Neuer Trickbetrug: Wunderheilerinnen unterwegs

von Eva Bistrick

Auf den ersten Blick mag es albern klingen: lila Auren, blockierte Chakren und angebliche „Opfergaben“. Doch genau darin liegt die Perfektion dieser Betrugsmasche, gegen die die Polizei gerade vermehrt ermittelt. Dabei geben sich meist Frauen als Aura-Leserinnen oder Wunderheilerinnen aus und manipulieren gezielt Menschen in schwierigen Lebensphasen. Die Täterinnen gehen sehr geschickt vor und haben es auch schon geschafft, abgeklärte, vorsichtige Personen in die Falle zu locken. Besonders betroffen sind Frauen, die sich in schwierigen Lebenssituationen befinden – etwa nach Trennungen, bei Krankheit, familiären Konflikten oder mit einem allgemeinen Interesse an Spiritualität und Esoterik.

So perfide läuft die Betrugsmasche ab
Die Täterinnen sprechen ihre Opfer gezielt in gehobenen Innenstadtlagen, Parks, auf Wochenmärkten, vor Kirchen, in Yogastudios oder Krankenhäusern an. Zunächst loben sie die angeblich besondere Aura der Opfer, etwa eine „lila Aura“. Kurz darauf weisen sie auf eine angeblich dunkle Seite hin – meist blockierte „Chakren“ – und bauen so schrittweise ein Vertrauensverhältnis auf. Oft wird das Gespräch bei einem Kaffee fortgesetzt, um das Vertrauen zu festigen.

Anschließend vereinbaren die Täterinnen Termine für Rituale. Dabei sollen die Opfer beispielsweise zuhause Kerzen anzünden oder ein Rosenblätterbad nehmen, während die „Wunderheilerin“ zu Hause Gebete spricht. Durch diese Rituale wird vorgetäuscht, negative Energien auf die Täterin zu übertragen, wodurch sich die blockierten Chakren lösen sollen. Unterstützt wird dies durch überreichte Gegenstände wie Weihwasser, Kräuter oder Heiligenbilder und Erwähnungen von Erzengeln.

Emotionaler Druck wird aufgebaut
Die Täterinnen stellen in der Regel keine festen Geldforderungen, sondern fragen, „was es den Opfern wert sei“. So entsteht ein hoher emotionaler Druck. Im Verlauf der Treffen wird oft ein vermeintliches belastendes Erbe ins Spiel gebracht, das „gereinigt“ werden müsse – dies dient dann als Begründung für größere Geldbeträge, sogenannte „Opfergaben“.

Die Ermittlungen deuten darauf hin, dass die Täterinnen teilweise gewerbsmäßig vorgehen. Viele Opfer trauen sich aus Angst oder Scham nicht, über die Erlebnisse zu sprechen. Die Polizei geht daher von einer hohen Dunkelziffer aus.

Polizei bittet um Hinweise
Wer kürzlich auf ähnliche Weise angesprochen wurde oder wem Personen bekannt sind, die größere Geldsummen oder Wertgegenstände unter diesen Umständen verloren haben, wird gebeten, sich an das Polizeipräsidium München, Kommissariat 61, unter Tel. 089 2910-0 oder jede andere Polizeidienststelle zu wenden.

Mehr Informationen gibt es auf der Website der Polizei: polizei.bayern.de/muenchen