspräsident Josef Mederer (Foto: B304.de/Catrin Guntersdorfer)

“Für mich ist das Kunstwerk ein Zeichen für unsere kommenden Generationen, die sich immer daran erinnern sollen, was hier einmal passiert ist”, bekräftigt auch Bezirkstagspräsident Josef Mederer. “Wir sind nicht verantwortlich für das was früher getan wurde, aber wir sind dafür verantwortlich, dass so etwas nicht wieder passiert!” Die Idee zur Skulptur “Restlicht” kam Werner Mally durch den Großvater seiner Frau, der als einziger seiner jüdischen Familie mehrere Konzentrationslager überlebt hatte. “Wenn man jemanden erlebt, den man sehr schätzt, der aber durch eine Tätowierung auf dem Arm nur noch zu einer Nummer wird, dann brennt sich so etwas in das Gedächtnis ein”, erklärt der Künstler den Hintergrund seiner Skulptur. So stanzte Mally in eine Metallplatte auf Stelzen die Jahreszahlen 1938 bis 1945 nicht in Linien sondern in Punktform ein, auch die Namen der Opfer wurden zu einer Zahl. Scheint die Sonne, fällt durch die Löcher des Baldachins das Licht und die Jahreszahlen der NS-Gräueltaten werden Tattoo-artig auf den Boden projiziert. Eine Informationstafel, die noch am Kunstwerk aufgestellt wird, soll künftig ebenfalls an die Verbrechen in Haar erinnern.

Zwischen Kindertagesstätte und Kleinem Theater hat die Skulptur “Restlicht” ihren endgültigen Platz gefunden. (B304.de/Catrin Guntersdorfer)